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Köchin Julia Kaiser (2. v.r.) und die Kinder ihrer Gruppen von der Oberschule Bardowick schauen, was der Hauptgang macht: Sellerieschnitzel und Süsskartoffelspalten. Foto: t&w

Oberschule Bardowick: Vier Köche und vier Gänge

Bardowick. Nur der Nase nach musste am Mittwochnachmittag gehen, wer in der Bardowicker Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule die Lehrküche suchte. K östliche Düfte, ausgehend von einem ganz besonderen Projekt, waberten durch die Flure der Schule: Beim Workshop „Frühlingserwachen“ kochten vier Profiköche mit 18 Schülerinnen und Schülern ein Vier-Gänge-Menü.
Gemeinsam mit ihren Lehrern hatten die Bardowicker Schüler schon zweimal ein Kochprojekt gemacht – diesmal kamen echte Profis zur Unterstützung in die Schule. Sie hatten das Vier-Gänge-Menü zusammengestellt, die Zutaten mitgebracht und begannen dann, gemeinsam mit den Fünft- bis Zehntklässlern, Kartoffeln zu schälen, Zwiebeln zu schneiden, Gemüse zu schnippeln und Orangen zu schälen.

Nicht für alle Kinder sei es eine Selbstverständlichkeit, zum Essen an einem gedeckten Tisch zu sitzen, erklärte Iris Pottek, Vorsitzende des Vereins „gelbetomaten – Verein für Umwelt und Ernährungsbildung“.

Nach drei Stunden trugen die Schüler ihr Menü auf – lecker und vegetarisch. Zunächst gab es Möhrensuppe mit Kokosmilch und Kresse. Schon die kam bei den Jugendlichen gut an. „Lecker schmeckt die, und Spaß hat es auch gemacht“, sagte Jacob. Das fanden auch Kimberly und Celine, die ganz deutlich Möhre und Kokos aus der Suppe herausschmeckten.
Weiter ging es mit Salaten mit Joghurt-Orangen-Dressing und Falafel, als Hauptgang Sellerieschnitzel, Süsskartoffelspalten, Bardowicker Ratatouille und als Dessert Avocadomousse mit Vanillesauce, Fruchtsorbet und Sesam-Krokant-Hippe.

Fabian Borkenhagen und Mohamed Murai vom Lüneburger Mälzer, Julia Kaiser vom Verein „gelbetomaten“ und Melvin Driesner von der Brasserie am Schloß in Winsen, der früher selbst Schüler der Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule war, machten bei dem Projekt mit.

Und auch sie hatten ihren Spaß bei der ungewöhnlichen Koch-Aktion. „Die Kinder haben sich super angestellt dabei“, lobte Fabian Borkenhagen. Für Orsolya Mindorf, an der Schule für das Fach Deutsch als Zweitsprache zuständig, war auch wichtig, dass viele Schüler mit Migrationshintergrund beim Projekt dabei waren: „Deutsch kann man nicht nur im Klassenraum lernen, sondern auch in der Küche.“

Vor einem Jahr war die Hugo-Friedrich-Hartmann-Schule von der Verbraucherzentrale Niedersachsen im Rahmen des Wettbewerbs „Schule auf EssKurs“ mit einem „Stern“ ausgezeichnet worden – Lohn für die Bemühungen der Schule und deren Kooperationspartner „gelbetomaten“ um eine bessere Schulverpflegung.

Unter anderem war das Angebot des Schulkiosks umgestellt worden, er ist jetzt eine süßigkeitenfreie Zone. An jedem ersten Montag im Monat gibt es „Obst für alle“, zuletzt habe man auf dem Schulgelände noch einen Apfelbaum gepflanzt. „Jetzt wollen wir den zweiten Stern“, berichtete Iris Pottek. Der Workshop sei nur einer von mehreren Bausteinen auf dem Weg dahin.
Für die Schülerinnen und Schüler soll das Projekt mit den vier Profiköchen auch dauerhaft wirken: Alle Rezepte und Zutatenlisten gab es mit auf den Heimweg.

Von Ingo Petersen