Mittwoch , 20. September 2017
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Am Morgen nach dem Großfeuer in der Echemer Grunschule werden die Ausmaße des Brandes erkennbar. Foto: be

Echem: Der Schock sitzt tief

Echem. Viele müssen es offenbar mit eigenen Augen sehen, um zu begreifen, dass die Grundschule Echem nur noch ein Trümmerhaufen ist. Ein regelrechter Katastrophentourismus hat sich in den vergangenen Tagen entwickelt, seitdem in der Nacht zu Gründonnerstag die Schule einem Großfeuer zum Opfer gefallen ist. In der Spitze waren rund 130 Einsatzkräfte aus sieben Ortsfeuerwehren in der Brandnacht zum Löschen da, retten konnten sie aber weder Schule noch Turnhalle.

Körperlich verletzt wurde niemand, doch der Schmerz sitzt tief – nicht nur in der Echemer Bürgerseele – über den Verlust von Schule und Sportstätte. Der Sachschaden wird auf rund drei Millionen Euro geschätzt. Die Brandursache ist indes weiterhin unklar, vom technischen Defekt bis zur Brandstiftung ist laut Polizei alles denkbar. Die Ermittlungen dauern an.

Fehlende Brandschutzmauern und starker Wind behinderten Feuerwehreinsatz

Gegen 24 Uhr in der Nacht zu Gründonnerstag alarmieren mehrere Anwohner über den Notruf die Feuerwehr. Da schlagen schon die ersten Flammen aus dem Dachstuhl der Grundschule. Andreas Apeldorn, Sprecher der Lüneburger Kreisfeuerwehr, erklärt später: „Nach ersten Erkenntnissen der Polizei war das Feuer im Bereich zwischen Haupteingang und Sporthalle ausgebrochen und hatte sich sehr schnell über den gesamten Gebäudebereich ausgebreitet. Begünstigt wurde dies unter anderem aufgrund der Tatsache, dass das Gebäude über keine Brandschutzmauern verfügte und über den starken Wind, der zum Zeitpunkt des Feuers den Einsatzkräften das Leben zusätzlich erschwerte.“

„Wir stehen hier jetzt mit einem Riesenproblem, der ganze Ort ist wie paralysiert.“ Steffen Schmitter, Bürgermeister in Echem

Bereits am Mitwochnachmittag war am Hägenhorstweg in Echem ein Pferdeunterstand in Brand geraten und komplett zerstört worden. Die Polizei geht hier nach ersten Ermittlungen von Brandstiftung aus. Der entstandene Sachschaden wird auf zirka 5000 Euro geschätzt. Hinweise darauf, dass es eine mögliche Verbindung zwischen den beiden Bränden gibt, liegen bislang nicht vor, sagt Polizeisprecherin Antje Freudenberg. Zeugen, die am Mittwochnachmittag oder in der Nacht zu Donnerstag Beobachtungen gemacht, werden gebeten, sich mit der Polizei unter (04131)83 06 22 15 in Verbindung zu setzen.

Samtgemeindebürgermeister bricht Urlaub ab

Fassungslosigkeit herrscht am Morgen danach auch in der Gemeindeverwaltung. „Wir stehen hier jetzt mit einem Riesenproblem, der ganze Ort ist wie paralysiert“, sagt Steffen Schmitter (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Echem mit rund 1000 Einwohnern. „Wir haben mit der Schule und der Turnhalle ein wichtiges Zentrum des Dorflebens verloren.“ Denn in den niedergebrannten Gebäuden wurden nicht nur die Grundschüler aus Echem und den umliegenden Orten unterrichtet, sondern auch viele Vereine und Verbände nutzten die Einrichtung für ihre Aktivitäten. Ob Blutspendetermin des DRK, Seniorensport oder Angebote des FC Echem von Volleyball bis Reha-Sport für Kinder. Als Scharnebecks Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn von der Brandkatastrophe erfährt, bricht er seinen Familienurlaub in Grömitz ab.

Echemer Grundschule nach dem Feuer

Im Scharnebecker Rathaus werden die ersten Vorbereitungen getroffen, um den Schulbetrieb nach den Osterferien sicherzustellen. Denn Schulträger ist die Samtgemeinde. Laut Gerstenkorn werden die 60 Echemer Grundschüler vom 24. April an vorerst an der Grundschule Hohnstorf/Elbe unterrichtet, zu der auch die Außenstelle Echem gehört. „Räume sind dort ausreichend vorhanden, Container brauchen wir nicht“, sagt Gerstenkorn.

