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Die Instagrammer vom ersten weltweiten Instameet in Lüneburg bei der Arbeit: Schöne Bilder der Stadt machen und sie in der App hochladen. Foto: t&w

Erster Lüneburger Instameet: Schnappschüsse mit Werbefaktor

Lüneburg. „Könnt ihr mal bitte aus dem Bild gehen?“ Ein junger Mann, Bart, Sonnenbrille, hält sein Smartphone auf Augenhöhe und schaut konzentriert – es ist unübersehbar: Er macht ein Foto. Und das gewünschte Motiv soll wohl nicht die kleine Menschengruppe vor seiner Linse sein, sondern das Gebäude dahinter. Das leuchtet ein: Der schwarze Ziegelbau der IHK am Sande ist ein Foto wert.

Er ist nicht alleine unterwegs. Knapp 30 Männer und Frauen aus ganz Deutschland haben sich heute in der Salzstadt zum ersten „Instameet“ der Salzstadt getroffen. 17 Jahre alt ist die Jüngste, der Älteste Mitte 50. Für Außenstehende sehen sie aus wie eine normale Gruppe Touristen, die durch die Stadt läuft und Bilder macht. Was sie nicht wissen: Hunderttausende Menschen weltweit schauen sich später ihre Fotos an – übers Internet. Und bieten so, völlig kostenlos, der Salzstadt eine enorme Werbeplattform.

Fotos mit enormer Reichweite

Denn jeder in der Gruppe hat auf seinem Handy eine App namens „Instagram.“ Dieses Handyprogramm ist im Wesentlichen ein digitales Fotoalbum. Mit dem Smartphone aufgenommene Bilder können die Nutzer der ganzen Welt zeigen. Jeder Nutzer hat eine eigene Seite, auf der er seine Fotos präsentiert. Gefallen einem Nutzer die Bilder einer Seite besonders, kann er sie „abonnieren“, um sofort deren neueste Bilder sehen zu können. Manche Instagrammer sind sehr erfolgreich, haben Hunderttausende oder sogar Millionen Abonnenten auf der ganzen Welt. Der Autor dieses Artikels hat sich gerade über seinen 100. Abonnenten gefreut. Und die kennt er alle persönlich.

In der Gruppe ist zum Beispiel André. Würde er alle seine Abonnenten persönlich kennen, hätte er viel zu tun. Denn veröffentlicht er ein Foto auf Instagram, sehen das etwa 11 400 Menschen.
„Lüneburg ist wirklich eine sehr schöne Stadt“, findet er. Und macht ein Bild vom Wasserturm. Er verbringe viel Zeit mit der App, habe viele gute Freunde über Instagram kennen gelernt. Denn solche Instameets findet in regelmäßigen Abständen auf der ganzen Welt statt – so lassen sich Kontakte knüpfen und Tipps austauschen. „Ich habe so die Möglichkeit, an Orte zu kommen, an die ich sonst nicht kommen würde.“ Und die Städte können sich so ganz einfach einer breiten Masse präsentieren.

Unter den Teilnehmern sind erfolgreiche Instagrammer

Organisiert haben dieses Instameet Patrick König und Daniela Thaul. Die beiden betreiben die Facebook- und Instagram-Seite „@meinlueneburg“, veröffentlichen dort Aufnahmen aus der Salzstadt. Sie fanden, auch Lüneburg biete sich für einen „Instameet“ an und nahmen die Sache in die Hand.

Über 109.000 Abonennten hat Instagram-Nutzer Nico Oppel alias „@eskimo“.  Foto: row

Mit Erfolg – heute hat sich in Lüneburg tatsächlich ein Teil der deutschen Instagram-Prominenz getroffen. Der Star der Gruppe ist Nico Oppel: 109 000 Abonnenten hat der Hamburger Sozialpädagoge mit seiner Seite „@eskimo“. „Eigentlich bin ich von Anfang an dabei“, erzählt er. Also schon seit fünf Jahren, als die App auf den Markt kam. Seine Seite hat sich auf „Postkartenkitsch“ spezialisiert, wie er selbst sagt. Der kommt gut an, und Postkartenmotive finden sich in Lüneburg reichlich. Ihm hat es eine Haustür in der Altstadt besonders angetan, sein Foto davon hat mittlerweile schon über 5000 „gefällt mir“-Angaben auf der Plattform. Ob bei so einer Reichweite er nicht ein gewisses Verantwortungsgefühl bekommt? „Auf jeden Fall“, früher habe er auch Bilder von Partys oder seinem Privatleben veröffentlicht, davon sehe er mittlerweile ab. Politische Statements kommen für ihn ebenfalls nicht in Frage. „Auch Werbung kennzeichne ich entsprechend.“

Instameet = Stadtführung?

