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Angetreten zum Rückkehrapell af dem Lüneburger Marktplatz. Soldaten des Aufklärungsbataillons 3 traten am Donnerstag vor dem Rathaus an. Foto: t&w

Aus Auslandseinsätzen zurück: Lüneburg begrüßt Aufklärer

Lüneburg. Die Straßen rund um den Marktplatz in Lüneburg sind gesperrt, Soldaten marschieren auf, das Heeresmusikkorps aus Hannover spielt – mit einem „Rückkehrerappell“ meldete sich gestern das Aufklärungslehrbataillon 3 „Lüneburg“ offiziell von Auslandseinsätzen in der Salz- und Garnisonsstadt zurück. Rund 600 Bürger standen laut Polizei an den Absperrungen.

Deutlich weniger als gedacht, die Veranstalter hatten mit 1500 Besuchern gerechnet. Angehörige der Soldaten, Freunde und Bekannte bereiteten den Aufklärern einen würdigen Empfang. Doch es gab auch Protest. Gut 100 Demonstranten skandierten Parolen und pfiffen.

Protestanten seilen sich an Hauswand ab

Spektakulär: Zwei Bundeswehrgegner hatten sich an der Karstadt-Fassade abgeseilt und ein Transparent entrollt, unterstützt wurden sie von zwei Begleitern. Polizeieinsatzleiter Roland Brauer hatte damit gerechnet und neben zwei Hundertschaften auch ein Spezialkommando vor Ort: Höhenretter holten die Kletterer zurück. Das Quartett war über Nebengebäude auf das Dach gelangt.

204 Soldaten des Bataillons dienten im Auftrag des Bundestages und im Rahmen von Missionen der Vereinten Nationen, der Europäischen Union und der NATO von Anfang 2016 bis Februar 2017 im Auslandseinsatz.

„Und alle Soldaten“, freute sich Bataillonskommandeur Michael Hoppstädter, „sind unverletzt und gesund aus diesen Einsätzen zurückgekehrt.“ An die Adresse der Demonstranten gewandt aber sagte der Oberstleutant: „Anstatt dass Sie sinnlos in Ihre Trillerpfeifen blasen und unsere Veranstaltung stören, hätte ich mich über ein gemeinsames Gespräch mit ihnen gefreut.“

Begrüßungsappell am Lüneburger Rathaus

Von Klaus Reschke und Carlo Eggeling

Statement des Oberbürgermeisters zum Protest:

„Wenn Linke während der Andacht an die Toten pfeifen und johlen, habe ich dafür kein Verständnis. Auch wenn einem die Wertvorstellungen der anderen nicht passen, darf es nicht zu derart menschenverachtenden Aktionen kommen. Das ist taktlos und unanständig. Ich frage mich, wo das Mitgefühl dieser Leute bleibt? Schließlich geht es hier um Menschen.

Nicht nur ihnen, sondern auch den Trauernden in Familie und Freundeskreis gebührt der notwendige Respekt, auch wenn sie eine andere Meinung haben. Offensichtlich aber ist die Linke fast 30 Jahre nach dem Mauerfall in Deutschland noch nicht in der Demokratie angekommen.

Ich fordere insbesondere Herrn Pauly auf, hier auf seine Leute einzuwirken. Das erwarte ich insbesondere von ihm als Bundestagskandidat und als Vorsitzender einer Fraktion im Rat der Hansestadt Lüneburg.“

Einsätze weltweit

Insgesamt 204 Soldaten des Aufklärungslehrbataillons 3 waren im vergangenen Jahr im Auslandseinsatz, beteiligt an sechs Missionen auf drei Kontinenten: Soldaten des Verbandes leisteten Dienst in der Ausbildungsmission der Bundeswehr für die Pershmerga im Nordirak, der Mission Resolute Support in Afghanistan, der European Training Mission in Mali, der NATO-Mission KFOR im Kosovo sowie der UN-Mission in Somalia.

Lüneburgs Aufklärer sind spezialisiert auf die bodengebundene Spähaufklärung, auf die Gefechtsfeldradaraufklärung, auf Aufklärung mit Drohnen und auf den Einsatz mit Feldnachrichtenkräften.

