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Charlene Klook freut sich über ein letztes Schnäppchen im „Video Paradies“. Das Geschäft schließt Ende April. Foto: us

Das Ende des Video-Zeitalters

Lüneburg. Der neueste Blockbuster, ein Klassiker mit Marylin Monroe oder ein Überraschungsfilm mit Freunden oder der lieben Familie – wer in Lüneburg auf der Suche nach einem Film für einen Kinoabend in den eigenen vier Wänden war, fand den Weg zuvor häufig ins „Video Paradies“. Doch dessen Tage sind gezählt, zum 30. April schließt die Videothek an der Altenbrückertorstraße – und damit auch die letzte Video- und DVD-Ausleihe in Lüneburg.

„Die Umsätze brachen massiv ein“ 

„Das Internet hat alles kaputt gemacht“, sagt Dennis Rahman. Erst Anfang des Jahres hatte er das Geschäft übernommen, „da bin ich noch voller Zuversicht an die Dinge herangegangen“, sagt der Pinneberger, der neben Lüneburg auch Videotheken in Buchholz in der Nordheide und in Eutin betreibt. Dort gingen die Geschäfte auch gut, „warum es in Lüneburg nicht läuft, kann ich auch nicht sagen“.

Doch der Druck durch die Internet-Konkurrenz war offenbar zu groß. „Die Umsätze brachen massiv ein“, sagt Dennis Rahman – eine Entwicklung, die vielen Videotheken zusetzt, oft bleibt nur noch die Schließung. Im Gegenzug nimmt der Internet-Umsatz bei Maxdome, Apple, Sky oder Amazon deutlich zu. Allein Video-on-Demand-Anbieter Netflix konnte seinen Jahresumsatz von 3,2 Milliarden US-Dollar in 2011 auf knapp 6,8 Milliarden US-Dollar in 2015 mehr als verdoppeln.

„Das Internet hat alles kaputt gemacht.“
Dennis Rahman, Inhaber Video Paradies

Qualität vs. Gemütlichkeit

Dass die Nachfrage nach Filmen so stark nachgelassen habe, könne er noch immer nicht verstehen: „Die Qualität ist um Einiges besser als bei den heruntergeladenen Filmen oder Streaming-Angeboten aus dem Internet.“ Gerade auf den hochauflösenden Flachbildfernsehern, die heute in vielen Wohnzimmern stünden, sei das spürbar. Er sagt aber auch: „Die Leute sind gemütlich geworden.“ Wer herunterlädt, erspare sich den oft als lästig empfundenen Gang zur Videothek.

Für Charlene Klook zählt das alles nicht, sie findet es „sehr schade“, dass das Video Paradies Ende des Monats schließt. Gut sieben Jahre war sie Kundin. „Ich habe mir häufig sonnabends Filme ausgeliehen und sie montags zurückgebracht, manchmal ein ganzes Wochenende durchgesehen“, erzählt die Artlenburgerin. Dass sie der Videothek so lange treu geblieben ist, hatte einfache Gründe: „Ich bin in der Beziehung geizig“, Netflix & Co. waren ihr bislang zu teuer.

Kunden, die noch einen Gutschein für das Video Paradies haben, sollten sich in den nächsten Tagen melden, um das Guthaben einzulösen oder den einen oder anderen Film zu erwerben, rät Rahman. Charlene Klook hat bereits zugeschlagen: „Ich habe drei Filme für meine Special-Collection-Sammlung von Walt Disney gefunden“, strahlt sie – immerhin ein kleiner Trost vor der bevorstehenden Schließung.

Von Ulf Stüwe

3 Kommentare

  1. Maxdome wird aber mit „e“ geschrieben?

  2. Joachim von Kienitz

    Dass das Internet die Videotheken kaputt macht, war seit vielen Jahren vorhersehbar. Da ist die Weitsicht des Unternehmers gefragt.
    Übrigens ist die Auflösung nicht sichtbar unterschiedlich. Ich habe mit bloßen Auge keinen Unterschied feststellen können.

  3. Na klar, mal wieder ist das Internet Schuld! Das Fräulein vom Amt gibt es auch längst nicht mehr! Der Gang zur Videothek ist den Leuten zu bequem… Na klar, ich fahre mit Freude 20 km zur nächsten Videothek und verpeste mit den unnötigen Abgasen die Luft!!! Leute macht die Augen auf, wir leben im Jahre 2017!