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Ein Foto aus dem Jahr 2015: Die Landschaftsplaner Tobias Jüngerink (M.) und Ute Johannes erläutern Peter Zurheide die Kartierung in den Ilmenau-Auen. Foto: nh
Ein Foto aus dem Jahr 2015: Die Landschaftsplaner Tobias Jüngerink (M.) und Ute Johannes erläutern Peter Zurheide die Kartierung in den Ilmenau-Auen. Foto: nh

Wo sind Lüneburgs wertvollste Biotope?

Lüneburg. Blassgrün schlängelt sich die Ilmenau durchs graue Zentrum von Lüneburg. Nur vereinzelt und eher an den Rändern des Stadtkerns finden sich farbliche Akzente. In kräftigem Laubgrün etwa sind der Liebesgrund, der Clamartpark und der Kalkberg markiert. Deutlich farbiger – abgestuft von blass- über leuchtend- bis dunkelgrün – wird es an den Außenbezirken. Besonders kräftig zeigt sich der Süden mit den Ilmenau-Auen und den Feuchtgebieten des Hasenburger Mühlenbachs. Die Szenerie findet sich auf einer Karte der Stadt Lüneburg, sie ist das Ergebnis von drei Jahren intensiver Kartierungsarbeit. Und sie zeigt, wo Lüneburgs wertvollste Biotope sind.

„Je dunkler das Grün, desto höher die Wertstufe des jeweiligen Biotoptyps“, erläutert Peter Zurheide, bei der Stadt für Grünplanung, Friedhöfe und Forsten zuständig, die farbigen Flächen, die sich wie ein Flickenteppich um die Stadt legen. Immerhin zehn Prozent des Stadtgebiets sind in die höchste der fünf Biotoptypen-Wertungen eingestuft, sie gelten als besonders bedeutend. Der Kreidebergsee etwa gehört ebenso dazu wie Teile des Waldstücks zwischen Lüne und dem Ebensberg oder eben die Ilmenau-Auen.

Friedhöfe auf einer Stufe mit dem Kurpark

In den Stufen darunter folgen vor allem Wald- und Ackerflächen, aber auch der Kurpark, die städtischen Friedhöfe oder auch von der Stadt angelegte Ausgleichsflächen gehören dazu. Nur von geringer Bedeutung und damit unterste Kategorie sind nahezu sämtliche Siedlungs- und Verkehrsflächen, also die klassischen Wohn- und Gewerbegebiete. Aber auch sie sind Biotoptypen, also abgrenzbare Landschaftseinheiten, und werden bei jeder Biotoptypenkartierung mit erfasst. Schließlich geht es da­rum, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wie das Lüneburger Stadtgebiet insgesamt beschaffen ist und sich entwickelt hat.

„Die Kartierung zeigt uns auch, wo die Bereiche sind, die wir schützen wollen. Sie ist damit eine wichtige Grundlage für den Landschaftsplan“, sagt Peter Zurheide. Weil der aktuelle Landschaftsplan aber noch aus dem Jahr 1996 stammt und er seinerseits Grundlage für den Flächennutzungsplan der Stadt und damit für die künftige Bauleitplanung ist, muss der Landschaftsplan dringend aktualisiert werden. „Dazu aber brauchten wir eine aktuelle Biotoptypenkartierung“, sagt Zurheide. Er geht zudem davon aus, dass der neue Landschaftsplan spätestens in zwei Jahren vorliegen werde, „wir haben ihn auch bereits beauftragt“. Auftragnehmer ist das Planungsbüro Entwicklung und Planung von Landschaft GmbH aus Lüneburg, das auch die Biotoptypenkartierung vorgenommen hat.

Angestoßen wurde die Biotoptypenkartierung vor vier Jahren von den Grünen. Sie machten sich vor allem wegen der zunehmenden Bauaktivitäten in der Stadt Sorgen um geschützte oder schützenswerte Areale in der Stadt. „Durch Baugebiete ist in den vergangenen Jahren vieles verschwunden“, beklagt Ralf Gros, Mitglied der grünen Stadtratsfraktion und stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses. Aber auch Überdüngung und zunehmender Einsatz von Pestiziden hätten dazu geführt, dass Landschaften immer uniformer würden. „Heute kann man eigentlich nicht mehr von Kulturlandschaften, sondern nur noch von Kultursteppe sprechen“, sagt Gros.

Schwund der Artenvielfalt muss gestoppt werden

Für ihn zeige die jetzt vorliegende Biotoptypenkartierung, „dass wir noch lange nicht über den Berg sind“. Der Schwund der biologischen Artenvielfalt müsse gestoppt werden, deshalb sei der Landschaftsplan für die Stadt so wichtig. Spannend sei zudem zu erfahren, was bei einem Vergleich von alter und neuer Biotoptypenkartierung alles verloren gegangen ist, „aber auch, was vielleicht dazugewonnen wurde“. Gros findet: Weiteres Wachstum der Stadt dürfe es künftig aber nur noch dort geben, „wo wir nichts zerstören“.
Von Ulf Stüwe

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