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Liebe oder Betrug? Das ist bei einem Flirt im Internet nicht immer klar. Die Polizei warnt vor Betrügern. Foto: phs

Love-Scamming: miese Geschäfte mit der Liebe

Lüneburg. Die Bank verhütete am Ende Schlimmeres: Den Mitarbeitern kam es seltsam vor, dass die Kundin immer wieder hohe Geldbeträge von ihre m Konto abhob, sie sprachen die 59-Jährige an – und die merkte, dass sie offenbar einem Betrüger aufgesessen war: Ein 34-Jähriger soll die Lüneburger um einen fünfstelligen Betrag gebracht haben. Die Frau schaltete die Polizei ein, die nahm am Montag einen „Geldboten“ vorläufig fest. Polizeisprecherin Antje Freudenberg nennt das Phänomen Love Scamming, also Liebesbetrug.

Das uralte Geschäft, das einst „Heiratsschwindler“ betrieben, läuft heute über das Internet. So auch in diesem Fall. Über einschlägige Portale baut der Täter einen Kontakt zum Opfer auf, schleicht sich in dessen Vertrauen.

So auch hier. Ein aus Westafrika stammender Mann soll der Frau vorgespielt haben, er brauche Hilfe in der Not: Sein Sohn sei krank. Mehrmals habe die Frau Geld über eine auf Auslandsgeschäfte spezialisierte Bank überwiesen beziehungsweise an Boten übergeben.

Doch dann wandte sich die Lüneburgerin an die Polizei. Bei einem vereinbarten Treffen gab es dann für die Gauner überraschenden Besuch: Polizisten nahmen einen 34-jährigen Nigerianer fest. Inwieweit er in die Sache verstrickt ist, sei noch unklar. Antje Freudenberg: „Es läuft ein Verfahren wegen Betruges.“ Die Beamten ließen den Mann wieder laufen. Er hat einen festen Wohnsitz und fuhr zurück zu Frau und Familie in Oberfranken.

Die Polizei spricht von Einzelfällen. Allerdings wissen die Beamten auch, dass sie wohl nur von wenigen Opfern gerufen werden. Denn die Scham, so ausgenutzt worden zu sein, ist groß. Im vergangenen Jahr hatte Kriminalhauptkommissarin Eleonore Tatge von einer Frau berichtet, die um 74 000 Euro geprellt worden war: „Viele blicken ein wenig arrogant auf die Opfer im Glauben, einem selber wäre so etwas Gefühlsduseliges nie passiert.“ Zu unrecht. Sie erklärt, wie geschickt Täter sich ins Vertrauen der Opfer schleichen. Mit SMS-Botschaften, zärtlichen Worten, Verständnis: Wer einsam sei, sei dafür empfänglich.

Und nicht nur Frauen werden Opfer. Während sich Täter, die eben oftmals aus Westafrika, aber auch Thailand und Russland stammen, sich beispielsweise als Ärzte oder Ingenieure ausgeben, gaukeln Frauen den vereinsamten Männern vor, sie seien angeblich Krankenschwestern oder Mitarbeiterinnen von Waisenhäusern. Irgendwann kommen dann von ihnen Geldforderungen. Fließt kein Bares, verebbt die vermeintliche Zuneigung ganz schnell.

Von Carlo Eggeling