Denn große Konzerne sind schon längst auf die Werbeträchtigkeit der Instagram-Nutzer aufmerksam geworden, bieten erfolgreichen Nutzern lukrative Sponsoringverträge. Das funktioniert dann vor allem über Produktplatzierungen – hier trägt ein Model scheinbar zufällig eine bestimmte Sonnenbrille, dort ist im Bildhintergrund ein Firmenlogo zu erkennen. „Damit verdiene ich mir ein gutes Taschengeld“, sagt Oppel. Aber seinen Job für Instagram aufgeben würde er nicht.

 

Lüneburg zeigt sich an diesem Sonnen-Tag von seiner Schokoladenseite: Freudig knipsen die Internet-Fotografen die klare Aussicht vom Kalkberg, bestaunen die engen Gassen der Altstadt und genießen die Frühlingsatmosphäre am Stint. Ist so ein Instameet also so etwas wie eine Stadtführung, nur moderner, vernetzt mit der ganzen Welt? Jein. Die Begeisterung am historischen Flair der Hansestadt ist den Leuten anzusehen. Doch die Hintergründe, die spannende Geschichte der tausendjahrealten Siedlung interessiert sie wenig: Als ein älterer Teilnehmer aus Lüneburg an der „Neuen Sülze“ der Gruppe die Geschichte des Senkungsgebietes erklärt, hören die meisten Teilnehmer nicht zu, gehen weiter, unterhalten sich. Das scheint nichts außergewöhnliches bei Instameets zu sein. „Die meisten kommen nur, um Fotos zu machen“, erzählt Patrick König.

Bilder unter Suchbegriff „#wwim15lg“ zu finden

Doch die Bilder sind durchaus vielfältig, aus spannenden Blickwickeln, lassen selbst Alteingesessene staunen: Da spiegelt sich zum Beispiel der Sande in der Radkappe eines VW Käfers, woanders reflektieren die Scheiben eines Sprossenfensters einen mittelalterlichen Dachstuhl. Ehrfürchtig hoch ragt der Kirchturm von St. Michaelis in den leicht bewölkten Frühlingshimmel auf dem einen Foto, auf dem anderen posiert eine Hündin gekonnt „In der Techt“ – die kleinen, quadratischen geschnittenen Kunstwerke sind alle unter dem Hashtag „#wwim15lg“ bei Instgram zu finden. Diese Buchstabenkombination steht für „World Wide Insta-Meet (Nr.) 15 Lüneburg“ – also das 15. Weltweite Insta-Treffen, Standort: Lüneburg. Insgesamt 120 Fotos haben die Teilnehmer an diesem Nachmittag hochgeladen. Zehntausende Instagrammer weltweit haben diese Bilder bereits bestaunt. Und ein bisschen Lüneburg kennen gelernt.

Von Robin Williamson

3 Kommentare

  1. Sehr typisch für Lüneburg, dass dieses Event nicht von der Lüneburg Marketing, sondern von Privatleuten veranstaltet wurde. Die Lüneburg Marketing würde nie auf eine so moderne Form der Vermarktung kommen, es wird nur Bestand verwaltet.

    • Nanana! Demnächst sollen die Büros von mechanischen auf elektrische Schreibmaschinen umgerüstet werden und das lästige Letrasetrubbeln findet voraussichtlich noch dieses Jahr durch die Anschaffung von Matritzen- und Hektographiergeräten (auch Umdrucker oder umgangssprachlich Nudelmaschinen) sein baldiges Ende.

  2. Hallo Herr Williamson
    schöner Artikel.
    …empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist aber auch das etwas antiquierte, aber vielleicht gerade deshalb interressante:
    https://mks.antville.org/tags/Lueneburg