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Ein seltener Anblick: Alle neun Boote der Schnelleinsatzgruppe des DLRG aus dem Landkreis Lüneburg und ein Gast aus Harburg fahren im Korso über die Elbe. Foto: cw

DLRG: Die Retter auf dem Wasser

Artlenburg. Großaufgebot der DLRG am Artlenburger Yachthafen: Boote werden zu Wasser gelassen, die Motoren gestartet. Nicht hektisch, sondern ganz entspannt. Es bleibt Zeit für einen Schnack mit den Wasserrettern. Denn Michael Dücker, Leiter der DLRG-Schnelleinsatzgruppe (SEG), und seine Truppe haben keinen Ernstfall. „Aber das traditionelle ‚Anbooten‘ ist eine gute Gelegenheit, zu zeigen, was wir an Material haben und was wir können.“ Die Rettungsschwimmer sind eine unverzichtbare Organisation im ­Katastrophenschutz und Rettungsdienst des Landkreises. „Trotzdem werden wir bei Notfällen von der Leitstelle häufig gar nicht oder erst im Nachgang alarmiert“, kritisiert Düker.

Er findet das bedenklich. „Im Notfall zählt schließlich jede Sekunde.“ Zudem sei es frustrierend, „wenn man immer trainiert und dann nicht alarmiert wird, wenn eine Gefahrenlage im Wasser ist“. Dabei haben die Männer und Frauen, die alle auch ausgebildete Sanitätshelfer sind, in der Vergangenheit schon oft ihren Mut und ihr Können unter Beweis gestellt, um Leben und Sachwerte zu retten. Unvergessen etwa die Einsätze 2013 bei der Hochwasserflut an der Elbe, beim Großfeuer am Stint oder bei der Evakuierung von Altenheimen in Lüneburg im Zuge der Bombenentschärfungen.

Kleine Boote für kleine Gewässer genau richtig

Im vergangenen Jahr hatte die DLRG zwei Einsätze an der Elbe – zwei Menschen ertranken. Die Elbe sei ein nicht zu unterschätzender Fluss, warnt Düker – vor allem für ungeübte Schwimmer könne der Strom schnell zur Todesfalle werden. Die Schnelleinsatzgruppe setzt sich aus den Ortsgruppen Lüneburg, Adendorf-Scharnebeck, Bardowick, Amelinghausen und Dahlenburg zusammen. Die rund 35 Mitglieder üben einmal im Monat verschiedene Szenarien, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. „Wir haben alles, was man für die Wasserrettung braucht“, sagt Düker. Rettungsschwimmer und eine eigene Taucherabteilung gehören ebenso dazu wie Pumpen und Hebesäcke, um gesunkene Schiffe oder Fahrzeuge zu bergen. Die kleinen wendigen Boote der DLRG sind wie gemacht für die Region. „Wir haben hier viele kleine Gewässer, da sind die genau richtig“, erklärt Düker. Die Schlauchboote kann man im Notfall tragen, die flachen Nie­drigwasserboote eignen sich beispielsweise hervorragend für die Rettung bei Hochwasser.“

Zum Saisonauftakt sind neun Boote aus allen Teilen des Landkreises sowie eines aus Harburg gekommen. Das Schauspiel lockt auch Zuschauer. „Wir üben den Umgang mit Boot und Trailer, aber in erster Linie ist es eine Aktion, die den Teamgeist stärken soll“, sagt Düker. Die SEG sei gut aufgestellt, gerade auch junge Leute begeisterten sich für die Arbeit. Woran es mangele, seien Personen, die die großen Fahrzeuge fahren dürfen oder einen Anhängerschein haben.

Inzwischen sind alle Boote im Wasser. Per Funk dirigiert Düker seine Kollegen in eine Formation, dann geht es ab auf die Elbe. Einmal nur zum Spaß.

Von Claudia Wesch