Dienstag , 25. September 2018
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Der Eingang des inklusiven Wohnhauses soll an der Seite zur Lübecker Straße sein. Abbildung: Architektenbüro Gerkens & Grambow

Hanseviertel: Lebenshilfe Lüneburg inklusives Wohnhaus

Lüneburg. Insgesamt 271 Plätze in Wohnheimen und Wohngruppen sowie Wohnungen, die von ambulanter Betreuung flankiert sind, bietet die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg für Menschen mit geistiger Behinderung an. Nun stößt sie ein innovatives Projekt an. Im Hanseviertel an der Lübecker Straße errichtet sie ein Wohnhaus, das Menschen mit und ohne Behinderung ein Zuhause zu bezahlbaren Preisen bieten soll. „Uns geht es darum, mehr Wahlmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Gleichzeitig möchten wir individuelles Wohnen in einer lebendigen Hausgemeinschaft verwirklichen“, sagt Frank Müller, Geschäftsführer der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg. Die Kosten belaufen sich auf 2,9 Millionen Euro.

Wie berichtet, soll mit dem Bundesteilhabegesetz, das bis 2020 in mehreren Schritten umgesetzt wird, der Rahmen vorgegeben werden, damit Menschen mit Behinderung selbstbestimmter leben können. „Das bedeutet auch, dass es in ihrer Entscheidung liegt, ob sie in einer Institution oder eigenständig in einer Wohnung leben wollen. Letztere sind derzeit noch verstreut in Stadt und Landkreis“, so Müller. Mit dem neuen Angebot soll Wohnen und Leben unter einem Dach in einem sich „dynamisch entwickelnden Stadtteil“ angeboten werden.

„Wir möchten Brücken schlagen zu den Nachbarn.“
Frank Müller, Geschäftsführer

Wichtig sei dieses umso mehr, weil der Wohnungsmarkt angespannt sei und Menschen mit Behinderung in der Regel nur über ein geringes Einkommen verfügen. Die Mieten in dem inklusiven Wohnhaus werden in Höhe dessen sein, was über Wohngeld abgedeckt ist. „Wir gehen von zirka acht Euro Miete pro Quadratmeter aus.“ Da die Lebenshilfe Lüneburg-Harburg eine gemeinnützige Gesellschaft ist, darf sie mit dem Projekt keine Gewinne erzielen. Lediglich für die Instandsetzung muss Geld erwirtschaftet werden.

Frank Müller, Geschäftsführer der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg, und Volker Uelpenich, Rechnischer Leiter, freuen sich, dass es nun mit dem Bau des inklusiven Wohnhauses los geht. Foto: t&w

Laut Volker Uelpenich, Technischer Leiter der Lebenshilfe, entstehen 22 Wohnungen unterschiedlichen Zuschnitts (40 bis 73 Quadratmeter groß mit bis zu drei Zimmern) mit Balkon oder Terrasse, die von ein, zwei oder drei Personen genutzt werden können. Dies ist bei mehreren Personen als Wohngemeinschaft, als Paar oder Familie denkbar. Das Haus wird barrierefrei und mit Fahrstuhl ausgestattet sein. Außerdem wird es im KfW-55-Standard errichtet, „so dass geringe Nebenkosten für die Mieter zu erwarten sind“. In die drei großen Wohnungen könnten Menschen ohne Behinderung einziehen. „Vorrang haben solche Mieter, die kein Auto haben und den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen“, macht Müller deutlich.

Zum Konzept gehöre auch eine lebendige Nachbarschaft. Das bedeute, dass sich die Bewohner im täglichen Leben unterstützen und es Kontakte zum sozialen Umfeld im Hanseviertel gibt. Als Begegnungsort und für Veranstaltungen soll dazu auch ein großer Gemeinschaftsraum dienen, für den es im Haus einen Ansprechpartner geben wird. Müller bringt es so auf den Punkt: „Wir möchten Brücken schlagen zu den Nachbarn.“

Das 1550 Quadratmeter große Grundstück hatte die Lebenshilfe bereits 2005 erworben im Zusammenhang mit dem Bau des Wohnheims an der Rabensteinstraße. Damals war das Neubaugebiet Hanseviertel noch nicht an den Start gegangen, die Lebenshilfe konnte den Grund und Boden relativ günstig erwerben. Nur dadurch ist es möglich, das Projekt jetzt umzusetzen. „Denn unser Budget ist sehr eng, weil wir keine Fördermittel erhalten und alles aus Eigenmitteln und Krediten finanzieren müssen. Die Stiftung der beiden Lebenshilfe Vereine Lüneburg und Landkreis Harburg ‚Die Stifter für Menschen mit Handicap in der Region‘ unterstützt das Wohnprojekt mit 24 000 Euro. Über weitere Spender würden wir uns sehr freuen“, so der Geschäftsführer.

Noch in dieser Woche sollen die Arbeiten für die Entwässerungsleitungen und die Gründung beginnen. Die Fertigstellung des Wohnhauses ist für Ende 2017/Anfang 2018 geplant. Die Nachfrage nach den Wohnungen ist bereits jetzt schon sehr groß. Interessenten für die Mietwohnungen können sich vormittags bei Heidi Klinge unter (04131) 301823 melden.

Von Antje Schäfer