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Die Mutter des Models Nathalie Volk stellt sich vor dem Amtsgericht Soltau den Fragen der Journalisten. Die Lehrerin und ihr Anwalt haben bereits angekündigt, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Foto: wu

Geldstrafe für Model-Mutter

Von Andres Wulfes
Soltau. Die Dschungelcamp-Affäre kommt der Mutter von Model Nathalie Volk teuer zu stehen: Das Soltauer Amtsgericht hat die Lehrerin jetzt weg en des Gebrauchs eines unrichtigen Gesundheitszeugnisses zu einer Geldstrafe von 9800 Euro verurteilt. Richterin Stefanie Schülter war überzeugt, dass sich die 47-Jährige ein ärztliches Attest erschlichen und anschließend bei ihrer Schule, dem Soltauer Gymnasium, vorgelegt hat, um ihre Tochter Nathalie zum RTL-Dschungelcamp nach Australien zu begleiten. Einen Antrag auf Sonderurlaub hatte die Landesschulbehörde zuvor abgelehnt.

„Ich empfinde das Verhalten als dreist“, bewertete Richterin Schülter dieses Verhalten. Sie verwies auf die Vorbildfunktion eines Lehrers, auf die massiven negativen Auswirkungen auf die Schule – und besonders auf den Abiturkurs Volks. „Aussagen der Pädagogin, die letzten drei Wochen vor dem Abitur könne jeder die Jugendlichen vorbereiten, entsetzen mich. Die Schüler haben einen Anspruch, unterrichtet zu werden.“

Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 140 Tagessätzen zu 70 Euro – dabei hat es bereits berücksichtigt, dass die Landesschulbehörde die Mathematiklehrerin derzeit suspendiert und ihre Bezüge um 50 Prozent auf netto 2200 Euro im Monat gekürzt hat. Damit blieb das Gericht knapp unter der Forderung von Staatsanwalt Sven Vonderberg, der 150 Tagessätze gefordert hatte. Verteidiger Andreas Hebestreit hatte auf Freispruch plädiert. Er zeigte sich ebenso wie die 47-Jährige enttäuscht von der Entscheidung. Beide kündigten bereits an, dass sie das Urteil nicht akzeptieren und Rechtsmittel einlegen werden.

Wegen schwerer Erschöpfung krankgeschrieben

Richterin Schülter hatte keine Zweifel, dass die Mutter von Nathalie Volk im Januar 2016 mit falschen Angaben bei einer Ärztin in Nienburg die dreiwöchige Krankschreibung erhalten habe. Das habe sie gemacht, um ihre Tochter nach Australien begleiten zu können. Dafür spreche eine Vielzahl von Indizien, betonte die Richterin und verwies auf die Chronologie. Bereits seit Herbst stand sie als Begleiterin für ihre Tochter Nathalie fest. Den entsprechenden Vertrag hat die Pädagogin unterschrieben, den Flug gebucht, bevor ihr Antrag auf Sonderurlaub entschieden war. Auch nachdem die Landesschulbehörde das Gesuch um Weihnachten abgelehnt hatte, informierte Volk die Produktionsfirma nicht.

Stattdessen ging sie am 4. Januar zu zwei Ärzten, die Nienburger Medizinerin schrieb sie wegen schwerer Erschöpfung, vergleichbar einem Burn-out, krank. Dennoch habe die Lehrerin vier Tage später nach Australien fliegen können. Und sie sei nach dem Aufenthalt nicht mehr krank gewesen, stellte Schülter fest. Das zeige, dass es sich eben nicht um solch eine schwerwiegende Beeinträchtigung gehandelt habe, „denn die ist nicht in drei Wochen geheilt“.