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Doreen Wolter (Mitte) ist die amtierende Heidekönigin von Wittorf, hier beim Heideblütenfest-Umzug 2016 gemeinsam mit ihren Hofdamen Sophie Pfitzner (r.) und Elisa Kiesecker. Ob es eine Nachfolgerin geben wird, ist offen.

Heideblütenfest in Wittorf droht das Aus

Wittorf. Der Fortbestand des Wittorfer Heideblütenfestes ist gefährdet. Der seit 1955 ausrichtende Verein „Sparclub Up de Heid“ bangt um sein Veranstaltungsgelä nde, der Eigentümer möchte es bebauen lassen. Zusätzlich ringt der Verein mit erhöhten Auflagen für das Festzelt. So hat der Vorstand eigentlich schon den Beschluss gefasst, das diesjährige Festwochenende im August komplett zu streichen. Das war Mittwoch vergangener Woche. Seitdem brodelt die Gerüchteküche in der Gemeinde heftig. Am Dienstag lud die Samtgemeindeverwaltung Vertreter der Kommune sowie des Sparclubs zum Krisentreffen, um das Fest noch zu retten. Zunächst schien eine Lösung in Sicht, entpuppte sich aber schon einen Tag später als heiße Luft. Ausgang offen.

Der Reihe nach: Bereits seit Wochen stehen auf dem Festplatz beim Schützenhaus Vermessungspfähle. Rund 1500 Quadratmeter des Geländes, das sowohl der Schützenverein als auch der Sparclub genutzt haben, gehören Wittorfs Alt-Bürgermeister Gustav Rieckmann. Der sagt zur LZ: „Nachdem unsere Familie den Vereinen die Fläche rund 70 Jahre lang kostenfrei zur Verfügung gestellt hat, ist es legitim, auch mal an uns zu denken.“ Rieckmann habe einen Kaufinteressenten, der dort ein Haus errichten wolle.

Bauvoranfrage liegt beim Kreis vor

Zwar ist der Bereich noch nicht von einem gemeindlichen Bebauungsplan geregelt, aber im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Bardowick ist er als „Gemischte Baufläche“ ausgewiesen. Eine Bauvoranfrage liegt beim Kreis vor. Damit würde der Festplatz so weit verkleinert, dass es den Sparclub in die Bredouille bringen würde, dort weiterhin die Zeltdisco zum Auftakt des Heideblütenfestes zu veranstalten, die zudem mit erhöhten Auflagen behaftet ist. Im Festzelt steigt zudem der Krönungsball.

Zur möglichen Lösung des Flächenproblems sagte Rieckmann gegenüber der LZ: „Ich habe einem Mitglied des Schützenvereins angeboten, meine Fläche gegen ein anderes Baugrundstück zu tauschen.“ Damit bliebe der Festplatz in voller Ausdehnung erhalten. Doch der Schützenverein ist als Mitnutzer der Fläche nicht so in Bedrängnis wie der Sparclub. Schützenpräsident Wilfried Backeberg sagt: „Wir haben vom Verpächter des Schützenhauses eine Nachbarfläche angeboten bekommen, die wir mit nutzen können. Uns reicht der Platz dann aus.“ Umso erfreuter reagierte Sparclub-Chef Walter Braunholz, als im Dorf erzählt wurde, dass der von Rieckmann angebotene Flächentausch in Sack und Tüten sei – wie sich herausstellte, hatten aber beide Eigentümer keine Kenntnis von der angeblichen Einigung.

„Damit ist das Heideblütenfest wohl gestorben. Ich weiß nicht, wie wir sonst weitermachen sollen.“
Walter Braunholz
Vorsitzender „Sparclub Up de Heid“

Auch Wittorfs Bürgermeister Michael Herbst zeigte sich noch am Dienstag „zuversichtlich, dass der Flächentausch klappen wird“. Unter dem falschen Eindruck, dass die Flächenfrage geklärt sei, trafen sich Vertreter von Samtgemeinde, Gemeinde und Sparclub am Dienstag zum Krisengespräch. Im Nachgang sagte Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann: „Uns ist es wichtig, dass das Heideblütenfest, das zuletzt wieder einen Aufschwung erfahren hat, erhalten bleibt.“ Die Samtgemeinde wolle Verlässlichkeit in die Planung bringen und den Verein unterstützen, beispielsweise bei Straßensperrungen für den Festumzug. Gemeindebürgermeister Herbst wollte prüfen, ob die Gemeinde offiziell als Veranstalter, etwa bei der Zeltdisco mit zuletzt 1500 Gästen, einspringen könne, um in Versicherungsfragen den ehrenamtlichen Vorstand bei der Haftung zu entlasten.

Hohe Besucherzahlen der Zeltdisco

Angesichts der hohen Besucherzahlen der Zeltdisco waren die Auflagen erhöht worden hinsichtlich Parkplätze, getrenntem Ein- und Ausgangsbereich sowie Sicht- und Lärmschutz. Auch dafür braucht es viel Platz. Nach den Unterstützungszusagen der Kommunen zeigte sich Braunholz am Dienstag erleichtert: „Die Kuh ist vom Eis! Wir können weitermachen wie bisher.“ Nur einen Tag später fiel er wieder aus allen Wolken, als er erfuhr, dass der Flächentausch wohl doch nicht stattfinde. Braunholz ratlos: „Damit ist das Heideblütenfest wohl doch gestorben. Ich weiß nicht, wie wir sonst weitermachen sollen.“ Auf Nachfrage, warum der Verein mit der finanziell wichtigen Discoveranstaltung nicht auf den Sportplatz ausweicht, sagt er: „Der ist zu weit am Dorfrand, und dann die ganzen Kuhställe in der Nähe… Von der Idee haben wir uns verabschiedet.“

Die Zukunft des Heideblütenfestes in Wittorf wird Thema der Mitgliederversammlung des Sparclubs Up de Heid sein: Sonnabend, 22. April, ab 20 Uhr im Schützenhaus Wittorf (Hauptstraße 72). Eingeladen sind auch die Wagenbauer.

Von Dennis Thomas

Hintergrund

Wittorfer Tradition seit 1955

Bei den Festen in Wittorf kamen früher Alteingesessene und Neubürger zusammen, nur das Essen habe oft für die Zugezogenen nicht gereicht, sie wurden aufgefordert, ein eigenes Fest zu organisieren. Der von Neubürgern 1954 gegründete Sparclub „Up de Heid“ – angedenk früherer, heute zugebauter Heide-Flächen in Wittorf – veranstaltete 1955 das erste Heideblütenfest der Gemeinde. Zuerst mit Bollerwagen, zuletzt mit Disco, Tanzball, Festumzug und bunter Meile.