Donnerstag , 12. Dezember 2019
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Zum Besuch bei der GfA gehörte auch ein Rundgang über die Anlage. Unter anderem informierten sich die brasilianischen Gäste auch an den Containern. Foto: kre

Tipps für die Kollegen am Zuckerhut

Bardowick. Es gibt Projekte, die sind wichtig – wenn nicht gar überlebenswichtig. Das hat auch die Politik in Brasilien erkannt – und mit der Tradition gebrochen, nach einem Regierungswechsel sämtliche Projekte der Vorgängerregierung zu stoppen. Die Stadt Jundiai, 400 000 Einwohner groß, hat zwar eine neue Verwaltung, das Projekt Abfallberatung-, vermeidung-, sortierung und -verwertung aber hat die neue Administration übernommen. Das zeigt, dass der Müllproblematik, jahrzehntelang ein eher wenig beachtetes Thema in Brasilien, zusehends mehr Beachtung geschenkt wird.

Aus diesem Grund weilt zurzeit eine Delegation aus der 400 000-Einwohner-Metropole in Lüneburg, um sich darüber zu informieren, wie deutsche Kommunen und Entsorgungsunternehmen das Abfallaufkommen managen. „Es handelt sich um ein Beratungs-Projekt“, sagt Hubert Ringe, Vorstand des kommunalen Entsorgers GfA – und fügt hinzu: „Finanziert wird das Engagement mit 50 000 Euro vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“, kurz BMZ genannt.

Rund 50 ähnliche Projekte vom BMZ bewilligt

Die GfA – beziehungsweise die Stadt Lüneburg als Antragssteller – sind freilich nicht die einzigen, die eine entsprechende Zusammenarbeit mit Entwicklungs- und Schwellenländern pflegen. „Insgesamt wurden vom BMZ rund 50 Projekte bewilligt“, berichtet Ringe – in Afrika genauso wie in Mittelamerika. Für den GfA-Vorstand macht dieses Engagement Sinn: „Ein vernünftiges Abfallvermeidungs- und -verwertungssysstem hat positive Auswirkungen auf das ganze Land, auf Umwelt, Ressourcen und Klima“.

Die brasilianische Stadt Jundiai ist für Ringe keine ganz unbekannte Metropole. Vor etwa zwei Jahren stellte die GfA in der Kommune eine Pilotanlage zur Behandlung der Abfälle, die sogenannte MBA (Mechanisch-Biologische Abfallbehandlung), auf. Die gleiche Technik also, die auch in Bardowick zum Einsatz kommt, um den Siedlungsabfall von rund 170 000 Bürgern aus Stadt und Kreis zu behandeln (LZ berichtete). Mit Hilfe der durch das BMZ geförderten Kooperation wollen die Brasilianer in Bardowick verstehen lernen, wie die Abfallwirtschaft in Deutschland organisiert, funktioniert und finanziert wird. „Es geht uns darum, den Management-Prozess zu optimieren“, erläutert Dolmetscherin Christiane Pereira.

Jundiai beauftragt private Unternehmen für die Müllabfuhr

„Für die Organisation der Müllabfuhr in Jundiai ist die Stadt verantwortlich“, berichtet Pereira, die dafür allerdings private Unternehmen beauftragt habe. Im Gegensatz zur Abfuhr in Stadt und Kreis Lüneburg. Hier ist die Gesellschaft öffentlichen Rechts – die GfA, als kommunaler Entsorger für die Abholung zuständig.

Und genauso wie in Deutschland sollen in Jundiai auch schon die Jüngsten für die Themen Müllvermeidung und Ressourcenschutz sensibilisiert werden: „Umweltbildung findet jetzt auch in in Brasilien in der Schule statt“, übersetzt Christiane Pereira – und zwar von der ersten bis zu 13. Klasse. Schließlich habe man auch in Brasilien erkannt: Abfall ist mehr als Müll, den man achtlos wegwerfen kann.

Das Beratungsprojekt der GfA endet im Juli. „Doch bis dahin“, ist Hubert Ringe überzeugt, „können wir den Kollegen in Jundiai bestimmt noch die eine oder andere wichtige Information geben.“

Von Klaus Reschke