Mittwoch , 26. September 2018
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Ein moderner Triebwagen wird in der Zeit vom 15. bis 19. Mai jeweils fünfmal täglich zwischen Lüneburg und Bleckede verkehren. Foto: nh

S-Bahn nach Bleckede: Traum wird wahr – für fünf Tage

Bleckede. Von einem „S-Bahn-Verkehr“, in der Region unter anderem zwischen Lüneburg und Bleckede, als einer Notwendigkeit für die Zukunft hatte Prof. Dr. Peter Pez, Stadt- und Kulturraumforscher an der Leuphana Universität, erst in der vergangenen Woche in einem Vortrag gesprochen. Damit hatte der Wissenschaftler so manche Träume blühen lassen. Ganz schnell werden diese Träume jetzt wahr – wenn auch nur für fünf Tage: In der Zeit vom 15. bis 19. Mai (Montag bis Freitag) bietet die Bleckeder Kleinbahn einen „S-Bahnverkehr“ auf Probe zwischen Bleckede und Lüneburg mit täglich fünf Abfahrten in beiden Richtungen an.

Die Fahrten, eine Befragung der Passagiere und anfallende Passagier-, Zu- und Ausstiegsdaten sollen die Grundlage für eine Studie zur Akzeptanz einer regelmäßigen Bahnverbindung zwischen Lüneburg und Bleckede sein.

Regelmäßiger Schienenverkehr wurde vor 40 Jahren eingestellt

Ein moderner Triebwagen, zur Verfügung gestellt von der „Nebenbahn Staßfurt-Egeln“, einem Eisenbahn-Oldtimer-Verein aus der Nähe von Magdeburg, wird in zwei Wochen zwischen Lüneburg und Bleckede pendeln. Der Triebwagen mit 88 Sitz- und weiteren Stehplätzen wurde 1976 gebaut und in den 1990er-Jahren gründlich erneuert. Die Bleckeder Kleinbahn, eine 100-prozentige Tochter der „Arbeitsgemeinschaft der Verkehrsfreunde Lüneburg“ (AVL), ist Betreiber der Eisenbahnstrecke Lüneburg-Bleckede. Die gehörte ehemals zu der Osthannoverschen Eisenbahn AG (OHE).

Im Mai 1977 war der regelmäßige Schienenpersonenverkehr zwischen Lüneburg und Bleckede eingestellt worden. Derzeit wird die Strecke von Museums- und Touristikzügen und vereinzelten Güterzugfahrten bedient.

Pero Schmidt, örtlicher Betriebsleiter der Bleckeder Kleinbahn, erinnert an Fahrgastzahlen von über 300 000 pro Jahr noch in den 1970er-Jahren. 1993 war vom Landkreis Lüneburg eine erste Studie über eine Wiederaufnahme des regelmäßigen Personenverkehrs in Auftrag gegeben worden.

Bahn ist derzeit langsamer als Bus

Die „Studiengesellschaft Verkehr“ aus Hamburg hatte im Sommer 1994 die Ergebnisse vorgelegt, dabei Investitionskosten von 24,5 Millionen Mark errechnet, unter anderem für Arbeiten am Gleiskörper, damit die Züge 80 km/h fahren können – die Überlegungen für eine Wiederaufnahme des regelmäßigen Personenverkehrs wurden nicht weiter verfolgt.

Eine weitere Studie wurde angefertigt, als Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) 2013 ein Programm zur Wiederbelebung von stillgelegten Bahnstrecken auflegte – acht Strecken wurden damals in das weitere Verfahren aufgenommen, Bleckede verpasste diese Schwelle nur knapp. Dabei seien einzelne Aspekte, etwa die touristische Bedeutung der Bahnlinie Lüneburg-Bleckede, nicht einmal entsprechend berücksichtigt worden, findet Pero Schmidt.

80 km/h – so schnell konnten die Züge auf der Strecke zur Zeit der Studie von 1993 nicht fahren, das können sie auch heute nicht. Und so dauert die Bahnfahrt im Probeverkehr in der übernächsten Woche auch rund zehn Minuten länger als die entsprechende Busfahrt zwischen Lüneburg und Bleckede. Pero Schmidt: „Bei einer eventuellen Ertüchtigung der Strecke für Fahrgeschwindigkeiten bis zu 80 km/h könnte die Fahrzeit aber auf rund 29 Minuten, inklusive notwendiger Zugkreuzungen für den Stundentakt, reduziert werden.

Fahrgäste sollen Fragebogen beantworten

Die Bleckeder Kleinbahner werden die Fahrgäste während des fünftägigen Probebetriebs um die Beantwortung eines anonymen Fragebogens bitten. Schmidt: „Die Ergebnisse der Fahrtage werden wir den entsprechenden Stellen zur Verfügung stellen.“

Die Ziele der Bleckeder Kleinbahner sind aber höher gesteckt: Sie schlagen eine Gesamtstudie vor, in der untersucht werden soll, wie Bahn- und Busverkehr in der Region sinnvoll verknüpft werden können. Pero Schmidt: „Bahn und Bus sollen sich sinnvoll ergänzen.“

Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (CDU) freut sich schon auf den fünftägigen Anschluss seiner Stadt an das Personenzugbahnnetz – Ehrensache ist es für ihn deshalb auch, bei mindestens einer Fahrt nach Lüneburg und zurück dabei zu sein. „Vielleicht ist das ja eine Option für die Zukunft“, sagt der Rathauschef.

