Donnerstag , 27. Februar 2020
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Dieses Bild dürfte bald der Vergangenheit angehören. Aufgrund der Rückkehr des Wolfes ist die Anzahl der Wildschafe massiv dezimiert. Foto: nh

Mufflons in der Göhrde: erst ausgesetzt, bald ausgerottet?

Lüneburg/Göhrde. Die Göhrde wird schon bald um eine Tierart ärmer sein: Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das letzte Mufflon das Zeitliche segnen wird. Von den einst 250 bis 300 Wildschafen sind in der Göhrde maximal noch 20 Tiere vorhanden. „Und das ist auch nur eine vorsichtige Schätzung“, sagt Peter Pabel, Vorsitzender des Hochwildringes Göhrde. „Schuld“ an dieser Entwicklung trägt dieses Mal nicht der Mensch, sondern der Wolf.

Mehr als 100 Jahre zog das Muffelwild weitgehend unbehelligt seine Fährte in dem großen Mischwaldgebiet der Göhrde. Doch mit Isegrims Rückkehr schrumpften die Muffelwildbestände in den vergangenen drei Jahren in der Göhrde dramatisch. Alle Versuche des Hochwildringes, Tiere lebend zu fangen, um ihre genetische Substanz zu sichern, schlugen fehl.
Wir wollten einige Mufflons fangen, um sie in einem geschützten Umfeld, beispielsweise im Wildpark Springe, wieder zu vermehren“, erklärt Peter Pabel. Diesen Plan hat der Wildexperte inzwischen aufgegeben. „Das bringt nichts mehr!“

„Wenn der Wolf kommt, verschwindet das Muffelwild.“
Peter Pabel, Vorsitzender Hochwildring

Dabei ist der Bestand des Muffelwildes in der Göhrde das einzige noch reinrassige Vorkommen in Deutschland, wenn nicht gar weltweit überhaupt. Das hat das Institut für Wildbiologie in Göttingen nachgewiesen. Urspünglich stammten die Tiere von den Mittelmeerinseln Sardinien und Korsika. Doch während in vielen anderen Ländern Hausschafe in die Population der Mufflons eingekreuzt wurden, ist das in der Göhrde nicht der Fall gewesen. Auch deshalb sind die Göhrder Mufflons für die Biologen von so großer Bedeutung.

Dass die Wildschafe überhaupt mehr als 100 Jahre lang durch das Göhrder Waldgebiet streifen konnten, ist dem Hamburger Großkaufmann Louis Oscar Tesdorpf zu verdanken, der als Naturfreund 1903 diese Wildschafe in der Göhrde ausgesetzt hatte, um den Wald mit einer weiteren Wildart zu bereichern. Die Tiere nahmen den neuen Lebensraum gut an und entwickelten sich prächtig – auch zur Freude von Kaiser Wilhelm II, der in der Göhrde jagte und 1911 zwei Muffelwidder erlegen konnte.

Doch jetzt ist es Isegrim, der für das Verschwinden der Muffelwild-Population in der Göhrde sorgt. „Deutschland ist Wolfsland“, stellt Peter Pabel fest und fügt hinzu: „Wenn der Wolf kommt, verschwindet das Muffelwild.“ Dass das Raubtier offenbar wenig Probleme mit dem Jagen von Mufflons hat, begründet Wildexperte Pabel mit der „fehlenden gemeinsamen Vergangenheit von Mufflon und Wolf.“

In den Bergen reicht den Mufflons die schnelle Flucht in eine Felsspalte, um den Fressfeinden zu entkommen“, sagt Pabel: „Die Mufflons wirken irgendwie kopflos, wenn der Wolf sich nähert. Sie flüchten ein kurzes Stück, bleiben dann stehen und rudeln sich zusammen, danach rennen sie wieder“, beschreibt der Vorsitzende des Hochwildringes Göhrde das Fluchtverhalten. Nur: In der Göhrde gibt es keine Berghänge und keine Felsen – und somit sind die Tiere leichte Beute für Wölfe. so lange, bis auch das letzte Mufflon gerissen ist.

