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Am Kin­der­gar­ten in Emb­sen sol­len jetzt für die drit­te Grup­pe Con­tai­ner auf­ge­stellt wer­den. Fo­to: be

Kindergarten Embsen: Obere Etage für Kinder tabu

Embsen. Beengt geht es seit einigen Tagen zu im Kindergarten in Embsen. Die Jungen und Mädchen dürfen nur noch im Parterre spielen, denn die obere Etage ist seit vergangener Woche vom Landkreis behördlich gesperrt – aus Brandschutzgründen. Die Expertin des Landkreises bemängelt unter anderem einen fehlenden zweiten Fluchtweg. „Außerdem“, so Matthias Körte, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes, „fehlt eine bauliche Abschottung, die im Ernstfall verhindern soll, dass Rauch und Qualm aus dem Erd- ins Obergeschoss zieht.“

Der DRK-Kreisverband hat im August vergangenen Jahres die Trägerschaft des Kindergartens von der Gemeinde Embsen übernommen, in dem in den drei Gruppenräumen bis zu 75 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren betreut werden. Zuständig für das Gebäude bleibt allerdings weiterhin die Gemeinde.

„Aktuell sind es 66 Kinder, die den Kindergarten Embsen besuchen“, sagt Gemeindedirektor Peter Gentemann, der die sofortige Sperrung des Obergeschosses nur bedingt nachvollziehen kann. Gentemann erinnert daran, dass 1992, als das Obergeschoss des Kindergartens ausgebaut wurde, ein zweiter Fluchtweg von der Baubehörde noch nicht gefordert war. Gleichwohl habe sich die Gemeinde nicht gegen die zusätzlichen Sicherheitsauflagen gesperrt, im Gegenteil: „Wir haben bereits eine Architektin beauftragt, eine entsprechende Planung vorzulegen.“

Parallel habe man mit der Feuerwehr Kontakt aufgenommen, die eine Übung am und im Kindergarten abhalten sollte, um zu testen, wie eine Rettung im Ernstfall funktionieren könnte. Dieses Vorhaben sei jetzt aber durch das Vorgehen des DRK und des Landkreises durch die erfolgte Etagensperrung überholt.

Zweifellos unglücklich war, dass beim Ortstermin mit der Brandschutzprüferin des Kreises und dem DRK kein Vertreter der Gemeinde zugegen war. „Zu diesem Zeitpunkt waren ich und auch der stellvertretende Gemeindedirektor leider verhindert“, bedauert Embsens Bürgermeister Stefan Koch (UWI). Dass ausgerechnet an diesem Tag auch noch die Schule in Echem in Flammen aufging, „hat sicherlich auch zu der Entscheidung des Kreises beigetragen, die obere Etage sofort zu sperren“, ist Koch überzeugt. Die Kindergarten-Eltern seien schriftlich über die Situation informiert worden. „Beschwerden aus der Elternschaft habe es deshalb bisher aber noch nicht gegeben“, stellt Koch fest.

Jedenfalls stehe man jetzt mit dem Kreis in engem Kontakt, um möglichst schnell die baulichen Forderungen umzusetzen. Welche Lösung letztlich auch zum Tragen kommt, billig wird es für die Kommune nicht: „Das wird bestimmt ein hoher fünfstelliger Betrag werden“, mutmaßt Koch. 50 000 Euro seien bereits im Etat-Entwurf dafür vorgesehen.

Außerdem prüfe die Gemeinde Embsen, ob kurzfristig zwei Container auf dem Kindergartengelände aufgestellt werden können – als Ausweichmöglichkeit für den gesperrten Gruppen- und Bewegungsraum. Wie und wann die Bauarbeiten durchgeführt werden, will die Gemeinde noch prüfen. „Am besten während der Sommerpause“, hofft Stefan Koch, denn nicht ausgeschlossen ist, dass die Einrichtung während der Arbeiten sogar für ein oder zwei Wochen geschlossen werden muss. „Aber soweit sind wir noch nicht“, beruhigt Koch – „jetzt brauchen wir erst einmal die Baugenehmigung!“

Von Klaus Reschke