Mehr dazu lesen Sie heute in der LZ

24 Kommentare

  1. Karsten Hilsen

    Das Lüneburger Bündnis gegen Militarismus hatte lange vor dem Appell den Sozialwissenschaftler Christoph Marischka aus Tübingen gewinnen können, , der im Lüneburger Glockenhaus die komplexen Verhältnisse in und um Mali darstellen konnte.
    Christoph Marischka beschäftigt sich als ziviler Wissenschaftler seit vielen Jahren mit den Konflikten in der Region.

    Zu dem Vortrag wurde öffentlich eingeladen, und das wäre z.b. ein geeigneter Ort gewesen, an dem der Herr Oberstleutnant, oder ein Kollege von ihm ein Gespräch hätte suchen können.

    In der Situation, in der der Staat den öffentlichen Raum des Marktplatzes mit hunderten bewaffneten Kräften aus Polizei und Feldjägern in Beschlag nimmt, und höchst kreativer und friedlicher Protest auch noch gewaltsam von vermummten Kräften eines Sondereinsatzkommando der Polizei unterbinden läßt, ist das Gerede von einem „Gepräch“ schlicht heuchlerisch und empörtes Pfeifen war eine absolut angemessene Reaktion.

    • „höchst kreativer und friedlicher Protest“. Denke die Fassade von Karstadt war wohl nicht gemietet. Das Dach wohl auch nicht. Wie wäre es zunächst mit legalen Aktionen und keinem sinnlosen Aktionismus bei Gedenkveranstaltungen für Soldaten. Protestiert doch gegen die Politik oder gegen die Rüstungsindustrie, aber den Soldaten und deren Familien nicht den nötigen Respekt zu erweisen, bzw. einfach mal für 1 Minute die Meinung anderer zu tolerieren anstatt sie zu torpedieren, nein das geht mit der Linken leider nicht. Ich stehe bei weitem nicht politisch rechts, aber links macht, wie man sieht, auch keinen Sinn. Wir sind dagegen und fordern nicht Realisierbares . Glückwunsch!

      • Karlheinz Fahrenwaldt

        Für wen war diese Schweigeminute? Angeblich war ja kein Soldat gefallen! Der vortragende Soldat hat auch nicht die Schweigeminute den getöteten Zivilisten gewidmet! War diese Schweigeminute eine bewußte Aktion, um Proteste hervorzurufen um die Gegner des Appells negativ darstellen zu können? Es wird sich wohl nie aufklären lassen.

        • Oliver Brammer

          Hinter so vielen Ecken des Denkens mutmaßen nur Schöpfer satirischer Themenplakate wie Sie ausgefuchste Absichten, Karlheinz.

  2. Sollen doch die Bürger Mali’s von den Terroristen abgeschlachtet werden. Dann braucht sich die Bundeswehr nicht die Finger schmutzig machen und den Forderungen des Bündnisses gegen Militarismus ist Genüge getan.
    Ist es das was das Lüneburger Bündnis gegen Militarismus will?

    • Joachim Augustin

      Die politische Situation in Mali ist zu komplex (wie auch der Referent Chrstoph Marischka in seinem Vortrag auf Einladung der Lüneburger Bündnis gegen Militarismus dargestellt hat), als dass sie so eindimensional, und polemisch dazu, wiedergegeben werden kann, wie Sie das hier tun, Herr von Kienitz. Um Ihnen nur ein Beispiel für diese Komplexität zu nennen: Die französische Armee (außerhalb des UN-Mandats, dem der Bundeswehreinsatz untersteht ) im Norden Malis teilweise mit entgegengesetzten Interessen wie die Bundeswehr agiert. Also zwei EU-Staaten, die völlig verschiedene Bestrebungen mit ihrem militärischen Einsatz verfolgen.

      • Joachim von Kienitz

        Auch wenn Sie meinen Beitrag polemisch nennen, was er mit Absicht ist, um meinen Standpunkt deutlicher zu machen, so ändert das doch nichts daran, dass ein militärischer Einsatz gegen Terroristen sinnvoll sein kann, um das Leben von Zivilisten zu retten.

        • militär gegen terroristen? welch ein unfug. der partisanenkrieg, der im zweiten weltkrieg stattfand , hätte eine lehre sein können.aber das militär ist mit dem kreuzrittertum der geschichte zu vergleichen. bekommt das militär nichts zu tun, wird es sich so verhalten, wie die ritter. es würde glatt über die eigene bevölkerung herfallen. das kreuzrittertum war auch nur eine beschäftigungsmaßnahme, damit sie nicht über die eigenen kaiser und könige und bürger herfallen. das bauerntum musste trotzdem leiden.

