Aktuell
Home | Lokales | Gellersen | Anwohner in Reppenstedt beklagen Gülle-Geruch
Zu sehen ist von der aufgebrachten Gülle auf dem Feld bei Reppenstedt nichts. Dafür riecht es umso mehr. Foto: dth
Zu sehen ist von der aufgebrachten Gülle auf dem Feld bei Reppenstedt nichts. Dafür riecht es umso mehr. Foto: dth

Anwohner in Reppenstedt beklagen Gülle-Geruch

Reppenstedt. Wenn die Gülle auf dem Felde stinkt, der Nachbar mit der Galle ringt. So könnte eine moderne Bauernregel lauten, die dieser Tage auch für Reppenstedt zutreffen würde. Im dortigen Rathaus häuften sich jetzt die Beschwerdeanrufe von Anwohnern, die sich über den üblen Geruch beklagten, der von Äckern rund um Gut Brockwinkel seit Dienstag ins Wohngebiet herüber wehe.

„Bei kühlem Wetter und Regen dürfte sich der Gestank bald verziehen.“ Jürgen von Haaren, Landwirtschaftskammer

Ein Landwirt hatte die siedlungsnahen Felder, auf denen junges Getreide sprießt, offenbar mit Schweinegülle gedüngt. Was bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen als „gute landwirtschaftliche Praxis“ bezeichnet wird, nennt Anwohner Manfred Pahl aus Reppenstedt „eine Zumutung“.

„Man kann im Haus kein Fenster mehr öffnen, der Gestank zieht sofort rein“, sagt Pahl. „Und die Wäsche draußen auf der Leine konnte ich gleich wieder in die Maschine geben.“ Denn das wenig blumige Bouqe hafte auch den Textilien an. Nachbarin Marlies Nabel pflichtet ihm bei: „Man kann kaum noch vor die Tür gehen. Das hat nichts mehr mit Landleben zu tun. “Zudem wundert sich Pahl, dass die Gülle auf ein bereits bestelltes Feld gegeben wurde.

Düngung muss „bedarfsgerecht“ sein

Der betreffende Landwirt war für die LZ nicht erreichbar. Dafür ergreift auf Nachfrage Agrar-Ingenieur Jürgen von Haaren von der Landwirtschaftskammer Partei. Der Leiter der Fachgruppe Nachhaltige Landnutzung und Ländliche Entwicklung bei der Bezirksstelle Uelzen sagt: „Nur wenn das Feld unbestellt wäre, müsste die Gülle innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden.“ Wächst bereits eine Feldfrucht darauf, dürfe nur soviel gedüngt werden, wie die Pflanze verbraucht. „Es muss bedarfsgerecht sein“, sagt von Haaren. Ob dann aber 25 oder 30 Kubikmeter Gülle pro Hektar auf dem Acker landen, mache beim Geruch freilich keinen großen Unterschied. Zudem müssen Ackerbauern über die Nährstoff­einträge durch Düngung Buch führen, die Aufzeichnungen bei einer Kontrolle vorweisen können. Von Haaren: „Mit der neuen Düngeverordnung werden die zulässigen Grenzwerte weiter verschärft.“

Zur Lage in Reppenstedt sagt von Haaren: „Bei kühlem Wetter und Regen dürfte sich der Gestank bald verziehen.“ Und: „Ich habe Verständnis für beide Seiten. Wir raten oft unseren Landwirten: Wenn ihr andere Flächen habt, nehmt die, nicht die in direkter Nachbarschaft zur Wohnsiedlung. So kann man sich den Ärger mit Anwohnern sparen.“

Von Dennis Thomas

8 Kommentare

  1. Wenn die typische Landluft zu sehr riecht und man nicht mehr vor die Tür gehen kann, dann sollte man lieber in die Stadt ziehen.
    Wirtschaftsdünger wie Gülle gehören zur nachhaltigen Landwirtschaft dazu und mit dem Geruch muss man auch mal leben können.
    Ein wenig Regen, den wir ja nun hatten, dürfte das Geruchsproblem lösen und die aufs Land gezogenen Städter haben „ihre“ Landluft wieder.

