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Das Werk des Lüneburger Herrenmode-Herstellers Roy Robson in Izmir: Inhaber Heiko Westermann spürt nichts von deutschfeindlichen Bewegungen, lobt die Freundlichkeit und Gastfreundlichkeit der Türken. Foto: nh

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind schlecht, das Geschäft leidet

Lüneburg. Fast täglich bestimmen derzeit Schlagzeilen über die Türkei die Titelseiten deutscher Gazetten. Und selten sind die Nachrichten positiv. Die Spannungen zwischen Berlin und Ankara belasten zusehends die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder. Das beobachtet auch Leonardo Csuraji, Außenhandelsexperte der Indus­trie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg: „Heim­ische Unternehmen sind bei Investitionen in die türkische Wirtschaft zurückhaltender geworden.“ Zudem berichteten Betriebe häufiger als früher über deutlich schwierigere Geschäftsbedingungen mit der Türkei. „Da wird von türkischen Behörden plötzlich ein fehlendes oder falsch ausgefülltes Formular beanstandet“, nennt Csuraji ein Beispiel und spricht von ,,kleinen Schikanen“.

Die Beobachtungen des Lüneburger IHK-Experten kann Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) nur bestätigen: „Wir wissen von unseren Umfragen, dass deutsche Unternehmen, die die Türkei auch als Investitions­standort ins Visier genommen hätten, jetzt zurückschrecken und ihre Pläne erst mal auf Eis legen, weil sie sagen: Die Lage ist uns insgesamt zu unsicher.“

Die Deutschen sind laut Treier mit rund 6500 Unternehmen in der Türkei vertreten – aus dem IHK-Bezirk Lüneburg sind es 152. Die LZ hatte gestern bei einigen Lüneburger Unternehmen angefragt, wollte wissen, wie aktuell deren Erfahrungen mit den türkischen Geschäftspartnern und türkischen Behörden sind. Die Reaktionen waren eher zurückhaltend. „Dazu äußern wir uns nicht“, hieß es etwa aus der Pressestelle der Witte Barskamp KG – man gebe zu politischen Fragen keine Statements ab. Dabei ist Deutschland der wichtigste Handelspartner für die Türkei: 2015 erreichte das Handelsvolumen einen Rekord von 36,8 Milliarden Euro.

Aber auch wenn in Umfragen deutsche Unternehmer die Bedingungen für Geschäfte in der Türkei als schlecht beurteilen, gibt es auch Unternehmer, die die Lage nicht so dramatisch sehen. Zu ihnen gehört Heiko A. Westermann, geschäftsführender Gesellschafter des Lüneburger Herrenmode-Herstellers Roy Robson. Circa 75 Prozent seiner Anzüge und Sakkos lässt das Unternehmen in der firmeneigenen Produktionsstätte im türkischen Izmir herstellen. „Ich fliege deshalb jeden Monat für drei bis vier Tage dienstlich nach Izmir“, berichtet Westermann.

Eine schlechte Stimmung gegenüber Deutschen verspüre er nicht, im Gegenteil. „Ich erlebe die Türkei stets als gast- und deutschfreundlich.“ Deshalb begrüßt Westermann, der im Ehrenamt auch Präsident des Arbeitgeberverbandes Lüneburg Nordostniedersachsen (AV) ist, ausdrücklich die Haltung der Bundesregierung, die nach wie vor auf Gespräche mit der Türkei setzt und nicht mit Abbruch der Beziehungen oder gar mit Gegenmaßnahmen drohe.

Von Klaus Reschke

Import und Export mit der Türkei

Die Türkei steht auf Platz 15 auf der Liste der deutschen Exportpartner, bei den niedersächsischen Ausfuhren belegte die Türkei laut IHK 2015 Platz 14. Waren im Wert von 2,1 Milliarden Euro gingen 2015 von Niedersachsen in die Türkei.

Das mache die Türkei zu einem wichtigen Handelspartner für die regionalen Unternehmen, mahnt die IHK. Allerdings sei die Türkei abhängiger von Deutschland als umgekehrt. Der Grund: Die Türkei beziehe vor allem Autos und Maschinen aus Deutschland – also Güter, die nicht jedes Land anbietet.

Dagegen importiere Deutschland vor allem Bekleidung und Früchte aus der Türkei. Und diese Waren lassen sich auch in anderen Regionen besorgen.

2 Kommentare

  1. Manfred Lüneburg

    Waren aus der Türkei kommen nicht mehr in meine Einkaufstüte.