Landkreis: Schülerbusverkehr sichergestellt

Träger des Schulbusverkehrs ist der Landkreis Lüneburg. Kreissprecher Hannes Wönig sagt: „Der Schülerbusverkehr ist in jedem Fall sichergestellt. Die Samtgemeinde hat außerdem für die betroffenen Kinder Startkarten erhalten, so dass die Kinder ab dem ersten Schultag nach den Ferien fahren können.“

Die Samtgemeinde will die Eltern laut Gerstenkorn kurzfristig zu einem Info-Abend einladen und zusätzlich schriftlich informieren. Der Brand dürfte im wahrsten Sinne des Wortes auch die Diskussion um die Einrichtung von Schulbezirken in der Samtgemeinde und den Erhalt des Schulstandortes Echem wieder befeuern (LZ berichtete). Doch für Echems Bürgermeister Schmitter führt mittelfristig kein Weg am Wiederaufbau vorbei. „Erstens ist die Schule wichtig für Echem, außerdem reichen die Kapazitäten in Hohnstorf aus meiner Sicht nicht aus.“ Auch Gerstenkorn ist klar, „dass wir uns überlegen müssen, wie es künftig weitergeht“.

Unterstützung von anderen Sportvereinen

Demonstrative Einigkeit herrscht indes bei den Sportlern: Gestern gab es auf Initiative von Jens Kaidas, zweiter Vorsitzender des TuS Hohnstorf, ein Treffen der Sportvereine in der Samtgemeinde Scharnebeck, um dem FC Echem ihre Unterstützung anzubieten. Nach dem Treffen sagte Kaidas gegenüber der LZ: „Der FCE will soweit wie möglich alle vorhandenen Räume nutzen, um vor Ort den Sportbetrieb aufrechtzuerhalten. Das wird aber bei Sportarten von Tischtennis bis Volleyball nicht so einfach möglich sein. Deshalb bieten die anderen Vereine Ausweichmöglichkeiten, Hallenzeiten und auch Sportgeräte an.“ An dem Treffen hatten Vertreter vom STV Artlenburg, TuS Brietlingen, SV Scharnebeck sowie TuS Hohnstorf teilgenommen.

Das Osterfeuer in Echem (Sonnabend, 19 Uhr) beim Sportplatz soll wie geplant stattfinden – in Sichtweite der Grundschule. jdr/ml/dth

2 Kommentare

  1. ein besorgter Bürger

    Wer die Samtgemeinde kennt, weiß auch, dass die Kappazitäten am Limit sind. Zudem wurde ja gerade in Hohnstorf eine Gymnastikhalle abgewählt. Das nun ausgrechnet der 2. Vorsitzende die Zügel in die Hand nimmt und nicht der 1. sagt ja auch Vieles aus. Die Stimmung in Hohnstorf dürfte nach dem Brand riesig sein…

    Vermutlich werden die Politiker, die auch so oft in den Sportvereinen sitzen, „eng zusammen arbeiten“.

    Die neuen Bewohner in Echem und die, die ihr Haus noch bauen können einem nur leid tun, denn so haben doch viele ihr Haus gebaut, weil die Planungen für Familie auch auf die Grundschule abzielten.

    Vielleicht können die feinen Dorfpolitiker ja doch mal eine Lösung zu Wohl der Bürgerinnen und Bürger finden und ihre persönlichen Kriege für sich führen und nicht auf dem Rücken der Dörfer austragen. Denn die Menschen sind die Dörfer und nicht irgendwelche Alphatiere in Gemeinderäten.

    Mal sehen ob Herr Kaidas sein Gefolge auch so im Griff hat wie den Sportverein.

    • Walter Hagemann

      … und wie Bernd Althusmann? Da können Sie guter Dinge sein! Jens, den Vollblutstrippenzieher, Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland 2013, stört doch schon seit 2010 vor allem die Bürgerferne und die Regelungswut vieler Verwaltungen. „Ich komme damit nicht mehr zurecht. Es geht allein um Vorschriften, der Verstand wird ausgeschaltet. Entscheidungen werden nicht mehr vor Ort getroffen. Und ständig ist die Rechtsabteilung anwesend“, klagt der Ex-Bürgermeister. „Die Behörden sollen nicht Gründe suchen, wie etwas zu verhindern ist, sondern wie es ohne große Kosten und Aufwand ermöglicht werden kann.“ http://www.abendblatt.de/region/lueneburg/article107831546/Jens-Kaidas-ist-dann-mal-weg.html

      Herr Kaidas ist ganz nahe dran an den Sorgen der Menschen draußen auf dem Lande!!