    Bei einer „Grünen Agrarwende“ würde sich die Landluft auch weiter ausbreiten, denn ökologische Landwirtschaft benötigt wesentlich mehr organischen Dünger.

  2. Honk aus Reppenstedt

    Der Gestank war extrem stark und dauerte zweieinhalb Tage (Mo. – Mi.).

    >Und die Wäsche draußen auf der Leine konnte ich gleich wieder in die Maschine geben.

    Nicht notwendig. Einfach bei frischer Luft wieder ‚raushängen. Das verzieht sich genauso
    wie der Zigarettenrauch in der Kleidung.

  3. Anwohner in Reppenstedt beklagen Gülle-Geruch
    mit recht, der gesamte ort hat gestunken. drei tage konnte man nicht mit offenem fenster schlafen. es soll leute geben, die aus reppenstedt, deppendorf machen.
    ich wohne nicht in der nähe von dem so umweltfreundlich berieselten acker. riechen konnte man es trotzdem, dank dem wind.

  4. warum muss ein anwohner drei tage seine fenster dicht halten? weil ein lobbyist es so will? es stinkt zum himmel.

  5. Das ist Natur und sicher nicht ihr bester Duft. Aber für mich gehört es in ländlichen Regionen einfach dazu und wenn auch mit gerümpfter Nase kann ich dann trotzdem darüber schmunzel. Ein bisschen mehr Toleranz und Verständnis für andere ließe vieles leichter ertragen. Aber leider stehen in unserer Gesellschaft überwiegend die eigenen Interessen und Empfindlichkeiten im Vordergrund. Und übrigens… Mancher Mundgeruch ist weitaus schlimmer als Güllegeruch.

    • Toleranz gegenüber der Landwirtschaft scheint es heute nicht mehr zu geben.
      Das Essen kommt aus dem Discounter, da braucht niemand mehr die Landwirtschaft 😉

      Ob die Luft in Reppenstedt mit den ganzen Neubaugebieten besser geworden ist? Immerhin gingen dadurch ja viele Hektar landwirtschaftliche Fläche verloren, der Autoverkehr stinkt ja nicht so…

      • Mark Rössler
        toleranz? kommt die immer nur einseitig? wer düngt ,ist verpflichtet es sofort umzupflügen. achten sie mal auf die bauern , die es tun. wenn diese bald wieder ihre ställe sauber machen und die berge von mist auf ihre äcker werfen, zu anfang auf einen haufen, wehe der wind dreht sich, dann diesen mist flächendeckend verteilen und den dann nicht gleich unterpflügen , sondern in der sonne richtig gar werden lassen, dann wissen sie , was toleranz und verständnis so bringt.

        • Schon komisch. Früher waren in jedem Dorf Misthaufen, Güllegruben und Silagestöcke. Da hat es keinen gestört.
          Da sich aber der Abstand zwischen Stadt und Landbewohnern vergrößert hat, kommt es immer wieder zu Reibereinen. Schuld ist natürlich immer der Landwirt.
          Ich möchte mal wissen, was die Anwohner wohl sagen, wenn auf einer nicht bestellte Ackerfläche nachts die Gülle eingearbeitet wird. Denn das muss in einer bestimmten Zeit erledigt sein. In unserer Region sind das bis zu 3 Maschinen nebeneinander. Man braucht kein Prophet zu sein, dass die Polizei plötzlich Gespräch bedarf anmeldet.
          Tipp an alle: Redet mal miteinander, geht mal hin, fragt nach warum und wieso es so oder anders gemacht wird. Schlecht fürs Landleben ist nämlich das Dorf im Dorf. In den einen Dorf die Landwirte, im anderen Die zugezogen Städter