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Der Metronom, der morgens um 7.28 Uhr von Lüneburg nach Hamburg fährt, ist beliebt bei Pendlern. An den Türen herrscht stets Gedränge. Foto: ap

Mehr Stress als Erholung für Pendler

Lüneburg . 7.28 Uhr am Lüneburger Bahnhof. Quietschend kommt der Metronom aus Uelzen an Gleis 3 zum Stehen. Der Bahnsteig ist voll, Menschen st ehen dicht gedrängt nebeneinander, manche nippen an ihrem Kaffeebecher, andere hören Musik über ihre Kopfhörer. Als sich die Türen des Zuges öffnen, bricht Hektik aus. Eine Menschentraube drängt in den Eingang, Passagiere, die sich noch im Zug befinden, möchten aussteigen. Für sie ist Lüneburg das Ziel. Für den Großteil der Wartenden geht es aber nach Hamburg. Rund 10 300 Bewohner des Landkreises Lüneburg, sogenannte Auspendler, haben täglich mit Bahn oder anderen Verkehrsmitteln die Stadt an der Elbe als Arbeitsziel.

25 251 Pendler aus Lüneburg 

Insgesamt gibt es im Landkreis 65 015 Einwohner, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. 38,8 Prozent davon, also insgesamt 25 251 Lüneburger, sind Auspendler. Sie verlassen den Landkreis morgens, um ihrem Job nachzugehen. Dem gegenüber stehen 14 889 Einpendler, Personen, die aus einer anderen Stadt kommen, aber im Landkreis Lüneburg arbeiten. Die Daten stammen aus einer Statistik der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, erfasst wurden sie im Juni 2016. Dargestellt sind all jene, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, Minijobber sind also nicht enthalten. Auch unterscheidet die Statistik nicht, wer Rad, Auto, Bus oder Bahn nutzt.

Von der Pressestelle der Stadt heißt es, dass etwa 8500 Personen täglich mit der Bahn zwischen Lüneburg und Hamburg pendeln. Darunter sind rund 7500 Lüneburger, die nach Hamburg fahren, und rund 1000 Hamburger, die nach Lüneburg reisen.

Hamburg ist für Lüneburger auch das Pendler-Ziel Nummer eins (siehe Info-Box), danach kommen Harburg und Uelzen. Die meisten, die in Lüneburg arbeiten, kommen aus Uelzen (3243). An zweiter Stelle steht mit 3049 Personen Harburg. Aus Hamburg reisen 1571 Menschen an. Es gibt sogar 371 Einpendler, die zwar in Berlin wohnen, aber in Lüneburg arbeiten.
Wie berichtet, pendelten im Jahr 2016 bundesweit 60 Prozent aller Arbeitnehmer in eine andere Gemeinde, um ihrem Job nachzugehen. Die meisten Pendler gibt es in München, seit 2000 ist die Zahl um 21 Prozent gestiegen. Die Lüneburger Zahl der Ein- und Auspendler ist auch stetig gewachsen, so gibt es im Vergleich zu 2011 ein Plus von etwa 1680 Personen, die außerhalb der Hansestadt wohnen, aber hier arbeiten. Prozentual liegt der Anstieg bei 12,7 Prozent. Ähnlich hoch ist mit 12,9 Prozent das Plus bei den Auspendlern, 2011 gab es rund 2890 Menschen weniger, die morgens ihre Heimatstadt Lüneburg hinter sich ließen, um anderswo ihren Beruf auszuüben.

Pendeln wird häufig als belastend empfunden

Doch welchen Einfluss hat das Pendeln eigentlich auf das Nervenkostüm des Menschen? Leif Boß, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Leuphana in der Abteilung Gesundheitspsychologie und Angewandte Biologische Psychologie, sagt: „Das liegt mitunter daran, wie man die Zeit im Zug für sich nutzt und bewertet“. So gebe es die einen, die es als „Zeitfresser“ verbuchen, stets daran denken, dass sie die Zeit ja auch mit ihrer Familie verbringen könnten, sich gestört fühlen vom Lärm, und diejenigen, die die Fahrtzeit als Übergang nutzen. „In stressigen Jobs ist Entgrenzung immer ein Thema, die Zugfahrt kann Beruf und Freizeit klar trennen. Eine Distanzierungsfähigkeit, also die gedankliche Trennung von der Arbeit, ist wichtig. Das belegen viele Studien.“

So könne die Zeit im Auto oder Zug ein Signal sein, um abzuschalten. „Das Pendeln kann also auch positive Effekte haben“, erläutert Boß. „Tendenziell stimmt es natürlich, dass Pendeln eher als Stressfaktor und nicht als Ressource empfunden wird.“ Und dauerhafter Stress könne ganz unterschiedliche Auswirkungen auf Körper und Psyche haben: So seien Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenso mögliche Folgen wie depressive Verstimmungen. „Es gibt bestimmte Stressfaktoren, die natürlich individuell unterschiedlich wahrgenommen werden.“ So könnten manche Pendler besser mit Stress, Verspätungen und langen Fahrzeiten umgehen als andere.

Von Anna Paarmann

Top Ten der Lüneburg-Pendler

Auspendler:

      • Hamburg: 10.308
      • Harburg: 4.156
      • Uelzen: 1.666
      • Herzogtum Lauenburg: 1.612
      • Ludwigslust-Parchim: 737
      • Region Hannover: 621
      • Stormarn: 480 Heidekreis: 467
      • Lüchow-Dannenberg: 327 Celle: 255

Einpendler:

      • Uelzen: 3.243
      • Harburg: 3.049
      • Hamburg: 1.571
      • Ludwigslust-Parchim: 1.073
      • Lüchow-Dannenberg: 815
      • Herzogtum Lauenburg: 709
      • Berlin: 371
      • Heidekreis: 344
      • Stade: 301 Region Hannover: 24
Pendlerzahlen für Niedersachsen

In Niedersachsen pendeln 34 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stand: 2016), 2011 waren es noch 32,5 Prozent. 2016 gab es rund 282 000 Einpendler bei etwa 2,8 Millionen beschäftigten Menschen. Um knapp 4,1 Prozent auf fast 413 000 ist die Zahl derer gestiegen, die in Niedersachsen leben, aber in einem anderen Bundesland arbeiten.

Gependelt wurde vor allem von Niedersachsen nach Bremen (117 810), Hamburg (97 358) und Nordrhein-Westfalen (92 986). Zur Arbeit in Niedersachsen kamen die meisten aus Nordrhein-Westfalen (85 540), Sachsen-Anhalt (41 994) und aus Bremen (33 180). dpa

One comment

  1. Das heißt also

    – Beamte
    – Selbstständige
    – Studenten
    – (Berufs-) Schüler

    sind in der Statistik des Arbeitsamtes ja nicht mit erfasst. Da kommt bestimmt auch nochmal eine schöne Summe zusammen.