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Susanne Schubert bietet ihren Garten zum Teilen an. Dadurch lassen sich die Freude in der Natur und die Arbeit teilen. Foto: t&w

Dahlenburg: Ein Garten sucht Paten

Dahlenburg. In einer von Schnelllebigkeit geprägten Zeit sind immer mehr Menschen auf der Suche nach einem Ausgleich, nach Entschleunigung im hektischen Alltag. Susanne Schubert hat diesen Ausgleich in ihrem eigenen Garten gefunden. „Das ist absolut meine Welt“, sagt sie. Doch damit verbunden ist auch eine Menge Arbeit. Gleichzeitig ist nicht jeder so wie sie im Besitz eines eigenen Stückchens Grün. Um ihres und die damit verbundene Arbeit mit anderen zu teilen, bietet die Dahlenburgerin ihren Garten jetzt auf „Gartenpaten.de“ an – einer Plattform, die Gartenbesitzer und -suchende zusammenbringt.

1500 Quadratmeter Garten

Vor allem Stadtbewohnern bleibt häufig nur ein kleiner Balkon oder der Park, um mal he­rauszukommen, richtig gärtnern lässt es sich dort nicht. Für jene, die sich den Traum von dem eigenen grünen Idyll erfüllt haben, bedeutet das aber auch viel Arbeit. Und die kann einem schnell über den Kopf wachsen, weiß auch Susanne Schubert: Rund 1500 Quadratmeter Landfläche besitzt sie zusammen mit ihrem Mann Heinz-Gerhard, fast täglich gibt es draußen was zu tun. Doch als selbstständige Lerntherapeutin mit einer eigenen Praxis bleibt ihr nicht immer so viel Zeit für ihren Garten, wie sie gerne hätte. Die Lösung des Problems bot sich der Dahlenburgerin, als sie zufällig in einer Zeitschrift auf die Plattform „Gartenpaten.de“ aufmerksam wird.

Die Idee, die dahinter steckt, begeistert Susanne Schubert sofort: den vorhandenen Garten und die dadurch entstehende Arbeit gemeinschaftlich teilen. „Ich finde das gut in der heutigen Zeit. Ich hab‘ das Land, auf dem jemand etwas machen könnte, und für mich wäre es eine Erleichterung“, sagt die Hobbygärtnerin, die schon mal bis zu drei Stunden täglich in ihrem Garten arbeitet. Dort pflanzt sie Zucchini, Tomaten, Brokkoli, Mangold, Radieschen und verschiedenste Kräuter an, pflegt alte Obstbäume, Ziersträucher, Hoch-, Hügel- und Blumenbeete.

Bewusst leben, statt ständig nur zu konsumieren

In der Hoffnung, jemanden zu finden, der ihr dabei unter die Arme greift, mit dem sie sich austauschen kann und bei dem „die Chemie stimmt“, hat sie ihren Garten jetzt im Internet angeboten. Für sie ist das eine neue Erfahrung sowie ein unverbindliches Experiment: „Ich hoffe, dadurch neue Impulse zu bekommen und dass man sich gegenseitig zu neuen Ideen anregt. Das kann gelingen – oder auch nicht.“

Rund 200 Quadratmeter ihres Grundstückes möchte Susanne Schubert zur Verfügung stellen. Bedingungen, was die anderen Hobbygärtner darauf machen sollen oder dürfen, stellt die 59-Jährige keine. Außer dass die Ruhe hinter ihrem Haus auch weiterhin bestehen bleibt: „Natürlich möchte ich dort nicht andauernd Party haben. Aber wenn man sich gut versteht und es sich ergibt, dass man auch mal zusammen sitzt, finde ich das sehr nett und vor allem bereichernd“, sagt sie. Auch Geld fordert Schubert keines von ihren künftigen Gartenpaten, nur zum Beispiel der Wasserverbrauch müsste gemeinsam besprochen werden.

Beitrag gegen Wegwerfgesellschaft

Für Schubert ist die Idee des „Gartenpaten“ ein wichtiger Beitrag, der heutigen Konsum- und Wegwerfgesellschaft etwas entgegenzusetzen: „Ich selbst versuche auch, bewusst zu leben, und das ist ein tolles Projekt, um das, was da ist, zu nutzen und miteinander zu teilen.“

Bisher haben sich zwei Inte­ressenten bei Schubert gemeldet, doch für sie habe die Chemie noch nicht gestimmt. „Vielleicht ist der Bedarf hier in dieser ländlichen Gegend auch nicht so hoch. Ich bin gespannt, wie die Resonanz weiterhin ist“, sagt die Dahlenburgerin. Dass dieses neue Projekt Zukunft hat, da ist sie sich ganz sicher.

Von Patricia Luft