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Die Gastronomen Martin Herzog (v.l.), Meike Lootz, Martin Lühmann, Lukas Metzger und Ulli Grätsch hatten sichtlich Spaß bei den Dreharbeiten – doch anstrengend war es für die Köche auch. Foto: t&w

Mein Lokal, dein Lokal: Ein Blick hinter die Restaurant-Kulisse

Amelinghausen/Lüneburg/Soltau. Obwohl eigentlich sein Ruhetag ist, steht Gastronom Martin Herzog der Schweiß auf der Stirn. Er steht in der Kü che seines Amelinghausener Restaurants und erklärt einer Mitarbeiterin des Fernsehteams den geplanten Ablauf in der Küche: „Zuerst gehe ich hier hin, dann hole ich den … dann brate ich die … dann hierhin zum Schneiden: Zack! Zack! Zack!“ Er erklärt es drei Mal, wird bei jedem Durchgang schneller. Es ist die Vorbereitung der Küchen-Szenen, die von dem Fernsehteam an diesem Abend eingefangen werden sollen. Herzogs Nervosität steigt. Draußen stehen schon seine Mitbewerber aus vier anderen Lokalen der Region. Unter einander sollen sie klären, wo es am besten schmeckt für die Kabel1-Doku-Soap „Mein Lokal, Dein Lokal.“ Gestern war der letzte Drehtag dieser Wochenstaffel in der Lüneburger Altstadt.

Mit einer insgesamt 14-köpfigen Mannschaft, darunter vier Kamerateams aus Hamburg, war die Produktionsgesellschaft „Good Times“ nun im Zwei-Schichtbetrieb mehr als eine Woche in der Lüneburger Heide unterwegs: Als teilnehmende Lokale sind dabei aus Amelinghausen „Grätsch‘s Gasthaus Niedersachsen“ und „Zum Alchimisten“, aus Lüneburg das „Anno 1900“ in der Altstadt sowie das Hotelrestaurant „einzigartig“ im Wasserviertel sowie das Steakrestaurant „Bulls & Bandits“ im „Heide Park Resort“ bei Soltau.

Dem eingefleischten Stadt-Lüneburger stellt sich die Frage, warum der Kreis so groß gezogen wurde, schließlich rühmt sich die Salz- und Hansestadt, eine der größten Kneipendichten pro Kopf in Europa zu haben – selbst nach den jüngsten Schließungen in der Schröderstraße. Good-Times-Redakteurin Ramona Voß nickt verständnisvoll: „Das habe ich in letzter Zeit häufiger gehört …“ Sie überlegt kurz. Im Hintergrund werden im Gasthausraum des Alchimisten Tische gerückt, Kamerascheinwerfer neu positioniert. Dann Voß weiter: „Wir wollten eine möglichst große Bandbreite in der Region Lüneburger Heide darstellen.“

Meike Lootz und Ulli Grätsch nehmen vor der Kamera Stellung zur Arbeit ihrer Mitbewerber. Foto: t&w

Der Amelinghausener Martin Herzog war zunächst skeptisch, als die Anfrage zur Teilnahme kam, doch die Chance, sich einem größeren Publikum zu zeigen, war zu verlockend. Doch es blieb ein mulmiges Gefühl, vor allem als die Kollegen bei laufender Kamera seine Küche besichtigen durften: „Das war mir schon fast zu privat. Das ist für mich so, als würde sich jemand in meinem Schlafzimmer umsehen.“ Überrascht war er, als er vom Mitbewerber aus Soltau erfuhr: „Das hat mich aus den Latschen gehauen. Bisher dachte ich, im Heidepark gebe es nur Zuckerwatte, Pommes und Popcorn zu essen.“

Lukas Metzger vom „Bulls & Bandits“ sagte: „Wir haben uns 2015 für die Sendung beworben und waren seitdem offenbar in deren Kartei.“ Der Drehtermin erwischte die Steak-Macher bei der Saison-Vorbereitung, am Sonnabend öffnet das Heide Park Resort wieder für Besucher.
Fast ungerührt hat Ulli Grätsch das Kamera-Team in seinem Lokal machen lassen. Er hatte kürzlich in seinem Gasthaus selbst einen eigenen kleinen Koch-Wettbewerb inszeniert mit jeweils drei männlichen Hobby-Köchen und drei Landfrauen: „Das war viel stressiger als die Dreharbeiten.“

Ganz entspannt zeigte sich auch Meike Lootz vom „einzigartig“ vor ihrem Drehtermin und dem kritischen Blick der Mitbewerber: „Ich kenne meine Truppe, wir kriegen das hin.“ Und auch den Besuch in der Küche scheut sie nicht: „Wir sind ein Frauenhaus, auch die Männer, die bei uns arbeiten, sind Frauen. Bei uns ist alles extrem ordentlich und sauber.“
Da hatte Martin Lühmann vom Anno 1900 vor seinem Dreh gestern in der Lüneburger Altstadt ganz andere Befürchtungen: „Meine Küche ist so runtergerockert: Während andere da einen Porsche stehen haben, habe ich mir jedes Teil einzeln mühsam zusammengespart.“

Während „Alchimist“ Herzog vom Kamera-Rummel am Mittwoch bei seinem Ruhetag auf die Probe gestellt wurde, liefen die Dreharbeiten im Anno bei vollem Restaurantbetrieb. „Wir sind ein Real-Format“, sagt Rudy Schönborn aus Köln. Als Realisator ist er mit für den Drehablauf verantwortlich: „Wir arbeiten nicht nach Drehbuch.“ Es gäbe zwar einen groben Ablaufplan, was tatsächlich vor der Kamera ablaufe, entscheide sich oft in dem Moment. Schönborn: „Da kriegt man während eines Drehtages eine ganze Menge Zeug zusammen.“ Der geht von morgens früh bis abends oft nach Mitternacht. In der Postproduktion kommen auf eine Tagesfolge acht bis elf Schnitttage. Nach dem nun letzten Drehtag steht also noch viel Arbeit bis zur Ausstrahlung an. Solange soll auch der Sieger geheim bleiben.

Der Sendetermin steht noch nicht fest, ist aber geplant für Sommer 2017 bei Kabel 1.

Von Dennis Thomas