  3. Danke für die einseitige, tendenziöse Berichterstattung, liebe LZ!

  4. Jürgen Plattes

    Ich kenne den Verband zwar nicht persönlich, aber ich freue mich für alle Kameradinnen und Kameraden, dass sie wohlbehalten in unsere Heimat und zu ihren Familien zurückgekehrt sind. Ich habe es selbst mehrmals hinter mir.

    Stille Proteste der Opposition sind für mich nachvollziehbar und willkommen. Sie gehören zu einer Demokratie dazu. Aber das was von Links immer „abgezogen“ wird, zeigt von der Intoleranz dieser Menschen und auch von ihrer mangelnden Kenntnis der Sachlage.
    Unsere Parlamentsarmee nimmt an diesen Einsätzen teil, weil die politische Ebene mit all ihren Informationen dies so festgelegt hat. Es ist in diesem Zusammenhang eher dümmlich damit zu argumentieren, dass wohl irgendjemand Krieg möchte. Niemand möchte das, keine Politiker und erst recht nicht die militärische Führung mitsamt ihrer Untergebenen und Schutzbefohlenen.

    Und sind wir mal ehrlich, die einzige Gewalt bei solchen und ähnlichen Veranstaltungen geht grundsätzlich von militanten Linken sowie der Antifa aus. DAS nenne ich Krieg im eigenen Land. Diese Leute würden besser arbeiten gehen und somit ihren Beitrag zum Wohle aller leisten.

  5. Demokratie fordert Diskurs
    Militärinterventionen erfordern Widerstand

    Es klingelte an der Tür. Vor mir stand ein großer junger Mann in Tarnuniform. Sicherlich schnittiger frisiert als ich im T-Shirt beim Frühjahrsputz. Er übergab mir einen kleinen Brief, per Hand adressiert. Herr Oberstleutnant Michael Hoppstädter bitte mich zum Rückkehrerappell. Der Einladung folge ich natürlich gerne. Neben Ort und Zeit stand dort: „Anzug: gedecktes zivil (der Witterung angepasst)“. Also weg mit dem roten Fleecepulli und raus mit der grünen Jacke – und her mit dem Linken Friedensbanner, das den Abzug Deutscher Soldaten aus Ländern wie Mali fordert. Ziviler als ein Friedensbanner geht es ja wohl nicht.

    17:45 – Marktplatz. Das militärische Zeremoniell ist mir fremd. Im Gleichschritt marschierende Menschen in Uniform unter eigenem Banner und Wappen sind nichts, an das ich mich in naher Zukunft gewöhnen werde oder auch nur will. Beinahe schon abgehärtet bin ich gegen die Reden die wie selbstverständlich davon sprechen, welche Ziele Deutsche Soldaten in fremden Ländern verfolgen. Ob die Aufzählung der Kriegsziele vollständig war, darüber will ich mal nicht spekulieren. Tatsache ist, dass es über Jahrzehnte in einer Phase der erfolgreichsten deutschen Außenpolitik aller Zeiten, selbstverständlich war, dass Deutsche Soldaten nicht auch nur einen Fuß zu militärischen Zwecken in fremde Länder setzen. Diese außenpolitische Doktrin wurde traurigerweise genau von der ersten Rot-Grünen Regierung abgeräumt. Parteinahme und Kriegsbeteiligung folgten. Ebenso wie vor Krieg flüchtende Menschen. Heute beteiligt sich Deutschland an gleich mehreren Kriegen, im juristisch-korrekten Sprachgebrauch hoher Minister nunmehr „humanitäre Interventionen“ genannt. Eine de-facto-Teilnahme im Irak, in Somalia, Sudan, Syrien, in Afghanistan und jetzt in Mali gehören nicht nur zum Alltag. Mehr noch gilt eine Partei, die sich strikt gegen diese neue militärische Außenpolitik ausspricht wegen dieser Position als „nicht regierungsfähig“. Wenn dem so ist, dann bin ich gerne „nicht regierungsfähig“ und bleibe Stimme all der Menschen, die sich nicht mit der neuen außenpolitischen Doktrin abfinden wollen und abfinden werden.

