Donnerstag , 20. Februar 2020
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Sie zeigen vor dem großen Reformationstor auf dem Johannis-Vorplatz, das am Sonnabend eröffnet wird, ein Modell des Kunstwerks: (v.l.) Superintendentin Christine Schmid, St.-Michaelis-Pastorin Silke Ideker-Harr, St.-Johannis-Pastor Ingo Reimann und St.-Nicolai-Pastor Eckhard Oldenburg. Foto: be

In Lüneburg bricht die Reformationszeit an

Lüneburg. Wenn das große Reformationstor vor St. Johannis am Sonnabend, 29. April, eröffnet wird, ist dies der Auftakt zu einer Fülle von Veranstaltungen des Ev.-luth. Kirchenkreises in Stadt und Landkreis Lüneburg zum Reformationsjubiläum. Unter dem Motto „Reformations-Zeit“ gibt es in Lüneburg drei zeitliche Phasen, die jeweils von einer der drei Innenstadtkirchen gestaltet werden, eingebunden sind ökumenische Angebote. Den Auftakt macht St. Nicolai, die Bänke verschwinden aus dem Gotteshaus, das gibt Platz für die Umsetzung vieler Ideen.

Das Motto in St. Nicolai lautet vom 28. Mai bis 25. Juni „SinnesWandel“. Pastor Eckhard Oldenburg erläutert: „Hören, riechen, schmecken, fühlen – und dabei singen, spielen, tanzen, denken, basteln und malen, Gemeinschaft erleben, wandeln: ,SinnesWandel St. Nicolai‘ ist ein Versuch, Gott in der Kirche mit allen Sinnen – neu – zu erleben.“

Gotteshaus komplett ohne Sitzbänke

Der Kirchraum ohne Bänke biete einen Freiraum und die Möglichkeit, ungewöhnliche Veranstaltungen anzubieten. Beispielsweise ein Picknick: Die Besucher erleben am 18. Juni ab 17 Uhr einen Gottesdienst der besonderen Art, auf ausgebreiteten Decken sitzend teilen sie bei Wort und Musik den mitgebrachten Proviant, für die Getränke sorgt die Gemeinde. Dabei können sie den Blick auf einen blühenden Altarraum werfen, denn der wird in den letzten zehn Tagen des Aktionszeitraums in ein Stück Blumengarten verwandelt. Eröffnet wird der Garten am 15. Juni um 20 Uhr: Bei einem literarisch-musikalischen Abend mit dem Titel „Die Rosen in Annas Garten“ liest Rainer Haack kurze Geschichten aus seinem gleichnamigen Buch über die Schönheit des Lebens. Am Flügel begleitet ihn seine Frau Angelika Haak.

Ein ungewöhnliches Konzert gibt es am 9. Juni: Pianist Daniel Stickan stellt seinen Flügel um 20.30 Uhr mitten in den Raum und bietet Jazzklänge, Choralimprovisationen und mehr. Vom 6. bis 15. Juni ist täglich die Klanginstallation „Die Stimmen der Stadt in St. Nicolai“ zu erleben: Der Tonkünstler Andreas Fertig nimmt Geräusche der Stadt, des Gemeindelebens außer- und innerhalb des Kirchraumes auf und spielt diese über Klangin-stallationen in St. Nicolai ab. Lebhaft zugehen wird es am Kindertag am 3. Juni von 14 bis 17 Uhr, wenn Mädchen und Jungen laufend, lachend und spielend die Kirche für sich entdecken.

Weitere Veranstaltungen und Aktionen

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Veranstaltungen und Aktionen nach dem Eröffnungsgottesdienst am 28. Mai um 11 Uhr mit anschließendem Essen in der Kirche. Beispielsweise am 23. Juni um 20 Uhr das Kammerspiel „Tischreden der Katharina Luther“ mit Elisabeth Haug, Pilgern und Singen bei Kerzenschein am 2. Juni ab 20 Uhr beim „Abend der Stille“ mit Hannah und Karsten Köppen oder einen „Kirchentanztag“ am 17. Juni von 13 bis 18 Uhr.

Zum Finale heißt es am 24. Juni ab 20 Uhr „Sing-ON“. Oldenburg sagt: „In Schweden gibt es die Tradition, sich am ersten Wochenende des Sommers zu treffen und miteinander zu singen. Die Tradition greifen wir auf.“ Ein Mammutprogramm, auf das die Gemeinde stolz sein kann und ist. „Eine Projektgruppe hat dafür über ein Jahr lang Ideen entwickelt“, sagt Oldenburg.
Die Aktionen in St. Johannis laufen vom 5. bis 31. August unter dem Motto „Kirche & Wort“ und vom 3. bis 24. September in St. Michaelis unter dem Motto „Kirche & Musik“. Das Reformationsfest selbst wird groß am 31. Oktober gefeiert. Beendet wird die „Reformations-Zeit“ am 10. November mit einem Martinsfest.

Von Rainer Schubert

Das Reformationstor

Der 3,66 Meter hohe und 4,12 Meter breite Holzbau ist mit Platten versehen, auf die bedruckte Folien gespannt sind. Dort finden Bilder aus der Reformationszeit und von heute Platz. Etwa von Lucas Cranach dem Jüngeren, der als Maler der Reformation gilt, in Wittenberg geboren wurde und nicht weit entfernt von seinem Freund Martin Luther lebte. Oder vom aktuellen Künstler Uwe Appold, der seine Ideen gern abstrakt umsetzt.

Pastorin Silke Ideker-Harr, Reformationsbeauftragte im Kirchenkreis, sagt: „Wir wollen nicht nur zurückblicken, sondern auch nach vorne denken: Welche Tore müssen wir aufstoßen?“ Laut Christine Schmid steht das Tor als „Symbol für die theologische Entdeckung, die die Reformation angestoßen hat“.

Start am Sonnabend ist um 12 Uhr auf dem Vorplatz von St. Johannis. Eine Einführung für Besucher gibt‘s von Silke Ideker-Harr und Pastor Michael Kranzusch. Sprechen wird auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge. Für Musik sorgt Hans Malte Witte.