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Diese Reihenparker haben das Qualitätssiegel des ADFC, Burkhard von Roeder empfiehlt auch dieses Modell. Es ist radschonend, bietet einen guten Diebstahlschutz und ausreichend Platz. Foto: t&w

Lüneburg: „Eine Fahrrad-Stadt mit Abstrichen“

Lüneburg. Mal kann man es an einen Bügel lehnen, mal in eine Stahlkonstruktion hineinschieben: In Lüneburg gibt es für Fahrräder ein vielfälti ges Angebot an Abstellanlagen. Aber welche sind besonders sicher, felgenschonend und nutzerfreundlich? Und welche Plätze könnten noch ein paar Ständer vertragen? Die LZ hat mit einem Experten gesprochen und ihn testen lassen. Burkhard von Roeder ist Mitglied des Lüneburger Kreisverbandes im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, kurz ADFC. Er setzt sich für die Interessen von Radfahrern ein.

Noch reichlich Potenzial für Verbesserungen

„Lüneburg ist eine Fahrrad-Stadt mit Abstrichen“, urteilt er. Wenn man mehr Menschen aufs Rad bringen wolle, müsse man mehr tun. Fahrrad vor Auto, das gelte in Lüneburg nicht, findet von Roe­der. Vor allem in Sachen Verkehrssicherheit für Radfahrer sieht er viel Potenzial für Verbesserungen.

Lob hat der Lüneburger, der sich seit zwei Jahren im ADFC engagiert, für die Vielzahl der Parkmöglichkeiten übrig. „Da ist die Stadt relativ gut aufgestellt, man kann aber nie genug haben.“ Weiteren Bedarf gebe es aus seiner Sicht vor allem Am Sande, am Marktplatz und am Scala-Kino. „Da findet man häufig abends keinen Platz mehr für sein Rad.“ Dass der Platz für Abstellanlagen begrenzt ist, weiß der 66-Jährige. „Ich möchte ja nicht, dass die Fußgängerzone vollgepflastert wird, die Fahrradständer dürfen auch Bushaltestellen und Taxen nicht in die Quere kommen.“
Für sinnvoll hält er, dass viele Anlagen abmontierbar seien, so werden bei großen Veranstaltungen beispielsweise die Bügel am Marktplatz abgebaut. „Schade ist aber, dass den Radfahrern dann keine echte Alternative geboten wird“, moniert von Roeder. Häufig würden die Zweiräder dennoch an gewohnter Stelle geparkt, „und zwar wild durcheinander“.

Gern werden Drahtesel in Lüneburg auch an Laternen oder Straßenschilder angeschlossen, beliebt ist zudem die Stint-Brücke. „Jeder möchte möglichst wenige Schritte zu Fuß gehen, das Phänomen ist vor allem am Stint zu beobachten“, sagt von Roeder, der als beratendes Mitglied dem Verkehrsausschuss des Kreises angehört, zudem Stellvertreter in der Stadt ist. Verboten sei das zwar nicht, am Bahnhof sorge das „Kreuz-und-quer-Parken“ aber für Chaos. Mit einem Kinderwagen oder einem Koffer käme man da nur schwer durch. „Viele Räder stehen lange da, manche sind nur noch in Teilen vorhanden.“ Da müsse dringend etwas getan werden. Bekanntlich hat die Stadt dort mehrfach Versuche unternommen, das zu unterbinden – bislang erfolglos.
Von Roeder hat noch eine weitere Bitte: Er wünscht sich abschließbare Gepäckboxen in Lüneburg. Darin sollen Radfahrer, Touristen und andere, die in der Stadt Einkäufe erledigen, ihre Taschen lassen können.

Stadt möchte Gepäckboxen in der Roten Straße installieren

„36 000 Euro sind dafür bereits im Haushalt vorgesehen“, sagt der städtische Radverkehrsplaner Michael Thöring. In der Roten Straße sollen im Laufe des Jahres fünf Gepäckboxen installiert werden, „eventuell kommen noch andere Standorte hinzu.“ Zurzeit wisse man noch nicht, welche Öffnungstechnik am sinnvollsten sei. Ein Schlüsselsystem habe man bereits verworfen, buchbar sollen die Boxen via Internet, also auch über das Smartphone, sein. Neben den Aufbewahrungskästen soll eine Elektro-Ladestation für Pedelecs aufgebaut werden.

Zum Thema Parkmöglichkeiten für Fahrräder sagt Thöring: „Seit 2004 ist Lüneburg Felgenkiller-frei, früher waren die Anlagen nicht kippsicher.“ Im näheren Innenstadtbereich habe man mehr als 1000 Fahrradständer schaffen können, das sei eine Verdopplung innerhalb der vergangenen 10 oder 15 Jahre. Allein innerhalb der vergangenen drei Jahre habe die Stadt 479 Parkmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen, 33 000 Euro hat die Investition gekostet.

Weitere Anlagen seien zurzeit nicht geplant. „Das ist aber ein kontinuierlicher Prozess. Nächste Woche kann schon die Anfrage einer Schule kommen, dass sie gern weitere hätten.“ In der Innenstadt sei der Platz ausgereizt, es gebe kaum noch freie Flächen.

Von Anna Paarmann

Parkplätze für Fahrräder

Die Auflistung zeigt die öffentlichen Abstellanlagen und ihre jeweiligen Kapazitäten in der Lüneburger Innenstadt.

▶ Ritterstraße: 8 Fahrradbügel (jeweils Platz für zwei Nutzer)

▶ Barckhausenstraße: 10 Bügel

▶ Stadtgebiet: 40 Bügel

▶ Rote Straße: 11 Bügel und 25 Reihenparker (Räder werden hineingeschoben)

▶ Kita Schützenstraße: 36 Reihenparker

▶ Wilhelm-Raabe-Schule: 110 Reihenparker

▶ Kita Hanseviertel: 28 Reihenparker

▶ Johanneum: 80 Reihenparker

▶ Salzstraße: 22 Reihenparker

▶ Kita Marienplatz: 15 Reihenparker

▶ Unterkunft Bleckeder Landstraße: 25 Reihenparker

3 Kommentare

  1. Ja, man könnte sich auch mal den Öffentlichen Nahverkehr in Lüneburg vornehmen. Da gibt es erhebliche Defizite am Abend und am Wochenende. Der „Ballungsraum“ Lüneburg hat 100.000 Einwohner. Kaum ein ähnliches Gebiet in Deutschland hat einen so schlechten Abend- und Sonntagverkehr. Leider haben Busfahrgäste keine Lobby.

  2. Die Überschrift ist ein Witz! Es müsste viel mehr heißen: Trotz schlechter Radwege und begrenzter Abstellmöglichkeiten fahren die Lüneburger viel Rad!

  3. Werner Schneyder

    Mal andere Städte anschauen: Göttingen mit seinen Fahrradstraßen. Teilweise wurden dazu Autostraßen von 4 auf 2 Streifen reduziert. Toll, dort zu fahren.