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Henk Nengerman (r.) und Daniel Ilbrink haben unter anderem den Bremsbelag aus Ulmenholz und die Zähne des Kammrads in der Mühle erneuert. Foto: dth

Sanierung der Bardowicker Mühle: Welle läuft wieder wie geschmiert

Bardowick. Für Henk Nengerman ist es ein Wiedersehen mit einer alten Bekanntschaft: Rund 23 Jahre ist es her, dass er half, ihr Flügel zu verleihen. Jetzt hat er ihr Inneres wieder in Schwung gebracht. Rund zwei Wochen lang hat der 53 Jahre alte holländische Mühlenbauer Nengerman mit seinem Kollegen Daniel Ilbrink gesägt, gehämmert und gehobelt, um die größtenteils hölzerne Mechanik der Bardowicker Windmühle zu überholen.

Es ist die umfangreichste Wartungsmaßnahme an dem historischen, 204 Jahre alten Bauwerk seit der Wiederinstandsetzung 1994. Jetzt läuft auch die tonnenschwere, gußeiserne Flügelwelle mit Hilfe von Schweineschmalz und Rindertalg wieder wie geschmiert. Dafür war vorher ein regelrechter Kraftakt der beiden Handwerker notwendig.

Bingo-Stiftung zahlt Großteil der Sanierung

„Damit ist der Betrieb für die nächsten 20 Jahre gesichert“, freut sich Bardowicks Müllermeister Eckhard Meyer, der die Mühle in nunmehr sechster Generation führt. Sie ist eine der wenigen Windmühlen in Deutschland, die noch zur Mehl- und Futterschrotproduktion eingesetzt wird. Zu verdanken hat er die Instandsetzung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung: Mit 20 000 Euro finanziert sie rund 80 Prozent der Sanierungskosten. Stiftungsgeschäftsführer Karsten Behr begründet die Förderung so: „Damit wird auch das Landschaftsbild erhalten, das durch die sich drehenden Windmühlenflügel geprägt wird.“

Damit das Geld fließen kann, ist der „Windmühlenverein Bardowick – Verein für Heimatkunde“ mit von der Partie. Vorsitzender Bernd Wald sagt: „Federführend verwalten wir das Stiftungsgeld für die Sanierung.“ Der rund 120 Mitglieder zählende Verein, der auch Führungen, Mühlenfeste und Backtage organisiert, hat als Auflage für den Zuschuss einen neuen Nutzungsvertrag mit dem Mühleninhaber geschlossen, der den öffentlichen Zugang zur Mühle sicherstellen soll. Bislang hatte der Nutzungsvertrag eine Laufzeit von einem Jahr, der sich ohne Kündigung jeweils um ein Jahr verlängert. Wald sagt: „Jetzt haben wir uns auf zwölf Jahre bis 2028 geeinigt.“

Während vor der Mühle Wald und Meyer von der guten Nachricht erzählen, tönen aus dem Inneren des Gallerieholländers von 1813 die letzten Hammerschläge der niederländischen Handwerker. Nengerman steht im Kopf der Mühle. Gerade wurden testweise die Klappen der Mühlenflügel geschlossen. Sie fangen den Wind ein. Erste kleine Zahnräder drehen sich im Inneren. Die Bremse wird gelöst, dann kommt das große Kammrad in Rotation.

Auf dem „Katzenstein“ lastet Gewicht von zehn Tonnen

Die Flügel sind über die sogenannte Flügelwelle, eine tonnenschwere, eckige Säule aus Gußeisen mit dem hölzernen Kammrad aus Eichenholz im Mühlenkopf verbunden. Drehen sich die Flügel, dreht sich das im Durchmesser mehr als drei Meter große Rad, das wiederum treibt weitere Zahnräder über mehrere Etagen in der Mühle an. Nengerman und sein Kollege Ilbrink haben unter anderem den Bremsbelag des Kammrads erneuert, der aus Ulmenholz besteht.

Besonders knifflig war der Austausch des koffergroßen Katzensteins, der, wenn er beschlagen wird, nach Katzendreck riecht, und als Auflage für die Flügelwelle dient. Nengerman: „Darauf lastet ein Gewicht von rund zehn Tonnen.“ Die Flügelwelle stützten die Handwerker mit Holz ab und hoben sie mit einem Hydraulikheber an, um an den Stein zu kommen. Damit die Flügelwelle gut geschmiert ist, kommt kein Öl, sondern Schweineschmalz und Rindertalg zum Einsatz, das klumpenweise an Bändern im Gebälk bereithängt. Abschließend sagt Nengerman nach zwei Wochen Arbeit: „Wir sind sehr zufrieden, man hört nichts, es läuft ganz ruhig.“

Von Dennis Thomas