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Polizei Lüneburg nimmt Englischunterricht

Lüneburg. Die Beamten werden zu einem Unfallort gerufen oder sollen anderswo helfen. Eigentlich Routine. Doch wenn Ausländer in den Fall verw ickelt sind, ist es für Polizisten und Beteiligte manchmal nicht einfach, sich zu verständigen. Die Lüneburger Polizei zeigt sich da ganz als Freund und Helfer: Zwei Dutzend Beamte haben inzwischen einen Englischkursus durchlaufen, um ihr Wissen aufzufrischen oder zu verbessern. Oberkommissarin Antje Freudenberg hat einen kurzzeitigen Rollenwechsel vollzogen: Die Pressesprecherin agierte als Lehrerin. Es ist ein freiwilliges Angebot, das es in anderen Dienststellen in Niedersachsen wohl nicht gibt.

Polizisten büffeln Vokabeln 

„Wir haben festgestellt, dass wir immer öfter mit Menschen zu tun haben, die kein Deutsch sprechen“, sagt die 52-Jährige. Dabei gehe es weniger um Touristen, die nach dem Weg zum Rathaus oder ins Wasserviertel fragen. Es kann sein, dass die Polizei rumänische Ladendiebe stellt, ein polnischer Lkw-Fahrer einen Unfall hatte oder es unter Flüchtlingen zu einem Streit kommt. Häufig sprächen die Betroffenen zumindest ein wenig Englisch, sagt Antje Freudenberg. Wenn sich die Polizisten bemühen, ins Gespräch zu kommen, versuche das Gegenüber das eben zumeist auch. Die Unsicherheit falle so auf beiden Seiten, denn auch mancher Kollege habe Sorge, weil er sich im Englischen nicht sattelfest fühle.

In acht eineinhalbstündigen Einheiten büffeln die Polizisten Vokabeln, die mit ihrem Job zu tun haben. Traffic light für Ampel ist ebenso dabei wie Fistfight für Faustkampf oder Victim für Opfer. „Es geht um einen ersten Kontakt“, sagt Antje Freudenberg. „Wenn es schwieriger wird, versuchen wir Dolmetscher hinzuzuziehen.“

„Wir haben öfter mit Menschen zu tun, die kein Deutsch sprechen.“
Antje Freudenberg, Polizeisprecherin

Polizei-Pressesprecherin als Lehrkraft

Oft reicht Englisch nicht, wenn Betroffene etwa aus Syrien oder Algerien, der ehemaligen Sowjetunion oder der Türkei kommen. Doch zum einen arbeiten inzwischen auch Beamte mit ausländischen Wurzeln auf der Wache oder in den Kommissariaten der Kripo oder aber sie haben selber Sprachkurse belegt. So beherrscht ein Kollege Arabisch, andere Russisch und Polnisch, aber auch Spanisch und Französisch wird von einigen gesprochen.

Antje Freudenberg kam über Umwege zum „Lehramt“: In der Schule sei sie keine Leuchte in Englisch gewesen, später belegte sie Kurse an der Volkshochschule, legte Zertifikate ab. Mit so viel Erfolg, dass die Polizei sie 2005 beim Confed-Cup und ein Jahr später bei der Weltmeisterschaft als Betreuerin für die australische Fußballmannschaft einsetzte. Und wenn sie mal wieder nach Großbritannien fährt, hat sie kein Problem sich zu verständigen. Auch nicht mit Polizisten.

Von Carlo Eggeling