Dienstag , 25. September 2018
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So könnte es wieder sein, wenn die Wehre und Schleusen an der Ilmenau instand gesetzt werden. Das Bild zeigt die Rückfahrt des Ewers vom Hansetag in Lübeck nach Lüneburg im Jahr 2014. Foto: A/gründel

Flaute auf der Ilmenau

Lüneburg. Die Zukunft der Schleusen und Wehre an der Ilmenau bleibt weiterhin ungewiss, und damit auch die Zukunft des Flusses selbst. Die Lüneburger Bundestagsabgeordneten Hiltrud Lotze (SPD) und Eckhard Pols (CDU) haben in Berlin nachgefragt, welche Möglichkeiten man in der Hauptstadt sieht, eine Lösung zu finden. Kurz zusammengefasst: Es gibt wenig Konkretes.

Wie berichtet, haben sich Gruppen, Gemeinden, Stadt und Landkreis Lüneburg im Verein Historische Ilmenau zusammengefunden. Ihr Ziel: Der Fluss soll schiffbar bleiben, die Bauwerke sind zu erhalten. Der Bund müsste zahlen, weil die Ilmenau bis in den alten Lüneburger Hafen hinein Bundeswasserstraße ist. Eben das möchte man in Berlin ändern und den Status streichen. In einer vom Wasser- und Schifffahrtsamt präsentierten Machbarkeitsstudie heißt es, die Sanierung der drei Schleusen und Wehre in Bardowick, Wittorf und Fahrenholz schlüge mit 19 Millionen Euro zu Buche.

Zu viel, meint der Bund, es führen ja kaum Schiffe. Im Verein wird die Summe für viel zu hoch gehalten, zudem habe das Wasser- und Schifffahrtsamt jahrelang nur geflickschustert, daher müsste nun viel getan werden.

Studie spricht von enorm hohen Investitionsbedarf

Die Studie, initiiert von Bund und Land, schlägt für die Ilmenau vier Umgestaltungsvarianten vor. Die bisher vom Amt favorisierte Variante sieht den Einbau sogenannter Sohlgleiten vor, eine Art Rampen im Flussbett, die auf einer Länge von 50 Metern einen Höhenunterschied von einem Meter aufweisen. Die Schleusen würden zu Abflussrinnen reduziert, die seltenen Nadelwehre komplett zurückgebaut. Damit würde der Wasserstand auf 50 Prozent der bisherigen Stauhaltung verbleiben und Wassermengen darüber hinaus würden automatisch abfließen. Doch der abgesenkte Wasserstand bereitet nicht nur der Stadt Lüneburg Sorgen, die um die Standfestigkeit historischer Häuser an der Ilmenau fürchtet. Gemeinden fürchten, dass Bäche trockenfallen könnten.

Hiltrud Lotze verweist auf zwei Programme: Das „Wassertourismuskonzept“ ist ein Papier aus dem Hause von Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Daneben gibt es das Programm „Blaues Band“ aus dem Hause von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. „Im Gegensatz zum Wassertourismuskonzept ist das ,Blaue Band‘ ein Bundesprogramm, das am 1. Februar 2017 vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Damit wird die Bundesregierung verstärkt in die Renaturierung von Bundeswasserstraßen investieren und neue Akzente in Natur- und Gewässerschutz, Hochwasservorsorge sowie Wassertourismus, Freizeitsport und Erholung setzen.“

Beide Papiere beziehen sich auf Wasserstraßen abseits des Kernnetzes für den Güterverkehr, sind also für die Ilmenau von Relevanz. Sie setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Beim Blauen Band soll es um Boote ohne Motor gehen. Vorhandene Schleusen und Wehre werden für die Renaturierung um- oder zurückgebaut, von dieser Regelung gibt es jedoch Ausnahmen. Die Dobrindt-Variante sehe vor, „an stark mit Motorbooten und Fahrgastschiffen frequentierten Gewässern den Schleusenbetrieb weiter aufrechtzuerhalten“.

Kanal bei Cloppenburg könnte ein Vorbild sein

Pols hat nach einem Vorbild Ausschau gehalten und es im Kreis Cloppenburg gefunden: „Wie unsere Ilmenau hat der Elisabethfehnkanal keine wirtschaftliche Bedeutung mehr und wurde vom Bund abgegeben. Auch dort gibt es eine sanierungsbedürftige, 100-jährige Schleuse. Wie im Falle des Elisabethfehnkanals wäre, nach einer eventuellen Übergabe zu einem symbolischen Preis von einem Euro, eine Förderung aus Denkmalschutzprogrammen und eine fünfzigprozentige Beteiligung des Bundes an den Instandsetzungskosten möglich.“ Er habe mit dem Verkehrsministerium darüber gesprochen, berichtet Pols: „Staatssekretär Enak Ferlemann hat mir dies als gangbaren Weg signalisiert.“

Zudem sollte die Attraktivität des Flusses erhöht werden, sodass Freizeitkapitäne Lüneburg ansteuern. Dafür müsste dann eine Art Marina geschaffen werden, Stege mit entsprechender Infrastruktur wie Strom und Abwasserentsorgung – vergleichbar mit dem Wohnmobilstellplatz auf den Sülzwiesen. Diese Idee gab es vor Jahren bereits. Ernsthaft verfolgt wurde sie nicht.
Aktuell kann kein Schiff von der Mündung der Ilmenau in die Elbe bei Hoopte nach Lüneburg segeln oder tuckern: Alle Schleusen sind wegen Baufälligkeit gesperrt.

Von Carlo Eggeling