    Auf dem Markt wurden gerade Kletterer von einem Sondereinsatzkommando von einer Hausfassade geholt. Ob dieses Wagnis für die Polizisten wie auch die demonstrierenden Kletterer angemessen ist? Was schadet es, wenn ein meinungsbekundendes Banner im Hintergrund hängt? Auf dem Marktplatz wird kurz darauf erklärt, für welche Werte wir in anderen Ländern kämpfen. Ich fasse es mal mit eigenen Worten zusammen: Unsere Soldaten sollten dort im Auftrag des Bundestages gegen Despotien und für die Wahrung freiheitlicher Rechte wie der Meinungsfreiheit kämpfen. Wäre es dann nicht richtig den – übrigens ausschließlich zivilen – Protest auf dem Marktplatz gegen die Bundeswehr statt abzucanceln eher zu loben?

    Mali, so wird es erzählt, berge viele Gefahren. Flora und Fauna, gefährliche Spinnen und natürlich der Terrorismus. Vermutlich werden wir wenig Waffen gegen gefährliche Spinnen im Rüstungsetat veranschlagt haben. Gegen Terrorismus mehr. Doch wirkt das? Erzeugt nicht ein militärischer Einsatz in einem anderen Land immer noch und noch mehr Terrorismus? Wird Deutschland wirklich sicherer durch Kriege? Erzeugt nicht Krieg, der kollateral immer auch die Zivilbevölkerung trifft, immer neue Terroristen? Ja sind nicht sogar sogenannte Kriegsgegner ebenso überzeugt von ihrer Sache wie es die Nato-Soldaten sind? Wer sich selbst zur Kriegspartei erklärt, wird auch vom Gegenüber als Kriegspartei wahrgenommen. Welche Logik liegt also im sogenannten „Krieg gegen den Terror“?

    Erfreulich – da stimme ich dem Standortältesten ebenso wie unserem Oberbürgermeister zu – ist die Tatsache dass sämtliche Soldaten gesundheitlich wohlbehalten zurückgekommen seien. Ein Befund, an dem ich nur kurz Minuten am Ende der Veranstaltung zu zweifeln beginne, als ein Soldat zitternd am Boden liegt. Wie furchtbar wäre es, wenn Lüneburger Familien eine Angehörige oder einen Angehörigen bei einem so gefährlichen Einsatz verloren hätten? Doch finde ich es befremdlich, wenn jene Politiker all jener Parteien die gesunde Rückkehr zelebrieren, die selbst durch Ihr Votum zu verantworten haben, dass unsere Soldaten überhaupt erst in Kriegseinsätze geschickt worden sind. Ich sage und ich bleibe dabei: Wir brauchen eine Entmilitarisierung der deutschen Außenpolitik und zwar schnell. Und wir brauchen, bis wir das erreicht haben, eine Zivilgesellschaft die die Würdigung und damit die Anerkennung der interventionistischen Militärischen Doktrin entgegentritt und diese auch skandalisiert. Genau das ist Wesen und Gegenstand von Demokratie. Später wird mir der Oberbürgermeister mir und meiner Partei vorwerfen, wegen meiner Teilnahme an den Protesten gegen das Zeremoniell „…fast 30 Jahre nach dem Mauerfall in Deutschland noch nicht in der Demokratie angekommen [zu sein].“ Nicht angekommen bin ich in einem Deutschland, dass Kriege führt. Nicht angekommen bin ich in einem Deutschland, dass das Angriffskriegsverbot im Grundgesetz ignoriert. Mein Ortsbürgermeister wird den Protestierenden später vorwerfen: „Irgendwas muss bei der Erziehung der Grölenden falsch gelaufen sein.“ Etwas schief gelaufen ist aus meiner Sicht in der politischen Entwicklung in Deutschland, von einem geläuterten Land das sich „nie wieder Krieg“ auf die Fahnen geschrieben hat, hin zu einem Land das sich selbst eine heraugehobene militärische Stellung attestiert und Kriegseinsätze mit eigenen und vor allem zivilen Opfern auch noch als „international Verantwortung übernehmen“ tituliert. Da gehe ich nicht mit.

    Statt dass sich die etablierten Politiker von SPD, CDU, Grünen, und FDP, die ebenso wie der Vertreter der AfD allesamt auf der Ehrentribüne Platz genommen haben, darüber freuen, dass Soldaten einen gefährlichen Einsatz körperlich unbeschadet überstanden haben, sollten Sie lieber den Arsch in der Hose haben auch gegen die Meinungsführerschaft in den eigenen Fraktionen gegen neue Kriegseinsätze zu stimmen. Nein sagen erfordert manchmal Mut.

