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Die zechende Holzfigur vor dem Gebäude an der Egersdorffstraße symbolisiert, dass neben dem Hotel auch eine Whisky-Destille entstehen soll. Foto: t&w

Lüneburg: Altes Schulamt wird saniert und zum Hotel umgebaut

Lüneburg. Auf einem Bau-Container an der Egersdorffstraße hat eine Holzfigur Position bezogen, die aus einem Becher, der auf einem Fass steht, etwas verkostet. „Er probiert schon mal, was künftig in der Whisky-Destille produziert werden soll“, sagt Stephan Scheer mit einem Augenzwinkern. Der Bleckeder Bauunternehmer ist dabei, das denkmalgeschützte Haus zu sanieren. Entstehen soll ein kleiner, feiner Hotelbetrieb, in einem Nebengebäude die Whisky-Destille. „Ein spannendes Projekt“, findet Scheer, der Altes bewahren und neues Leben in das Gebäude einziehen lassen möchte. Ein anspruchsvolles Projekt, das zeigt ein Blick ins Innere.

Bei Arbeiten unterirdische Gänge entdeckt

Viele Jahre war das Haus, in dem einst das Schulamt der Stadt untergebracht war, in einem bedauerlichen Zustand. Es verfiel zunehmend. Seinen Ursprung hat es im Jahr 1438, wurde damals für den Syndicus der Stadt auf dem sogenannten Winterberg errichtet.

In den vergangenen Wochen wurden die maroden Holzböden entfernt. Darunter Sandboden, „der komplett abgetragen werden muss“, erläutert Scheer. An den Seiten sind die Hauswände zum Teil bereits freigelegt. Das Mauerwerk im vorderen Teil des Gebäudes, wo es einen Keller mit Gewölbedecken gibt, ist eines der Knackepunkte der Sanierung. Denn es würde das Gebäude nicht tragen. „Deshalb muss es bis in eine Tiefe von 5,50 Meter unterfangen werden“, sagt Scheer. Gemeint ist damit, dass eine neue Gründung notwendig ist. Dazu wird die Außenmauer von beiden Seiten durch zusätzliches Mauerwerk verstärkt.

Das Konzept für diese Form der Stabilisierung habe der bauleitende Architekt Jörg Hilmer entwickelt. Damit das Gebäude im Zuge dieser Arbeiten nicht das Gleichgewicht verliert, wurde es sozusagen wie bei einem Schachbrett in einzelne Felder aufgeteilt. Immer zwei Felder, die in einem bestimmten Verhältnis zueinander liegen, werden dann untermauert.

Beim Freilegen des Kellers seien auch unterirdische Gänge zutage getreten, die einst vielleicht zum Rathaus führten, vermutet Scheer. Curt Pomp, Ehrenvorsitzender des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA), geht eher von kurzen Gängen aus, in denen in früheren Zeiten eventuell etwas gelagert wurde. Der ALA hatte vor Jahren auch schon das Gebäude beplant, Pomp dazu recherchiert, doch letztlich zerschlugen sich die Pläne.

Investor will das komplette Mauerwerk freilegen

Nichtsdestotrotz gerät Scheer ins Schwärmen beim Blick in die alten Kellerräume mit den Gewölbedecken. Das komplette Mauerwerk soll hier wie im ganzen Haus freigelegt werden, Steine zum Teil ausgebaut, regis­triert, gesäubert und wieder eingebaut werden. Marode Steine werden nachgeformt. „Jedes Gewölbezimmer soll ein Hotelzimmer werden, große Eichenfässer sollen als Bett dienen. Die bogenförmigen Einsparungen könnten als Regale genutzt werden“, formuliert er einige seiner vielen Ideen für das Haus.

Insgesamt acht Zimmer sind im Keller geplant, 30 bis 40 im ganzen Haus. Im Erdgeschoss finden sich bemalte Decken aus dem 15. Jahrhundert. Zu den Farbschichten sind Gutachten erstellt worden. Behutsam sollen die Deckenmalereien restauriert werden. Das Haus sei immer wieder umgebaut worden, mehr schlecht als recht. Schäbige Putzwände im Inneren zeugen davon. „Wir werden uns an alten Dokumenten orientieren, um möglichst detailgetreu den ehemaligen Zustand wieder herzustellen.“ Das geschehe in Absprache mit der Denkmalpflege. Scheer sagt auch: „Die Konzeption und Planung hat seine Zeit gebraucht. Ohne die Unterstützung von Stadtbaurätin Gundermann und der Bauverwaltung wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Von Antje Schäfer