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Zwei Kreisverkehre in der Ortsdurchfahrt Reppenstedt reichen manchem zur Verkehrsberuhigung nicht aus. In Höhe Eschenweg ist nun auch Tempo 30 in der Diskussion. Foto: t&w

Reppenstedt: Wunsch nach Tempo 30 ausgebremst

Reppenstedt. Da wollten sie ihren Worten gleich Taten folgen lassen und wurden von der Realität in Form der Straßenverkehrsordnung ausgebremst: Die Reppenstedter Ratsfraktionen Soli/Dulitz und die Grünen legten für die jüngste Bauausschusssitzung ihren angekündigten Antrag vor, auf Teilen der Reppenstedter Ortsdurchfahrt im Zuge der Landesstraße 216 Tempo 30 einzuführen. Utopisch wäre das nicht, schließlich hat es die Gemeinde in den vergangenen Jahren sogar geschafft, die Landesstraße gleich mit zwei Kreisverkehren im Abstand von rund 150 Metern zu bereichern.

Wasser in den Wein gegossen

Dennoch goss Gemeindedirektorin Susanne Stille bei der Ausschusssitzung Wasser in den Wein. Verwies auf ein Rundschreiben des Verkehrsministeriums in Hannover zur Straßenverkehrsordnung, das dem Vorhaben im Wege steht. Der Bauausschuss stellte seine Entscheidung zunächst zurück. Das letzte Wort ist allerdings noch nicht gesprochen.

Mit einer Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVo), die Ende des vergangenen Jahres in Kraft getreten ist, kann Tempo 30 nun auch vor Schulen, Kindergärten oder Altenheimen an Hauptverkehrsstraßen eingerichtet werden – ohne eine vorliegende besondere Gefahrenlage, die bislang dafür Voraussetzung war (LZ berichtete). Das wollen sich Soli/Dulitz und Grüne in ihrem gemeinsamen Antrag zu nutze machen, um die Strecke zwischen der Ampel Höhe Wiesenweg und Rewe-Kreisel sicherer zu gestalten, zumal auf halber Strecke das Senioren­zentrum liegt.

Seniorenzentrum ist über Seitenstraße erschlossen

Jedoch komme eine Absenkung der Geschwindigkeit von Tempo 50 auf 30 nur in Betracht, wenn Einrichtungen, wie beispielsweise Kindertagesstätten oder Alten- und Pflegeheimen über einen „direkten Zugang zur Straße verfügen oder im Nahbereich der Einrichtung starker Ziel- und Quellverkehr … vorhanden ist“, heißt es in einem Rundschreiben des Verkehrsministeriums in Hannover. Dabei handelt es sich um Hinweise, die die Kommunen übergangsweise zu beachten hätten, denn bislang wurden die notwendigen Verwaltungsvorschriften zur Umsetzung der StVo-Änderung noch nicht verabschiedet.

Und die Reppenstedter Gemeindeverwaltung hält sich an die Hinweise aus Hannover und weist darauf hin, dass das Seniorenzentrum eben nicht direkt über die L 216, sondern über den Abzweig Eschenweg erschlossen wird. Da sich weitere in der Novelle genannte Einrichtungen nicht an der Ortsdurchfahrt befinden, hält die Reppenstedter Verwaltung die Absenkung der Geschwindigkeit an der Stelle für „nicht umsetzbar“. Die LZ fragte nun bei der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStV) nach.

Rechtslage sieht Tempo 30 nicht vor

Dirk Möller, Leiter der NLStV in Lüneburg, sagt zu der geforderten Geschwindigkeitsreduzierung in Reppenstedt: „Grundsätzlich muss das einzelfallbezogen überprüft werden. Die Zuständigkeit liegt dafür bei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Lüneburg, die uns dann als Träger der Straßenbaulast am Entscheidungsprozess beteiligt.“ Dort liegt zwar noch kein offizieller Antrag von der Gemeinde vor, aber es gab im Vorfeld informelle Gespräche zwischen Gemeinde und Kreisbehörde.

Dirk Bonow vom Landkreis sagt: „Tempo 30 an dieser Stelle kommt nach der neuen Rechtslage aus unserer Sicht nicht in Betracht.“ Sollte doch noch offiziell ein Antrag der Gemeinde eintreffen, werde der natürlich ergebnisoffen geprüft, heißt es.

Gemeindedirektorin Susanne Stille sagte im Nachgang: „Der Bauausschuss hat eine Entscheidung zu dem Thema zurückgestellt. Wir wollen erstmal den geplanten Ausbau des Seniorenzentrums abwarten, vielleicht ergibt sich daraus eine andere Situation.“ Zudem solle ein Verkehrsgutachter den Bereich zwischen dem Kreisverkehr in Höhe des Rathauses bis zum Wiesenweg noch einmal unter die Lupe nehmen.

Von Dennis Thomas

3 Kommentare

  1. Wunsch nach Tempo 30 ausgebremst
    es ist arrogant, wenn von behördenseite der wunsch zur entschleunigung ausgebremst wird. jeder darf mal bei rewe versuchen, von dort in den kreisel zu kommen. bei tempo 50, was angerauscht kommt, ist das aus dem stand nicht ungefährlich. ich erwarte dort eigentlich täglich einen unfall. zahlt die straßenverkehrsbehörde eigentlich beerdigungen, wenn der tod durch tempo 50 eingetreten ist und durch tempo 30 zu verhindern gewesen wäre? wie war das nochmal mit dem anhalteweg? wie errechnet sich der wohl?

  2. „Zudem solle ein Verkehrsgutachter den Bereich … noch einmal unter die Lupe nehmen.“
    Was wäre das wieder für eine Verschwendung von Steuergeldern. Für ein vielleicht 200m langes Strassenstück ein Gutachten. Ich kann keine Notwendigkeit dafür erkennen. Noch nie habe ich dort jemanden „rasen“ erlebt. Zudem stockt der Verkehr immer wieder vor den beiden Kreiseln. Das ist von der Fraktion Soli/Dulitz und den Grünen ein rein ideologischer Antrag ohne zwingende Grundlage.

  3. Anette Steffen

    Es sollten mehr Fahrradfahrer StVO-konform auf der Straße fahren anstatt sich mit den Fußgängern den schmalen Fußweg zu teilen. Dann haben wir eine natürliche Entschleunigung. Leider ist das momentan stressig, da die Autofahrer sehr knapp und aggressiv überholen.