    Mein Protest, aber das war meine ganz persönliche individuelle Entscheidung, drückte sich still aus mit der Forderung eines Abzugs aller Soldaten aus den Auslandseinsätzen. Ich respektiere aber auch all jene, die aus guten und für Sie nachvollziehbaren Gründen per se gegen Militär und militärisches Zeremoniell generell sind, ohne dass ich mir jeden Ruf einer jeden Person zu jeder Zeit gleich zu eigen machen muss. Eines versteht aber mancher Politiker anderer Parteien nicht: Die Demonstrierenden gestern waren keine homogene Gruppe und sie sind zuallerletzt eine Gruppe die sich von irgendjemandem – schon gar nicht von einem Parteipolitiker – ihre individuelle Position vorschreiben lässt. Und das ist gut so. Wenn sich weniger Bundestagsabgeordnete ihr Abstimmungsverhalten unreflektiert vorschreiben lassen würden, hätten wir vermutlich weniger unserer Soldaten in Auslandseinsätzen.

    Ich wünsche mir und trete dafür ein, dass alle Menschen die durch die Deutsche Politik im Ausland sind, wohlbehalten zurückkommen. Und ich hoffe, dass Sie künftig gar nicht mehr in solche Einsätze geschickt werden. Und ich wünsche dem Soldaten der am Ende der Veranstaltung zusammengebrochen ist gute Besserung.

    • Herr Pauly, wenn Sie beobachten, wie gegen Mitternacht fünf angetrunkene, fanatisierte SVG-Hooligans aus Reppenstedt einen spindeldürren Marokkaner auf dem Gelände des alten Schlachthofs verprügeln, würden Sie denken, der habe das verdient, und weitergehen? Oder würden Sie dem Mann zu Hilfe eilen und ihn – notfalls auch mit Gewalt – solange gegen seine Peiniger verteidigen, bis die Polizei eingetroffen ist?

      Welches Mittel würden Sie anwenden, um einen akut drohenden Völkermord (wie im März 1999 im Kosovo oder zur Zeit in Mali) zu verhindern? Wie würden Sie das angehen? Indem Sie die Kriegsparteien bitten, mit Ihnen gemeinsam vierhundert Jahre Kolonialgeschichte aufzuarbeiten? Oder indem Sie eingreifen, um hier und heute weiteres Blutvergießen zu verhindern? Dürfen außenstehende Staaten ihre Soldaten schicken, um einen sich im Vollzug befindlichen Genozid zu beenden? Oder müssen sie abwarten bis die Schädelstätte erkaltet ist, um über Aschebergen und Massengräbern anschließend aufrüttelnde antimilitaristische Banner zwischen die entlaubten Bäume zu spannen?

    • Ich bin auch der Meinung, das wir die Einmischung in Konflikte militärische unterlassen sollten. Zu dauerhaften Frieden kommt es am ehesten, wenn man die Konfliktparteien in den entsprechenden Ländern alleine lässt, was dazu führt, dass der stärkere gewinnt und dies in der Regel durch Auslöschung des Gegners zu Frieden beziehungsweise Beendigung der Kampfhandlungen führt.
      Warum man zu freier Meinungsäußerung Fassadenkletterer an fremden Häusern braucht oder das Niederbrüllen und Stören bis hin zur Verhinderung von Veranstaltungen mit Menschen anderer Meinung bleibt ein Linkes Spezifikum.

      • „Zu dauerhaftem Frieden kommt es am ehesten … durch Auslöschung des Gegners“?

        Soso!

        Nach Ihrem Rezept wäre es in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts bestimmt zu einem wundervollen „Frieden“ in Mitteleuropa gekommen.

