Mittwoch , 19. September 2018
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Nutrias sind zu einer echten Gefahr für die Sicherheit der Deiche geworden und müssen deshalb mit Hilfe von Fallen bejagt werden. Foto: A/nh

Nutrias und Waschbären gefährden die Deichsicherheit

Hohnstorf/Elbe. Der Artlenburger Deichverband (ADV) nimmt wie jedes Jahr im Frühling seine Deiche unter die Lupe. Die Frühjahrsdeichschauen stehen an. An der Elbe sind es besondere Schauen: die ersten, nachdem sämtliche Schäden vom Jahrhunderthochwasser 2013 vollständig beseitigt sind.

Auftakt ist am Donnerstag, 4. Mai, 8 Uhr. Ab dem Ilmenausperrwerk wird der Elbdeich von Hoopte bis zur Kreisgrenze in Avendorf kontrolliert. Eine Woche später, am Donnerstag, 11. Mai, ist der Elbdeich zwischen Walmsburg und Avendorf an der Reihe. Start ist an der Kläranlage in Walmsburg um 8 Uhr. Der Ilmenaukanaldeich folgt am Donnerstag, 18. Mai, 9 Uhr. Die Schau beginnt am Rückstaudeich in Laßrönne. Treffen der Teilnehmer aus dem Kreis Lüneburg ist um 11.30 Uhr an der Brücke in Oldershausen.

Deichhauptmann Hartmut Burmester und ADV-Geschäftsführer Norbert Thiemann erläutern den Teilnehmern unterwegs die aktuelle Situation an den Deichen. Dort bereiten vor allem Wildtiere dem Verband zunehmend Probleme. So durchlöchern Wühlmäuse den Deich. „Obwohl in den vergangenen beiden Jahren der Mäusebefall intensiv bekämpft wurde, ist dieser streckenweise immer noch akut“, sagen sie. Im Winterhalbjahr haben überdies Wildschweine und neuerdings Waschbären ihr Unwesen getrieben. Beide Arten graben auf den Deichen. „Im Bereich der Vitico und in Walmsburg wurde die Grasnarbe an den Böschungen umgewühlt.“ Zur Vorsorge gegen weitere Schäden durch Waschbären hat sich der Deichverband mit Lebendfallen ausgestattet und diese den Jagdpächtern am Deich zur Verfügung gestellt. Diese Fallen setzen die Waidmänner darüber hinaus auch zum Fang von Nutrias ein.

„Deren Zunahme ist im Verbandsgebiet spektakulär und führt bereits an den Gewässern zu einer Plage. Mit bitterem Beigeschmack, weil die Probleme an unsere Hochwasserschutzanlagen dichter heranrücken“, sagt Norbert Thiemann. Denn die Nager bohren oberhalb der Wasseroberfläche Röhren in die Uferböschungen und Deiche. „Es ist dringender Handlungsbedarf geboten“, so Hartmut Burmester.

Sturmfluten haben ihre Spuren hinterlassen

Sorgen bereiten den Verantwortlichen auch die jüngsten Sturmfluten an der Nordsee, die in der Elbe bis Bleckede zu spüren waren. „Mehrere kleine Sturmfluten mit Wasserständen von etwa zweieinhalb Meter über dem mittleren Tidehochwasser haben jede Menge Unrat und Treibsel am Deich hinterlassen. Beides wird jetzt abgefahren, nachdem die Wege wieder trocken sind“, so Norbert Thiemann. Eine Gefahr für die Deiche habe zu keiner Zeit bestanden.

Dennoch sind er und Hartmut Burmester überzeugt, dass die Aufzeichnungen an den Pegeln Artlenburg und Hohnstorf einmal mehr deutlich gemacht haben, dass Sturmfluten nicht an der Staustufe Geesthacht halt machten, wie sie es eigentlich sollten. „Unsere Forderung, die Tidegrenze daher in den Raum Bleckede zu verlegen, hat ihre Berechtigung“, betonen sie. Das machte der ADV bei einem gemeinsamen Termin mit den Landräten aus der Küstenregion und den Deichverbänden auch bei Staatssekretärin Almut Kottwitz deutlich, allerdings erfolglos. „Bei dem Thema müssen wir dicke Bretter bohren. Wir bleiben dran.“

Berechnungen haben für Ernüchterung gesorgt

Berechnungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde über bereits durchgeführte Rückschnittmaßnahmen im Vorland haben für Ernüchterung beim ADV gesorgt. „Der Rückschnitt reduziert künftige Hochwasserstände nur im Dezimeterbereich. Wir hatten uns ein besseres Ergebnis erhofft“, räumen Deichhauptmann und Geschäftsführer ein.

Als eine weitere Maßnahme für den besseren Hochwasserabfluss gelten Umfluter im Bereich von Engstellen und Deichrückverlegungen. Der ADV hat daher für die Machbarkeitsstudie einer möglichen Rückverlegung im Bereich der Vitico die Trägerschaft übernommen. „Diese würde den Wasserspiegel nur nach strom-oberhalb um rund sieben Zentimeter absenken. Nach stromunterhalb gäbe es keine Auswirkungen“, zitiert Norbert Thiemann aus dem Zwischenergebnis der Studie. Weitere Ergebnisse müssten noch abgewartet werden, vor allem weil Mecklenburg-Vorpommern im Raum Horst, gegenüber von Barförde liegend, über eine Rückdeichung nachdenkt und hierzu eigene Berechnungen anstrebt.

Von Stefan Bohlmann