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Längst nicht mehr alle Kinder lernen schwimmen, beklagt unter anderem die DLRG. Foto: A/be

Der Landkreis und die Mission „Seepferdchen“

Lüneburg. Immer weniger Kinder können schwimmen. Die Beobachtung macht Richard Meier als Ordnungsamtsleiter der Gemeinde Adendorf schon seit längerem, nun hat er reagiert – und mit dem Adendorfer Kinderladen eine Schwimmkurs-Offensive in der Gemeinde gestartet. 2500 Euro stellte der Kinderladen zur Verfügung, damit die Gemeinde drei Jahre lang jedem Vorschulkind einen Schwimmkurs finanziert. Ein Einsatz, den sich Tobias Leger von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Lüneburg häufiger wünschen würde. Denn auch er und seine Kollegen aus dem Jugendvorstand der Ortsgruppe Lüneburg erleben immer häufiger, dass Kinder nicht richtig schwimmen können.

Was dahinter steckt, kann Leger nur vermuten. Ein Grund, glaubt er, ist die Schließung vieler Schwimmbäder. „Manche Schulen sind kilometerweit vom nächsten Schwimmbad entfernt, der Busverkehr muss organisiert werden, außerdem müssen genügend Lehrer zur Verfügung stehen, die Schwimmunterricht geben dürfen. Das ist manchmal nicht so leicht.“ Adendorfs Ordnungsamtsleiter Meier glaubt zudem, dass „viele Eltern im Alltag zu eingespannt sind, um mit den Kindern ins Schwimmbad zu gehen und ihnen Schwimmen beizubringen“.

Grundsätzlich sollten Kinder spätestens in der Grundschule schwimmen lernen, denn dort ist es „verbindlicher Bestandteil des Lehrplanes“, sagt Bianca Schön­eich, Pressesprecherin der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Wie die Schulen das umsetzen, sei allerdings ihnen überlassen. „Ob das Schwimm­en wöchentlich oder im Blockunterricht angeboten wird, das ist deren Sache.“

Tatsächlich stellt die Umsetzung der Vorgabe viele Schulen gerade auf dem Land vor Herausforderungen. In der Gemeinde Amt Neuhaus etwa gibt es kein einziges Schwimmbad, zu den Kursen müssen die Kinder bis ins Waldbad nach Vellahn in Mecklenburg-Vorpommern gefahren werden. Viel zu aufwendig für wöchentlichen Unterricht. „Wir bieten deshalb jedes Jahr vor den Sommerferien einen wöchentlichen Kompaktkurs für jede Jahrgangsstufe an“, erklärt Schulsekretärin Marlis Reinecke. „Den Bus dorthin müssen die Eltern allerdings selbst zahlen.“
Gar keinen Schwimmunterricht gibt es aktuell an der Grundschule in Barendorf. „Das liegt daran, dass die Samtgemeinde Ostheide sehr verstreut ist, die Grundschüler aus sehr unterschiedlichen Orten kommen“, erklärt Gemeindedirektor Dennis Neumann. In der Samtgemeinde selbst gibt es kein Schwimmbad, die nächstgelegenen sind das Freibad Hagen und das SaLü in Lüneburg oder das Waldbad in Bienenbüttel. „Aber wir haben das Problem auf dem Schirm“, sagt Neumann.

Auch der Landkreis Lüneburg ist längst sensibilisiert, hat schon vor Jahren gehandelt. Seitdem können die Samtgemeinden beim Landkreis Fördermittel speziell für Kinder-Schwimmkurse beantragen. „Der Eigenanteil für die Teilnehmer beträgt dadurch pro Trainingseinheit nur einen Euro“, sagt Hannes Wönig, Pressesprecher des Kreises.

Doch der gute Wille allein genügt nicht immer. Denn oft wird schon die Suche nach einem freien Kurs zur Geduldsprobe. „Die Nachfrage nach privatem Schwimmunterricht ist riesig“, sagt Tobias Leger. „Sechs bis neun Monate Wartezeit sind normal.“ Das bestätigt auch der SaLü-Geschäftsführer Dirk Günther: „Wir bieten zirka 50 Baby- und Kinderschwimmkurse pro Woche an, die sind teilweise in einer Stunde ausgebucht.“ Gefragt seien aber nicht nur Kurse für Kinder. „Auch immer mehr Erwachsene outen sich, nicht schwimmen zu können“, sagt Günther.

Von Patricia Luft

Kinderladen verteilt 6000 Euro

Die 2500 Euro für die Kinder-Schwimmkurse in der Gemeinde Adendorf sind nur ein Teil des Geldes, das der Kinderladen in Adendorf für gemeinnützige Zwecke spendet. Weitere 2000 Euro vom Erlös des Kinderladens werden für das Sommerferien-Programm der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Außerdem kann sich die Kinderkrippe am Freibad über ein neues Sonnensegel im Wert von 1500 Euro freuen.

Für Neubürger haben sich Brigitte Freienberg und ihre Kinderladen-Damen ebenfalls etwas einfallen lassen: 70 Warengutscheine für einen Einkauf im Kinderladen haben sie ausgestellt. Die werden jetzt bis Ende des Jahres den Begrüßungspaketen der Gemeinde beigelegt. Seit 2011 gibt es den Kinderladen in Adendorf. Zwölf ehrenamtlich tätige Adendorfer Frauen verkaufen dort Bekleidung für Kinder und Jugendliche, Spielzeug, Kinderbücher, CD‘s und DVD‘s sowie Bettwäsche und Kleinstmöbel.

Die Einnahmen aus dem Verkauf schüttet der Kinderladen als gemeinnütziger Verein vollständig aus an Vereine und Institutionen, die sich der Jugendförderung und -hilfe widmen.