  6. Rainer Petroll

    Die Legende vom anständigen Krieg:
    Der auf dem Marktplatz durchgeführte Bundeswehrrückkehrappell soll die Bürger für Auslandseinsätze begeistern. Dazu konnte ich im Stadtrat nur mit nein stimmen.
    Ich beanstande, dass Regierung und Bundeswehr nicht die wahren Kriegsgründe nennen. Die Soldaten werden für militärische Aktionen eingesetzt, bei denen es überwiegend nicht um Humanität, sondern um Geschäftsinteressen, meistens um Rohstoffe Gas, Öl, Uran und Einflusssphären geht. 3 Beispiele:
    Die Bundeswehr begann den ersten Auslandseinsatz 1999 völkerrechtswidrig in Jugoslawien. 2001 brachte die ARD den Beitrag: „Es begann mit einer Lüge“ Verteidigungsminister Scharping hatte die Deutschen über Kriegsgründe belogen, frei erfunden waren u.a. ein Hufeisenplan der Serben und ein KZ in Pristina.
    Die Bundeswehr verteidigt in Afghanistan eine von den USA eingesetzte korrupte Regierung gegen radikal-islamische Taliban, die als sie 1979-1989 gegen Sowjets kämpften im westlichen Sprachgebrauch „Taliban-Freiheitskämpfer“ waren, die heute, wie damals ihr Land von ausländischen Soldaten befreien wollen. ZDF Journalist Ulrich Tilgner berichtete. 2008 hat er dem ZDF gekündigt weil seine Afghanistan Berichte zensiert wurden. Er ging zum Schweizer Fernsehen, dort konnte er ohne Zensur aus Afghanistan berichten.
    2011 haben England, Frankreich und USA Libyen ins Chaos bombardiert, Waffen und IS-Kämpfer wanderten auch nach Mali. In Mali und Niger lagern neben diversen anderen Bodenschätzen die größten Uranvorkommen der Welt. Der französische Atomkonzern Areva beutet die Uranvorkommen aus. Damit das unbehelligt von Aufständischen weiter geht ist die Bundeswehr in Mali. Gäbe es dort keine Bodenschätze wären wahrscheinlich keine französischen und deutschen Truppen in Mali.
    “Ob Jugoslawien, Afghanistan oder Mali, im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst, es wird gelogen, dass sich die Balken biegen.“

    • Wie ist es denn in Syrien ? Gibt es dort (noch) nennenswerte Bodenschätze ? Neben Öl .. das rapide zur Neige geht. Nein ?! Ist es da Zufall das die USA, Bundeswehr, etc. dort nicht eingreift (bzw. nur halbherzig eingreifen) ?!

      • Ron
        ihre frage kann ich mit nein beantworten. die russen haben dort einen hafen . wie sollen sie sonst noch im mittelmeer präsent sein? und wen wollen sie angreifen? wo ist die front?

  7. Norbert Kasteinecke

    >Am 30. Juni 1995 beschloss der Deutsche Bundestag erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Soldaten in einen bewaffneten Einsatz zu schicken. Es war der Beginn des bis heute längsten Auslandseinsatzes in der Geschichte der Bundeswehr. <
    So lese ich es bei der Bundeszentrale für Politische Bildung.
    https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/208787/bundeswehr-in-bosnien-und-herzegowina

    Dies war der erste Auslandseinsatz für deutsche Soldaten nach dem letzten Krieg.

    Srebrenica ist mir unvergessen geblieben.

    Sie Herr Pauly träumen von einer entmilitarisierten Außenpolitik. Ihre Träume und die Ihrer Partei sind seit Karl Marx nicht aufgegangen und haben eben soviel Unheil über den Planeten gebracht wie die von Smith und Keynes, Rothschild und nicht zuletzt Menschen wie Soros.
    Es kann der frömmste nicht in Frieden leben usw. – das kennen Sie ja wohl auch.
    Der Mensch ist dafür nicht konstruiert.
    Hätten wir – respektive die Nato/UN – auf dem Balkan nicht helfen sollen?
    Ihr Verhalten ist wohlfeil, Herr Pauly.

    Ja sagen erfordert eben auch manchmal Mut – nur gewöhnen dürfen wir uns nicht an Kriegseinsätze.
    Natürlich sind politische Lösungen der bessere Weg – aber hätten alle im Nahen Osten die Füsse stillhalten sollen?
    Wenn ja, wer und wann?
    Vor 20 Jahren? Vor 70 Jahren? vor 100 Jahren?
    Hätten wir dann hier in Europa diese unerfreuliche Situation nicht ?
    Ich gebe Ihnen insofern recht, als dass es nicht so weit kommen darf wie unser damaliger Bundespräsident es ausdrückte :

    „Nein, wir brauchen einen politischen Diskurs in der Gesellschaft, wie es kommt, dass Respekt und Anerkennung zum Teil doch zu vermissen sind, obwohl die Soldaten so eine gute Arbeit machen. […] Wir kämpfen dort auch für unsere Sicherheit in Deutschland, wir kämpfen dort im Bündnis mit Alliierten, mit anderen Nationen auf der Basis eines Mandats der Vereinten Nationen, einer Resolution der Vereinten Nationen. […] Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg. […] Es wird wieder sozusagen Todesfälle geben. Nicht nur bei Soldaten, möglicherweise auch durch Unfall mal bei zivilen Aufbauhelfern. […] Man muss auch um diesen Preis sozusagen seine am Ende Interessen wahren. […]“ (WiKi)

    – Horst Köhler: 22. Mai 2010 in einem Interview mit dem Deutschlandradio.

