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Schon 2014 protestierten Tierschützer gegen die Haltung von Wildtieren im Circus Belly bei dessen Gastspiel auf den Sülzwiesen. Foto: A/ t&w

Bleibt Affe „Robby“ im Zirkus?

Lüneburg. Er heißt Robby, ist 44 Jahre alt und der letzte von einem deutschen Zirkus gehaltene Menschenaffe. Seit Jahren fordern Tierschützer wie die Organisation Peta seine Freilassung und Unterbringung in einer Auffangstation speziell für Schimpansen. Bei vielen Gastspielen des im Kreis Celle beheimateten Circus Belly, mit dem Robby durch die Lande zieht, demonstrieren Tierschützer vor dem Zirkuszelt. So trafen sich beispielsweise 60 Demonstranten im Juni 2014 vor der Premiere auf den Lüneburger Sülzwiesen, forderten mit Transparenten „mehr Menschlichkeit für Tiere“. Und der Landkreis Celle hatte 2015 die Abgabe des Affen an eine für die Resozialisierung von Schimpansen spezialisierte Haltungseinrichtung angeordnet. Ob diese Anordnung rechtmäßig ist, muss das Verwaltungsgericht Lüneburg entscheiden. Die Verhandlung vor der 6. Kammer läuft am Donnerstag, 27. April.

Kläger ist Zirkusdirektor Klaus Köhler, der als Eigentümer und Halter des Tieres gilt, er kümmert sich seit 41 Jahren um Robby. Geboren wurde der Schimpanse in einem deutschen Zoo, aber schon früh von seinen Artgenossen getrennt. Seit seinem dritten Lebensjahr ist der Circus Belly seine Heimat. Noch heute tritt Robby in der Manege auf, allerdings nur mit einer Nummer: Er spielt Bälle zurück, die ihm Klaus Köhler zuwirft. Laut Harald Kramer-Natho, Sprecher des Verwaltungsgerichts, lebt das Tier in einem rund 25 Quadratmeter großen Zirkuswagen und in einem angrenzenden Außengehege.

Gutachten liegt Gericht vor

Sofort nach Erteilen des Bescheids vom 30. September 2015 für die Abgabe des Affen mit sofortiger Vollziehung hatte Köhler dagegen Klage erhoben und Eilschutzrecht am Verwaltungsgericht Lüneburg gefordert. Kramer-Natho: „Mit Beschluss vom 3. Dezember 2015 hat die Kammer dann im Eilverfahren entschieden, dass Robby vorübergehend – bis zur Entscheidung der Klage in der Hauptsache – in dem Zirkus bleiben darf.“

Als es dann intensiver um die Tierschutzfragen ging, gab das Gericht im November 2016 ein Gutachten in Auftrag. Die Kammer will Antworten hören auf Fragen wie zum Beispiel: Leidet Robby unter einer Verhaltensstörung? Ist der Affe kastriert? Hat der Versuch einer Resozialisierung in einer speziellen Haltungseinrichtung unter Berücksichtigung des mittel- und langfristigen Wohlergehens des Schimpansen Aussicht auf Erfolg? Das Gutachten ist fertig, liegt dem Gericht vor und wird am Donnerstag, 27. April, rechtlich diskutiert – als eine wesentliche Basis für die Entscheidung, ob Robby im Zirkus bleibt oder in eine Station mit anderen Schimpansen kommt.

Von Rainer Schubert

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