Von Klaus Reschke und Oskar Lüning

„Mahn- und Solidarfeuer“ der Schafhalter

Kritisch beurteilen die Weidetierhalter die Rückkehr des Wolfes: „Viele Nutztierhalter sehen sich in Folge der immer größer werdenden Wolfspopulation gezwungen, die Weidetierhaltung aufzugeben oder denken darüber nach“, sagt Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung.

Mit einer bundesweiten Aktion am Freitag, 12. Mai, bei der „Mahn- und Solidarfeuer“ entzündet werden sollen, will der Verein mit den Weidetierhaltern Nordost-Niedersachsens auf die Sorgen der Schaf- und Weidetierhalter aufmerksam und gegen die Ausbreitung der Wölfe mobil machen. Schmücker fordert ein Überdenken der Entschädigungspraxis nach Nutztierrissen sowie der Regularien für Präventionszahlungen. „Wir wollen mit unseren ‚Wolfs-Nachtwachen‘ die Politiker aufwecken!“

14 Kommentare

  1. Tom Schulze-Helmke

    Die vielen Mufflons in Deutschland gab es weil ihre Hörner so schöne Wandtrohäen abgeben. Nicht weil unser Flachland mit feuchten Wiesen der geeignete Lebensraum für die Bergschafe ist. Wenn jemand ernshaft Interesse an Artenschutz hat engagiert er sich für deren Erhalt in ihrem natürlichen Habitat. Hier wird doch nur wieder ein Argument von den Wolfsgegnern gesucht.
    FB-Gruppe „Schützt die Wölfe“

    • Tom Schulze-Helmke, sie haben völlig recht. deren heimat ist sardinien. die berge schützen die mufflons dort vor den wölfen. hier soll nur die jäger-konkurrenz platt gemacht werden.

    • Jürgen Hertling

      Aber Kaiser Wilhelm hat sich doch schon so gefreut, konnte schließlich auch ein Mufflon erschießen.

  2. S. Schröter

    Genau und weil vielleicht früher das Ziel ein nicht ganz so hehres war, kann man heute getrost die komplette genetische Reserve der WELT! dieser Tierart dem neuen Maskottchen und Geldsegen-Träger von NaBu und Co. opfern, der im Gegensatz dazu in keinster Weise gefährdet ist.

    So ein ideologisch gefärbter Unsinn! Als ob Jäger (und nein, ich bin keiner) ein Interesse hätten den Wolf ins Jagdrecht zu bekommen! Wozu? Um wie bei der Wiildsau haftbar für die immensen Schäden, die der Wolf in der Weidetierhaltung verursacht, zu sein? Der völlig überzogene Schutz führt soweit, dass in Niedersachsen diverse Wölfe elend an Räude krepieren und sich an der Autobahn stundenlang nach einem Zusammenstoß quälen, weil der Amtstierarzt oder Wolfsberater den Arsch nicht vom Sofa bekommt!

    • S. Schröter
      Als ob Jäger (und nein, ich bin keiner) ein Interesse hätten den Wolf ins Jagdrecht zu bekommen! ich musste herzhaft lachen, selten so einen scherz gelesen, der doch so offensichtlich ist. natürlich wollen jäger den wolf ins jagdrecht aufnehmen. nur darum geht es ihnen. sie sollten mal deren äußerungen in ihren einschlägigen jagdzeitschriften lesen. den luchs hätten sie am liebsten auch gleich mit erledigt. kennen sie das bermudadreieck der luchse in bayern?

  3. Die Wolfsfreunde sind wirklich ausschließlich Wolfsfreunde. Wenn es jetzt dazu kommt, dass auch noch die letzten Göhrde-Mufflons gerissen werden, verschwindet damit eine Säugetierart. Unwiederbringlich. Alle Rückzüchtungen von wildlebenden Säugetieren aus domestizierten Verwandten, wie für den Auerochsen oder das Urpferd versucht, gelingen immer nur teilweise. Echte Mufflons wird es also dank der Wolfsfreunde nicht mehr geben. Ein großer Erfolg für den Naturschutz, der Jubel kennt keine Grenzen, eine ganz starke Leistung. Wann wird noch gewählt?