    Eines noch Herr Pauly.
    Dass Sie den Bürgern in Uniform, die den Arsch für die Entscheider dieser Einsätze hinhalten, nicht die Ehre erweisen wollten ist Ihre Entscheidung, aber war hier mMn nicht angebracht.
    Demonstrieren Sie vor den Parteizentralen, nicht vor den Befehlsempfängern.
    Diese Menschen haben unter Einsatz ihres Lebens und Ihrer Gesundheit versucht zu helfen.

    Sie haben zu viel geschrieben und zu wenig gesagt.
    Danke für die Aufmerksamkeit.

    • Herr Kasteinecke, Ihre Argumentationslinien sind zusammenhangslos und höchst opportun. Da können Sie sich gleich bei Herrn Mädge einreihen.

      Was Sie von Leuten wie Michèl Pauly unterscheidet: Diese Leute halten es nicht für von Gott gegeben, den westlichen Industrienationen anzugehören und schicken sich nicht an, deren Existenz mit Händen und Füßen zu verteidigen. Jeder Mensch ist gleich viel wert, Herr Kasteinecke. Vielleicht sollten Sie mal mit ein paar syrischen Geflüchteten auf den Fußballplatz, um mal wieder so etwas wie Nächstenliebe zu „spüren“, aber soviel Sozialkompetenz kann man ja leider bei den wenigsten Vertretern Ihrer politischen Richtung beobachten. Etwas mehr Demut täte Ihnen gut. Dann würde ihnen auch klar sein, dass Krieg immer imperialistische Implikationen hat. IMMER. Oder können Sie mir einen Krieg nennen, der nicht diesem Muster folgt? Und kommen Sie jetzt nicht wieder mit Ihrem „Srebrenica“-Geheuchel…

      • Himmel, nicht immer gleich politisch Denken, sie stecken in ihrer Ideologie Brille fest. Es gab auch genug Kriege, bei denen der eine den anderen einfach nicht leiden konnte. Die Geschichte ist voll mit ethnischen, kulturellen oder religiösen Auseinandersetzungen. Von daher kann es oftmals auch sehr Friedensstiftend sein, wenn jeder bei sich zu Hause bleibt und nicht anderen auf die Pelle rückt. Wir sind sicherlich gleich vor dem Gesetz in Deutschland und gleichberechtigt und meinetwegen auch gleich vor Gott oder in Ihrer monetären Sprache gleich viel Wert aber letztlich sind wir nicht gleich. Nationalstaaten boten als Rechts- und Kulturgemeinschaften gute Vorraussetzungen für inneren Frieden und Europa hat durch Ausdehnung der nationalstaatlichen zu einer immer stärkeren europäischen Werte- und Rechtsgemeinschaft einen Schlüssel gefunden auch den äußeren Frieden der Nationalstaaten sicher zu stellen. Gefährdet ist neuerdings auf lange Sicht leider der innere Frieden, weil auf Basis durch Zuwanderung immer mehr Menschen nach Europa strömen und sich dort fortpflanzen, die unser Werte- und Rechtssysteme ablehnen. Auch unser Sozialstaat wird von Menschen aus Stammes- und Clangesellschaften vielleicht gerne genutzt aber Sie werden kaum einen Araber nach Deutschland bekommen der fast 50% seines Einkommens als Steuer und Abgaben an unser System liefern muss. Solche Leute suchen sich andere Zielstaaten. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass Europa sich durch seine Politik in eine Zeit zurückbeamt in der kein gesellschaftlicher und auch rechtlicher Konsens mehr möglich ist und wir uns an Zustände gewöhnen müssen, die wir in Europa in naher Vergangenheit nur aus Ex Jugoslawien und dem Kosovo kennen. Frieden schafft man so dauerhaft jedenfalls nicht.

