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Es ist ein Accessoire, das Frauen am Ende des 15. Jahrhunderts schätzten: Diesen kunstvoll aus Messing geformten Schlüsselhaken fand Hobbyarchäologe Florian Bautsch bei Lüneburg. Foto: stadtarchäologie

Denkmalpflege: Ein Schlüsselhaken berichtet aus der Lüneburger Geschichte

 Lüneburg. Für die Bäuerin war es ein kleidsames Detail: Am Gürtel hing ein Schlüsselhaken aus Messing, eine Frauenfigur von drei Schlangen umschlungen. Am Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts dürfte das schmückende Accessoire einer Lüneburgerin gehört haben. Wie es auf einen Acker nahe der Stadt gelangte, ist unklar. Doch die Archäologen können anhand des Fundes wieder ein kleines Stück des lange vergangenen Alltags rekonstruieren.

Lüneburger Fund eine Seltenheit

Im neuen Heft „Denkmalpflege in Lüneburg“ beschäftigt sich Arne Homann mit dem Fund. Und er gerät dabei fast ins Schwärmen: „Der Lüneburger Schlüsselhaken gehört zweifelsohne zu den schönsten und am detailreichsten gearbeiteten Vertretern seines Typs.“ Der Wissenschaftler schreibt, dass Künstler des 16. Jahrhunderts Frauen in solch gerafften Röcken dargestellt haben, wie sie sich an Schlüsselhaken ablesen lassen. Der Fund aus Lüneburg ist eine Seltenheit, nur wenige solcher Haken sind dokumentiert.

Ob die Schlangenform und die Zahl drei einer tieferen Symbolik folgen, sei Spekulation. Es könne schlicht sein, dass drei Ösen praktisch waren. Denkbar sei, dass die Trägerin mit ihrem Schmuckstück eine zeitgenössische Botschaft aufgriff: Die Frau mit den drei Schlangen stand für Keuschheit und eheliche Treue – Avancen hatten bei ihr keinen Zweck.

Historie Lüneburgs im Fokus

In dem wie immer aufwändig und ansprechend aufgemachten Heft beschäftigen sich verschiedene Autoren mit der Historie. Gisela Aye beleuchtet eine Figurengruppe mit dem Namen Anna Selbdritt, einem religiösen Motiv, das immer wieder auftaucht. Stadtarchäologe Edgar Ring geht der Entwicklung der „Renaissancekanzeln“ nach, die mit der Reformation Einzug hielten. Heiner Henschke hat sich die Restaurierung und Geschichte des Viskulenhofs vorgenommen, das alte ramponierte Handelshaus hat sich zu einem Schmuckstück im Hafenviertel gemausert.

Markus Tillwick beschäftigt sich mit dem Nikolaihof in Bardowick und Paul-Georg Lankisch gibt einen Überblick über die Arbeit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der Region.
Das Heft ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

Von Carlo Eggeling