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Eng ist es in der Kiss-&-Ride-Zone am Lüneburger Bahnhof. Vor allem dann, wenn größere Fahrzeuge dort durchkommen wollen oder Autos nicht richtig geparkt sind. Foto: t&w

Die nervende Enge am Bahnhof Lüneburg

Lüneburg. Dieser „Kuss“ in der Kiss-&-Ride-Zone am Bahnhof gefiel einem Autofahrer gar nicht, der seinen VW gerade dort geparkt hatte: Der Ford einer Autofahrerin „knutschte“ im Vorbeifahren sein Auto, richtete dabei Sachschaden an. Der Mann ist sauer, hat allerdings auch ein wenig Verständnis: „So bedauerlich der Vorfall ist, so zeigt er auch, wie eng die Parkplatzsituation am Bahnhof ist.“ Diese Enge wird wie die auf dem Vorplatz abgestellten Fahrräder häufig kritisiert. Und immer wieder kommt die Frage auf, ob die Parkbuchten nicht vergrößert werden könnten.

„Heute würde man das sicher anders gestalten“

Der umgestaltete Bahnhofsvorplatz war am 8. Dezember 1999 eingeweiht worden. Damals schrieb die LZ: „Mittelpunkt ist künftig ein Platz im Platz – der Bereich vor dem Bahnhofseingang, der den Fußgängern vorbehalten ist und den Charakter eines Treffpunktes hat. Zum Ausruhen stehen dort vier Bänke.“ Außerdem stünden nach dem Kiss-&-Ride-Prinzip 20 Parkplätze zur Verfügung.

Rückblickend und auf die Forderung einer Verbreiterung des Kurzparkbereiches sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck: „Als die Kiss-&-Ride-Zone gebaut wurde, haben sich die Planer nach den gültigen Abmessungsempfehlungen gerichtet. Heute würde man angesichts der Tatsache, dass mehr größere Autos unterwegs sind, sicherlich versuchen, die Abstellflächen an den Seiten oder auch die Fahrgasse etwas breiter zu gestalten.“

Für eine breitere Gestaltung allerdings sieht die Stadt keine Möglichkeit, Suzanne Moenck erläutert: „Es steht nur ein begrenzter Platz zur Verfügung zwischen den beiden Bahnhofsgebäuden, und wir benötigen ausreichend Lauffläche für viele Menschen mit Gepäck, Kinderwagen und dergleichen ebenso für Rollstuhlfahrer. Da sehen wir keinen Spielraum für eine Umverteilung.“ Ihr Tipp: „Wem es in der Kiss-&-Ride-Zone zu eng ist, der kann auch wenige Meter weiter auf dem Parkplatz Amtsgarten parken – da gibt es 48 Stellplätze.“

Dass es am Bahnhof hin und wieder zu sogenannten Parkplatzditschern kommt, bestätigt Polizeisprecher Kai Richter: „In den 90-Grad-Kurven ist es ja recht eng. Gravierende Unfälle sind dort aber noch nicht passiert.“

Drittes Fahrradparkhaus auf Wunschliste der Verwaltung

Der „Platz im Platz“ sollte den Fußgängern vorbehalten sein und als Treffpunkt dienen, doch haben ihn Radler zum Fahrrad-Abstellplatz umfunktioniert. Fußgänger müssen sich ihren Weg zum Bahnhofseingang oft mühsam bahnen, einen Hindernislauf absolvieren. Vorgehen dagegen kann die Verwaltung aber nicht, so gerne sie es auch wollte. Suzanne Moenck: „Die Stadt hat keine rechtliche Handhabe, das Abstellen von Rädern auf dem Bahnhofsvorplatz zu verbieten, das wurde bereits vor Jahren bis zum Bundesverwaltungsgericht ausgeurteilt, die Leipziger Richter entschieden 2004: Die Stadt muss die Räder dulden. Wir können nur im Einzelfall eingreifen, wenn Räder sehr behindernd stehen oder offensichtlich nur noch Schrott darstellen.“

Die Stadt hat mit einem zweiten Fahrradparkhaus reagiert. Suzanne Moenck: „Mit Beschilderungen, Appellen und vor allem auch dem Angebot von 2100 überdachten Stellplätzen in den Fahrradparkhäusern versuchen wir unser Möglichstes, um Radfahrer zum Umdenken zu bewegen.“ Die Stadt möchte auch gern ein drittes Fahrradparkhaus am Bahnhof errichten: „Aber es scheitert derzeit noch an den Eigentumsverhältnissen, es gibt dort keine städtischen Flächen.“

Ärger über Rüpel-Radler

Klagen erreichen die Redaktion immer wieder auch über Rüpel-Radler, die mit ihren Fahrrädern über die für Fußgänger gedachten Bereiche des Bahnhofsvorplatzes fahren. Sie fahren auch ohne abzusteigen über den Zebrastreifen – das aber ist in der Regel nicht strafbar. Polizeisprecher Kai Richter erläutert: „Das Fahren über Zebrastreifen ist nicht bußgeldbelegt, die Radfahrer genießen dann aber nicht mehr den sogenannten Vorrangschutz vor dem Autoverkehr.“

Kommt es zu einem Unfall, wird die Schuldfrage gestellt. „Und das interessiert dann die Versicherer“, sagt Richter. Die Radler könnten ihren Versicherungsschutz verlieren und zur Kasse gebeten werden. Der Polizeisprecher weiß, dass das Fahren über den Zebrastreifen „ein enormes Gefahrenpotenzial birgt“, auch weil die Radler nicht sofort für den Autoverkehr erkennbar sind. Er erinnert daran, dass Erwachsene eine Vorbildfunktion haben.

Von Rainer Schubert

One comment

  1. Werner Schneyder

    Dass man die Fahrräder nicht wegbekommt, ist mir ein Rätsel. Andere Städte schaffen das doch auch (Göttingen, Münster, usw). Kiss & Ride wird missbraucht als normaler Parkplatz. Das müsste sein wie am Flughafen, wirklich Ein- und Aussteigen, dann weg mit der Karre.