    • hallo bundeskasper, mal nicht anonym unterwegs? es gab einen bundespräsidenten ,der durfte gehen, weil er die wahrheit gesagt hat. unsere soldaten sollen für unsere wirtschaft die wege freihalten. alles andere ist meiner meinung nach nur vorgeschoben und gelogen. den bürger in uniform gibt es als freiwilligen-armee nicht mehr. es sind söldner ,die über unsere grenzen hinaus agieren sollen,natürlich zum wohle der wirtschaft. für wen sonst? an unserer grenze werden sie diese soldaten nicht finden. ich war soldat und stand an der grenze , wo unsere armen brüder und schwestern auf der anderen seite standen. das ein ehemaliger zeitsoldat ,ich glaube zwölfender als OB das hohe lied auf das militär singt, dürfte normal sein. besonders, wenn er auf steuereinnahmen hofft.

  8. Susanne Jäger

    Hallo Stadträte Pauly und Petroll, hallo Herr Bruns,

    mich würde Ihre Antwort auf die Fragen von Herrn Harms (oben 1. April 2017 at 14:44) interessieren.

    • Susanne Jäger
      ich gehöre nicht zu den ängstlichen. wer zur falschen zeit am falschen platz ist, kann schon mal sterben. im strassenverkehr passiert dies täglich. wer greift da ein? wer waffen exportiert sollte nicht an moral denken. damit meine ich die bürger, die es zulassen.kriege können nur mit waffen stattfinden. sie, liebe susanne, werden keinen tod damit verhindern , wenn sie irgendwo einmaschieren. heutzutage wird nicht mehr einmaschiert, sondern von ferne bombadiert. dieses hilft auch niemandem. wenn die weltgemeinschaft keine kriege durch vorsorge verhindern kann, oder will, ist es so. wer hat ein völkermord durch einmaschieren verhindert? ich empfehle jedem , einfach mal darüber nachzudenken, wieviel menschen auf der welt es gibt, die ihr leben gern für den anderen hergeben, wenn es doch nur um das geld geht.

  9. Joachim Augustin

    „Menschenverachtend“ sei der Protest gegen den Rückkehrappel gewesen,so Mädgde. Besonders, da auch während einer Schweigeminute für gefallene Bundeswehsoldaten in Auslandeinsätzen, pfiffe und Sprechchöre zu hören waren.

    Es ist menschenverachtend, nur der „eigenen“ Toten zu gedenken. Denn was ist mit den Opfern der Bundeswehreinsätze? Bei wie vielen Tötungen hat die Bundeswehr zudem Beihilfe geleistet? Man denke nur an den aktuellen Fall in Syrien. Wie wird mit den Angehörigen der „Kollateralschäden“ umgegangen? Über diese Opfer wurde beim Rückkehrappell nicht gesprochen. Für unterschiedliche Positionen ist dabei kein Raum. Der Appell selber ist keine demokratische Veranstaltung, sondern ein Militärritual, in dem der Staat seinen totalen Zugriff auf einen Teil seiner Staatsbürger_Innen demonstriert und ihren Gehorsam vorführt – Gehorsam eben bis hin zum Töten und getötet werden.

    Menschenverachtend ist es, der Toten zu gedenken und dabei ihren Tod und das damit verbundene Leid für die Angehörigen und Bekannten in diesen Rahmen zu stellen. Ihr Tod wird als „sinnvoll“ verklärt, sie seien im Einsatz für die „gute Sache“ gefallen. Nachdem die Gefallen bis zum Tode für falsche Zwecke instrumentalisiert wurden, werden Sie nun auch noch nach ihrem Tod instrumentalisiert.

    Der letzte deutsche Soldat ist 2015 in Masar-i-Scharif eines natürlichen Todes gestorben. Warum beim Appell das Gedenken eine Rolle spielte und im Nachhinein von Herrn Mägde in den Mittelpunkt seiner Kritik an den Protesten gerückt wird, hat vor allem einen Zweck: Die Bereitschaft zu weiteren Toten soll erhöht und wach gehalten werden. Und die Rufe und Pfiffe während der Gedenkminute scheinen zu zeigen, dass die KriegsgegnerInnen keine Scham kennen. Schamlos ist es aber, derart die Tote zu instrumentalisieren. Ehren wir die Toten, in dem wir uns gegen die Ursachen Ihres Todes einsetzen. Erheben wir also immer wieder unsere Stimme gegen Krieg und Militarismus, auf dass niemand mehr von deutschen Soldaten getötet wird und auch kein deutscher Soldat umkommen muss.