Dienstag , 17. September 2019
Aktuell
Home | Lokales | Hochwasserschutz: Lüneburg muss nachjustieren
Sollte die Ilmenau bei einem Jahrhunderthochwasser über die Ufer treten, wären unter anderem die Gewerbeflächen von Holz-Herbst in der Goseburg betroffen. Foto: t&w

Hochwasserschutz: Lüneburg muss nachjustieren

Lüneburg. Wann es kommen wird und ob es überhaupt kommen wird, ist ungewiss. Weil aber ein neues Jahrhunderthochwasser für die Ilmenau nicht auszu schließen ist, wurden durch das Land vorsorglich neue Überschwemmungsgebiete ausgewiesen. Sie sollen es dem Fluss ermöglichen, sich in seinen natürlichen Auen auszudehnen – mit entsprechenden Konsequenzen. So wären in Lüneburg Industriebetriebe in der Goseburg ebenso von steigenden Ilmenaufluten betroffen wie Kleingärten in Düvelsbrook und In der Kiepe. Die Folgen wären aber auch ohne eintreffendes Hochwasser weitreichend.

Hochwassereignis statistisch alle 100 Jahre

„Um- oder Neubauten wären für uns vermutlich nicht mehr möglich, wenn die neuen Überschwemmungsgebiete beschlossen werden“, vermutet Carsten Herbst, Geschäftsführer der Holz-Herbst GmbH. Deren Betriebsgelände in der Goseburg reicht bis dicht ans Ilmenau-Ufer, „bei einem solchen Hochwasser wären wir fast zu einhundert Prozent betroffen“, sagt der Geschäftsführer.
Die Überlegungen zum sogenannten vorläufig gesicherten Überschwemmungsschutzgebiet reichen bereits einige Jahre zurück. „Die Hochwasser im Herbst 2007 haben deutlich gemacht, wie wichtig vorbeugender Hochwasserschutz ist“, sagt Stephan-Robert Heinrich, Leiter des Geschäftsbereichs Gewässerbewirtschaftung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

„Bei einem solchen Hochwasser wären wir fast zu einhundert Prozent betroffen.“
Carsten Herbst, Geschäftsführer Holz-Herbst

Grundlage für die ausgewiesenen Gebiete ist laut NLWKN die Annahme eines Hochwassereignisses, wie es statistisch alle hundert Jahre einmal auftritt. Ziel sei ein vorbeugender Hochwasserschutz, zudem gelte es, Schäden im Vorfeld zu minimieren, und zwar „durch eine Einschränkung der Baumaßnahmen beispielsweise oder eine Änderung der Nutzung“, wie der NLWKN erklärt. Die bisherigen Verordnungen für das Ilmenau-Überschwemmungsgebiet – sie basierten noch aus den Jahren 1905 beziehungsweise 1912 – wurden schließlich am 14. August 2012 geändert, wenn auch mit Vorläufigkeitsstatus.

Die Stadt ist am Zug 

Ob von einer Einschränkung auch die Kleingartenkolonien Düvelsbrook und In der Kiepe betroffen sind – beide im nahen Umfeld der Ilmenau gelegen und von einem möglichen Jahrhunderthochwasser betroffen – kann Joachim Roemer, Vorsitzender des Kleingärtner-Bezirksverbands Lüneburg, noch nicht genau sagen. „Es wäre aber unglücklich, wenn es so käme, denn dann könnte die eine oder andere Parzelle unter Umständen nicht mehr mit einer Hütte verpachtet werden“. Allerdings sei die „Wasserproblematik“ für einige Kleingärten nichts Neues, „viele sind ja ohnehin vom Wasser-Rückstau aus den Ilmenau-Niederungen betroffen“.

Bevor aber aus dem vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiet ein gesichertes wird, ist zunächst die Stadt am Zuge. Bereits im Januar 2013 hatte die Verwaltung den Umweltausschuss über den Verordnungsentwurf informiert, danach die betroffenen Grundstückseigentümer sowie die Träger öffentlicher Belange beteiligt, wie es laut Wasserhaushaltsgesetz vorgeschrieben ist. „Es sind im Folgenden Stellungnahmen von 15 Betroffenen sowie sechs Trägern öffentlicher Belange eingereicht worden“, heißt es in einer Vorlage, mit der die Stadt den Umweltausschuss in seiner kommenden Sitzung am 5. April über den aktuellen Stand informiert.

Ob die vom NLWKN vorgesehenen Überschwemmungsgebiete tatsächlich so kommen, hängt der Stadt zufolge von einem Erörterungstermin ab, der noch in diesem Frühjahr durchgeführt werden soll. Danach muss der Rat beschließen. Der Landkreis hat das Procedere bereits hinter sich, eine Verordnung für sein Zuständigkeitsgebiet wurde am 29. April 2016 erlassen.
Zu der Frage, ob es im Folgenden gänzlich unmöglich werde, Um- oder Neubauten auf den betroffenen Flächen vornehmen zu können, hält sich Lüneburgs Umweltdezernent Markus Moßmann bedeckt: „Das muss im Einzelfall geprüft werden. Wir stehen dabei aber in einem ersten Schritt beratend zur Verfügung.“

Von Ulf Stüwe

Mehr Platz für Flüsse

Die natürlichen Überschwemmungsgebiete müssten besonders geschützt werden, weil die Fluss-Auen immer wieder durch Planung von Siedlungen oder Industriegebieten durch private oder öffentliche Stellen berührt seien, erklärt der NLWKN.

Die Folge seien zusätzliche Schadenspotenziale, außerdem würden die Hochwasserwellen im Ernstfall höher als nötig auflaufen und massive Schäden verursachen. Deshalb sei man bestrebt, die Überschwemmungsgebiete frei zu halten, das sei laut NLWKN „der beste Hochwasserschutz“.