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Vom ehemaligen Kapitelsaal an der Michaeliskirche sind nur noch Reste übrig geblieben. Pfeiler und Mauerwerk werden vom ALA gepflegt. (Foto: t&w)

St Michaelis: Arbeitskreis Lüneburger Altstadt betreut Kapitelsaal

Lüneburg. Das Gemäuer ist urig, vielleicht könnte man es mit einem Glasdach zu einem neuen Treffpunkt machen? Die Idee scheint Landrat Manfre d Nahrstedt ab und an zu beschäftigen, wenn er aus der Kreisverwaltung an der Michaeliskirche entlang in Richtung Rathaus geht. Dort, an einer Treppe und etwas verborgen, liegt die Ruine des Kapitelsaals. Er gehörte zum Kloster der Michaeliskirche. Der Verwaltungschef und der Vorsitzende des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt, Christian Burgdorff, haben über die Möglichkeit gesprochen – und sie schließlich verworfen.

Gleichwohl zählt die Ruine zu den schönsten Ecken der Stadt und erinnert an die Schönheit der norddeutschen Backsteinkultur. Der ALA betreut das Kleinod. Jetzt stehen wieder Arbeiten an. „Wir müssen den Gewölbepfeiler ausbessern“, sagt Burgdorff. Auch Putzarbeiten wollen die Ehrenamtlichen erledigen. Abdeckungen müssen erneuert werden, um das Gemäuer vor Regen und Tauwasser zu schützen.

Der Schatz einer Altstadt

Beim Bau der Kreisverwaltung in den 70er-Jahren seien die Überreste bei Erdarbeiten zufällig wiederentdeckt worden, erzählt Christian Burgdorff. Es war noch die Zeit, in der viele den Schatz einer Altstadt nicht sahen, den Lüneburg mit seiner mehr als tausend Jahre alten Geschichte bewahrt hatte – heute pilgern nicht nur Rote-Rosen-Touristen zu den Renaissance-Fassaden und Backstein-Kostbarkeiten.

Ursprünglich sollte der Kapitelsaal, der Raum, in dem die Mönche vor Jahrhunderten in der katholischen Zeit zusammenkamen, wieder zugeschüttet werden.
Doch die Aktiven im sich damals gerade erst gegründeten ALA um Curt Pomp wollten sich nicht nur um ihre eigenen Häuser kümmern, sondern eben auch um historische Bauten in der Stadt, so übernahm der junge Verein die Pflegschaft für die Ruine. „Das war 1978, wir haben unzählige Stunden gearbeitet“, erzählt Burgdorf.

Ein schmaler Teil des Komplexes, er liegt neben der Unterkirche von Michaelis, gehört noch zur Kirche. Mit großen Fenstern richtet er sich in Richtung des offen liegenden Pfeilers. An derben Tischen und Bänken treffen sich ALA-Mitglieder hier ab und an zu Versammlungen.

Ehemals eingesetzt als Lehranstalt

Burgdorff sagt: „Wir wissen nicht, wie groß der Saal einmal war.“ Doch wahrscheinlich größer. Darauf lassen Ausbuchtungen im Mauerwerk schließen. Ursprünglich dürften die Mönche auch nicht über Katzenkopfpflaster geschritten sein, sondern wie andernorts auch über einen Boden aus Ziegeln. Im 17. Jahrhundert wurde das Kloster säkularisiert, also „verweltlicht“, die Mönche zogen aus, die Ritterschaft des Lüneburger Landes übernahm das Gebäude für eine Lehranstalt: die Ritterakademie. Sie hatte bis 1850 Bestand.

Der Landkreis ist nun Eigentümer des Areals, den Kapitelsaal hat er dem ALA mietfrei überlassen, der kümmert sich im Gegenzug um die Unterhaltung. Allerdings, sagt Burgdorff, stünden wohl auch größere Arbeiten an. Der Landrat habe angekündigt, sich um Fördermittel zu bemühen. Das bestätigt im Kreishaus Sprecher Hannes Wönig. Es bedarf eben vieler, um einen Schatz zu bewahren.

Von Carlo Eggeling