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Die Rotbauchunke zählt zu den bedrohten Arten. In Niedersachsen kommen die Amphibien nur noch in der Elbtalaue vor. Foto: Sonja Haase

Amt Neuhaus: Neue Tümpel für bedrohte Unke

Amt Neuhaus. Sie steht auf der roten Liste bedrohter Tierarten ganz oben – die Rotbauchunke. Laut einer Erhebung des Niedersächsischen Landesa mtes für Wasser-, Küsten- und und Naturschutz (NLWKN) gibt es in ganz Niedersachsen nur noch etwa 2000 bis 4000 Tiere – und die leben ausschließlich in der Elbtalaue. Grund genug also für Dr. Markus Richter vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und sein Team, die Lebensbedingungen für die gefährdete Amphibienart zu verbessern. Das passiert zurzeit in der Gemeinde Amt Neuhaus. Dort haben die Naturschützer bereits zehn neue Teiche angelegt und drei weitere instandgesetzt. In den vergangenen Tagen nun stellten die Helfer zudem einen vier Kilometer langen Zaun um ein 46 Hektar großes Grünland-Gebiet auf.

Population der Rotbauchunke rückläufig

Dr. Markus Richter erklärt die Maßnahme: „Wir haben die Fläche eingezäunt, um hier eine dauerhafte extensive Beweidung durchzuführen.“ Das sei allerdings erst der Anfang. Denn Ende des Jahres sollen auf dem Areal weitere neue Tümpel für die Rotbauchunke und andere Amphibien angelegt werden.

Entlang eines Gewässers stellen Arbeiter in der Gemeinde Amt Neuhaus einen vier Kilometer langen Zaun auf, um so den Lebensraum der bedrohten Rotbauchunke zu schützen. Foto: nh
Solche Schutzmaßnahmen sind notwendig. In den zurückliegenden Jahrzehnten sei ein enormer Populationsverlust zu verzeichnen – bedingt durch intensive Landwirtschaft, aber auch durch die Begradigung und Trockenlegung von Gewässern. Auch die Zerstörung oder Beeinträchtigung von Kleingewässern durch Zuschüttung oder Eintrag von Müll, Dünger und Umweltgiften gefährden laut Nabu die Rotbauchunke. Häufig während der Wanderungen, etwa vom Winterquartier zum Laichgewässer, werden Rotbauchunken und andere Amphibien Opfer des Straßenverkehrs.

Besonnte Gewässer bevorzugt

Waren Rotbauchunken einst in den Auenbereichen der Elbe, Ilmenau, Aller, Leine und Schunter zu finden, existieren die Tiere in Niedersachsen heute nur noch in den Kreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg im Bereich der Elbtalaue. Außerhalb Niedersachsens gibt es noch Vorkommen in Schleswig-Holstein, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt.

Die Schutzzonen, die der Nabu zurzeit an der Elbe im Biosphärenreservat einrichtet, bestehen idealerweise aus verschieden tiefen Teichen mit flacher Uferböschung. „Mit dem Bagger werden Löcher ausgehoben und modelliert, die sich später mit Regenwasser füllen“, erklärt Richter. Flache Ufer seien deshalb wichtig, weil sich dort das Wasser schneller erwärme. Damit die Teiche nicht schnell wieder verlanden, sei eine Beweidung der angrenzenden Böschungen durch Schafe, Rinder und Pferde notwendig, berichtet der Unken-Experte: „Die halten Schilf und Gebüsch kurz.“
Rotbauchunken leben meist in besonnten Gewässern, überwintern aber an Land und suchen hier frostsichere Verstecke: Etwa in der Erde, unter Laub oder Steinen, gern aber auch in einem verlassen Mauseloch. Ab Mitte März wandern die Amphibien aus ihren Überwinterungsplätzen zu den Laichgewässern. „Und ab April kann man auch wieder das Rufen der Männchen hören“, so Dr. Richter.

Von Klaus Reschke

Auffallendes Fleckenmuster

Die Rotbauchunke ist ein kleinerer Froschlurch, der eine Größe von rund 4,5 bis 5 Zentimetern erreichen kann. Die Oberseite ist hell- bis dunkelgrau gefärbt und mit flachen Warzen besetzt. Die Unterseite ist dunkelgrau bis schwarz mit kleinen weißen Punkten gefärbt und weist ein auffallendes orange-rotes Fleckenmuster auf. Die Rotbauchunke besitzt die für Unken typische herzförmige Pupillenform. lz