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Dauerhaft installierte Blitzer, wie in der Ortsdurchfahrt Brietlingen, hätten die Adendorfer Kommunalpolitiker gern auch in Erbstorf. Foto: t&w

Blitzer in Adendorf: Einigkeit beim Dauerbrenner

Adendorf. Themen, die ein „Dauerbrenner“ in Rats- und Ausschusssitzungen sind, gibt es wohl in jeder Gemeinde. In Adendorf gehört dazu ganz si cher das gefahrene Tempo in der Ortsdurchfahrt Erbstorf, im Zuge der Kreisstraße 53. Wird dort ständig „gerast“ oder doch überwiegend vernünftig gefahren? Das war jetzt auch im Ratsausschuss für Straßen, Verkehr und Grünflächen Thema.

Blitzer gegen den schnellen Verkehr 

Anlass für die erneute Diskussion war ein Antrag der CDU-Fraktion, die die Verwaltung beauftragen will, beim Landkreis zu bewirken, „dass in der Ortsdurchfahrt Erbstorf, Erbstorfer Landstraße, eine dauerhafte elektronische Geschwindigkeitsmessung (Blitzer) eingerichtet wird“. Man wolle etwas gegen den schnellen Verkehr unternehmen, trug Jörg Schmelter (CDU) vor. „Auch wenn wir wissen, dass vom Landkreis Widerstand kommt.“ Der Landkreis Lüneburg hatte sich schon im Januar 2017 eindeutig zu einer dauerhaften Geschwindigkeitskontrolle geäußert – und den Adendorfern damals wenig Mut gemacht: Die Voraussetzungen für eine „stationäre Messanlage“ liegen in Erbstorf nicht vor, hatte damals Dirk Bonow, beim Landkreis für den Straßenverkehr zuständig, geschrieben.

Weiße Gatter an den Ortseingängen sollen Kraftffahrer seit drei Jahren dazu veranlassen, das Tempo inder Ortsdurchfahrt Erbstorvf zu reduzieren. Foto: be

Bonow: „Wir haben allein 2016 in der Ortsdurchfahrt Erbs­torf 14 Mal mobil gemessen. Mit deutlich unterdurchschnittlichen Ergebnissen. Bei den 14 Messungen, jeweils drei Stunden, kam es insgesamt nur zu 15 Verwarngeldern und fünf Bußgeldern.“ Im Verhältnis zu den Durchfahrten liege der Anteil der Verstöße bei 0,62 Prozent. Der Kreisdurchschnitt liege bei 1,14 Prozent. Auch lägen die Verkehrssicherheitsgründe in Erbs­torf nicht vor: „Es gab dort 2016 gerade mal einen Unfall. 2015 ebenfalls.“

„Seit 2006 sind wir jetzt damit zugange und immer hat es Absagen vom Landkreis gesetzt.“
Karl-Heinz Brandt, Ratsherr

Damit wollen sich die Adendorfer aber nicht zufriedengeben – weder die Ausschussmitglieder noch die zahlreichen Zuhörer, die im Publikum deutlich hörbar rumorten.
Ergebnisse eigener Tempomessungen in Erbstorf, im Februar über einen Zeitraum von 19 Tagen von der Gemeinde durchgeführt, trug Bauamtsleiter Christian Ninnemann vor. Danach lag die „V85“, die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent aller Verkehrsteilnehmer eingehalten worden war, in Erbstorf – je nach Richtung – insgesamt bei 59 und 57 km/h, in der Nacht bei 65 und 63 km/h.

Diese Zahlen liegen höher als in der Vergangenheit, stellte Ronald Steinberg (SPD) fest. Die Wirkung der vor drei Jahren zur Temporeduzierung aufgestellten Gatter an den Ortseingängen habe sich offensichtlich abgenutzt. Die SPD, die bisher gegen den Antrag der CDU gewesen war, habe sich nun entschlossen, zuzustimmen. Steinberg: „Die Zahlen sprechen dafür.“
Die Einführung eines Tempo-70-Bereichs aus Richtung Scharnebeck, wie es ihn aus Richtung Lüneburg schon gibt, schlug ergänzend Hans-Dieter Wilhus vor (Aktive Bürger für Adendorf und Erbstorf). Auf den „fehlenden Tempotrichter aus Richtung Scharnebeck“ hätten die Grünen „schon immer hingewiesen“, betonte Bärbel Sasse (Grüne), die noch einen Vorschlag machte: Das Ortsschild aus Fahrtrichtung Scharnebeck an den Beginn der Bebauung zu versetzen.

Einstimmig sprachen sich die Ausschussmitglieder für den Antrag auf einen dauerhaften „Blitzer“ und für die Versetzung des Ortsschilds aus, zurückgestellt wurde der Antrag auf Einrichtung eines Tempo-70-Bereichs am nördlichen Ortsausgang. Verwaltungsausschuss und Rat müssen die Anträge ebenfalls befürworten. „Dann stellen wir die Anträge beim Landkreis“, sagt Bauamtsleiter Ninnemann.

Hans-Dieter Wilhus rechnet mit Ablehnungen: „Wir sollten uns die Anträge auf Wiedervorlage legen.“ Weiter noch ging Bärbel Sasse, die im Falle einer erneuten Ablehnung dafür plädiert, „darüber nachzudenken, ob man rechtlich dagegen vorgeht“.

Über die Einigkeit im Ausschuss freute sich Karl-Heinz Brandt, als Erbstorfer selbst vom Verkehr im Ort betroffen: „Seit 2006 sind wir jetzt damit zugange und grundsätzlich hat es Absagen vom Landkreis gesetzt.“

Von Ingo Petersen