  4. Wegen des Wolfes, der international ganz offiziell als nicht gefährdet eingestuft wird, nimmt man in Kauf, dass eine Tierart weltweit ausstirbt? Wieso sind ein paar deutsche Wölfe wichtiger als die komplette verbliebene Genreserve des Mufflon? Was hat das noch mit Natur- und Artenschutz zu tun?
    Laut Bundesnaturschutzgesetz zählt das Mufflon übrigens längst zu den heimischen Tieren, egal, wie es vor über hundert Jahren hier her kam.

  5. Willi Behrens

    Es ist meines Erachtens nach Schwachsinn wenn man in unseren Gefilden eine Tierart ansiedeln will, welche hier gar nicht hingehört – und mal ehrlich, wo waren denn die ganzen Naturschützer als der Wolf angefangen hat die Mufflons zu jagen? Oder hat der Wolf die alle innerhalb von drei Tagen gerissen – Da hätte man dann schon viel früher mit anfangen können!!!

    • Willi Behrens

      Es ist meines Erachtens nach Schwachsinn wenn man in unseren Gefilden eine Tierart ansiedeln will, welche hier gar nicht hingehört .
      stimmt mufflons sind bergziegen und keine flachland-tiroler. schmunzeln. der wolf war hier bis zu seiner ausrottung heimisch. es geht eben nichts über raubtiere, die die natur gesund halten.

      • S. Schröter

        Womit hält er sie denn gesund? Damit, dass er tragende Schafe / Rinder und neugeborene Fohlen reißt? Oder damit, dass er für Angstsprünge (20 Rehe und mehr) oder riesige Wildschweinrotten sorgt, die dann NOCH mehr Fläche innerhalb noch kürzerer Zeit plattmachen?

        Es ist nicht relevant, ob das Mufflon hierher gehört – wenn es sich um die letzte echte Genreserve der Ursprungsform handelt, dann ist die zu schützen – auch wenn dem NaBu dadurch Patenschafts-Geld flöten geht. Er hat ja noch 3,7 Mio € landwirtschaftliche Subventionen / Jahr. Das ist doch auch was…

        • Ein Jäger aus Kurpfalz,
          der reitet durch den grünen Wald
          und schießt sein Wild daher,
          gleich wie es ihm gefällt.
          Ju ja, ju ja! Gar lustig ist die Jägerei
          allhier auf grüner Heid.

          Auf sattelt mir mein Pferd
          und legt darauf den Mantelsack,
          so reit ich weit umher
          von Jäger von Kurpfalz.
          Ju ja, ju ja! Gar lustig ist die Jägerei
          allhier auf grüner Heid.

          Hubertus auf der Jagd,
          der schoß ein‘ Hirsch und einen Has‘;
          er traf ein Mägdlein an,
          und das war achtzehn Jahr.
          Ju ja, ju ja! Gar lustig ist die Jägerei
          allhier auf grüner Heid.

          Des Jägers seine Lust
          das hat der Herr noch nicht gewußt
          wie man das Wildbrett schießt:
          man schießt es in die Bein.
          Ju ja, ju ja! Gar lustig ist die Jägerei
          allhier auf grüner Heid.

          Jetzt geh ich nicht mehr heim,
          bis daß der Kuckuck kuckuck schreit,
          er schreit die ganze Nacht
          allhier auf grüner Heid.
          Ju ja, ju ja! Gar lustig ist die Jägerei
          allhier auf grüner Heid.
          Karaoke
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          • S. Schröter

            Hätten Sie zufällig auch ein Argument oder eher nicht? Falls nicht, würde ich gern auf das Gespräch mit Ihnen verzichten. Zumal sich mir nicht erschließt, worauf Ihr Jäger-Fetisch gründet.

  6. S. Schröter
    ich habe mehr argumente als ihnen lieb sein wird und deswegen lasse ich es besser hier.dieses lied soll ihnen nur zeigen, was ich von ihren argumenten halte. denken sie mal um die ecke. viel glück dabei.schmunzeln.