Aktuell
Home | Lokales | Bleckede | Bleckeder Ratsherr schmeißt hin
Ein Foto aus alten Zeiten: Helmut Müller (r.) und Martin Gödecke kurz vor der Abstimmung über eine Fusion der Kommunen im Ostkreis 2010. Foto: A/ t&w

Bleckeder Ratsherr schmeißt hin

Bleckede. Es begann wenig dramatisch. Kämmerin Kerstin Roloff präsentierte dem Bleckeder Stadtrat den Haushaltsplan 2017, erläuterte, wie der Etat trotz anfänglichem Minus von 500 000 Euro doch noch ausgeglichen werden konnte und zählte die größten Investitionen auf. Im Anschluss hielt die CDU ihre Haushaltsrede, danach die SPD, dann meldete sich Helmut Müller von der UWB zu Wort – bis dahin alles wie gewohnt. Auch Müllers Kritik an den noch fehlenden Jahresabschlüssen war die gleiche wie in den Vorjahren. Doch dann tat Müller etwas, worauf nur seine Fraktionskollegen vorbereitet waren: Der Bleckeder schmiss hin.

Seit 15 Jahren ist Müller Mitglied im Bleckeder Rat, 30 Jahre lang war er Kämmerer der Stadt – sein Thema waren stets die Finanzen. Nun erklärte er: „Verehrte Ratsmitglieder, das waren meine letzten Worte in diesem Stadtrat. Ich kann in Gremien der Stadt nicht mehr mitwirken, weil wir seit sieben Jahren vergebens auf die Vorlage der Jahresabschlüsse warten. Ich werde morgen meinen Rücktritt aus dem Stadtrat dem Bürgermeister schriftlich mitteilen.“ Schweigen im Raum, dann meldete sich Müllers Fraktionsvorsitzender Jens Lohmann, hielt seine Haushaltsrede, kein Wort zum Rücktritt.

Insgesamt 45 Jahre in der Stadtverwaltung

Auch Grünen-Chef Christoph Soetebeer machte weiter, als wäre nichts gewesen. Allein Herbert Beusch (CDU) zollte Müller Respekt für die Konsequenz, auch wenn er seiner Kritik nicht zustimmen konnte. Ein paar Wortgefechte folgten noch zum Haushalt, doch kein Kommentar, keine Reaktion mehr zum Rücktritt des langjährigen Ratsmitglieds. Der Haushalt wurde mehrheitlich verabschiedet. Müller enthielt sich, packte seine Sachen und ging. Aus und vorbei.

Mit Müller geht ein Bleckeder Urgestein, insgesamt 45 Jahre hatte er in der Stadtverwaltung gearbeitet, viele politische Entscheidungen im Rathaus, ab 2002 aktiv im Stadtrat begleitet. Dass sein Abgang nun einfach so hingenommen, noch nicht mal dem Bürgermeister einen Kommentar wert war, „das hatte ich mir anders vorgestellt“, sagt er einen Tag danach ganz offen. Doch schon seit Jahren habe er das Gefühl, mit seinen Vorschlägen kein Gehör mehr zu finden. „Da habe ich mit 79 beschlossen, den Platz frei zu machen für Jüngere“, sagt er. Die Entscheidung sei goldrichtig. Nur seinen Abgang, den hatte Müller sich anders vorgestellt.

Von Anna Sprockhoff

2 Kommentare

  1. ich kenne herr müller vom vfl bleckede. sehr vernünftiger mann. aber, so ist es eben. der dank des vaterslandes wird dir ewig nachschleichen und nie erreichen.

  2. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass wortlos übergangen wird, wo ernsthafte und berechtigte Kritik – 7 Jahre ohne jahresabschluss – an grundsätzlicher Fehlentwicklung wiederholt wird. Es wird einfach abgetan.

    Ein Konservativer zollt Respekt. Eine engagierte Journalisten berichtet. Und wie sie es tut, bewegt – weil es darauf hinweist, wie abgestumpft und oberflächlich wir inzwischen an wahrhafter Kritik vorübergehen.

    Wer die Mahnungen der Stammesältesten in den Wind schreibt, der muss etwas Besseres bieten.

    Bleibt die Frage, wann die Jahresabschlüsse nun geprüft vorliegen?
    Aber das scheint heute in den Wind gerufen…

    Zeit, dass wir wieder auf die einfachen Fragen antworten.
    Anstatt dazu zu schweigen.
    Vielleicht antwortet mal jemand dazu.