Von Ingo Petersen

Fünf Fahrten je Richtung täglich

In der Woche vom 15. bis 19. Mai verkehren Züge von Lüneburg (Bahnhof, Gleis 4) nach Bleckede um 7.44 Uhr, 9.44 Uhr, 13.44 Uhr, 15.44 Uhr und 17.44 Uhr. In der Gegenrichtung ist Abfahrt von Bleckede um 6.33 Uhr, 8.33 Uhr, 12.33 Uhr, 14.33 Uhr und 16.33 Uhr.

Die Züge halten auch in Neetze und Scharnebeck. Die Fahrzeit beträgt jeweils 40 Minuten, für die Züge von Bleckede nach Lüneburg gibt es Anschlüsse nach Hamburg und Uelzen jeweils innerhalb von 15 bis 20 Minuten.

HVV-Zeitkarten, Tageskarten, Einzelfahrausweise und das Niedersachsenticket werden zwischen Lüneburg und Bleckede anerkannt.

Einzelfahrausweise für die Züge zwischen Lüneburg und Bleckede werden unterwegs verkauft, gelten nur hier und berechtigen nicht zum Umstieg in Angebote des HVV.

Die Einzelfahrt zwischen Lüneburg und Bleckede kostet 3,20 Euro (Erwachsene)

14 Kommentare

  1. Darauf habe ich schon lange gewartet!
    Hoffentlich setzt die Bahn sich durch und entlastet somit auch die Straßen. Ich freue mich auf die „Probewoche“!

    • Hoffentlich setzt die Bahn sich durch.
      wird sie nicht. die ohe ist wegen der unterhaltungskosten auf die strasse ausgewichen. die muss sie nämlich nicht unterhalten und bezahlen. dafür kamen busse.

      • Pero Schmidt

        Klaus Bruns: Das stimmt absolut nicht. Die Bleckeder Bahn hatte bis 1975 einen sehr dichten Schienenpersonenverkehr und eine ausgeglichene Bilanz. Es wurden jährlich weit mehr als 300.000 Personen befördert. Als die eingesetzten Triebwagen in den 1970er Jahren erneuert werden mussten gab es eine politische Entscheidung: Bus statt Bahn. Warum auch immer (Zeitgeist der 1970er Jahre). Klar muss die Eisenbahn ihren eigenen Fahrweg unterhalten… im Gegensatz zu den Bussen, die fast kostenfrei auf öffentlich geförderten Straßen fahren.

        Sollte man Ihrem Szenario glauben schenken wäre die heutige Situation eigentlich undenkbar: Noch heute fahren Personenzüge auf der Strecke (Touristikzüge, im vergangenen Jahr nutzen weit über 6.000 Perdsonen diese Reisemöglichkeit und gaben Geld in der Region aus), ebenfalls Güterzüge und Zuführungsfahrten von Lokomotiven zum Eisenbahnausbesserungswerk Bleckede, um dort die Arbeitsplätze zu unterhalten.

        Die Strecke LEBT. Und sie versucht, sich weiter zu entwickeln. Und das ist auch gut so…

        • Pero Schmidt

          glauben sie mir bitte, ich habe hier insider-wissen. mein vater war fahrdienstleiter und obersekretär bei der ohe. in celle wurde das ganze ausgeheckt. den ehemaligen leiter von der kvg hat mein vater noch selbst bei der ohe ausgebildet. aktiengesellschaften wollen rendite sehen und sparen wo sie können.
          ansonsten rennen sie bei mir offene türen ein.

          • Emil Petersen

            Ich dachte immer, der Niedergang der OHE hätte mit dem Niedergang der Salzgitterchemie zu tun gehabt. Die OHE (Eisenbahnen, Mehrzahl) entstanden 1944 durch den Zusammenschluss mehrerer Kleinbahngesellschaften im Raum Nordostniedersachsen. Die Gründung einer einzigen Bahngesellschaft war nicht nur wirtschaftlich motiviert, sondern auch stark politisch gefordert. Im nationalsozialistischen Deutschen Reich war das Netz der zukünftigen OHE im Regierungsbezirk Lüneburg gelegen, der dem NSDAP-Gau Ost-Hannover angehörte (deckungsgleich mit dem Gebiet des Reichstagswahlkreises 15, Ost-Hannover) und auch namensgebend für die Gesellschaft wurde.Bei der Gründung waren als Hauptaktionäre der preußische Staat und die Provinz Hannover mit zusammen 53 % beteiligt. Die Landkreise Celle, Fallingbostel, Gifhorn, Harburg (Verwaltung Winsen) und Lüneburg besaßen Aktien in unterschiedlichem Maße entsprechend den dortigen Streckenabschnitten.War es nicht so, dass die OHE vor allem kriegs- und waffentechnisch wichtige Gütertransporte auf eigenen Strecken und im Netz der Deutschen Bahn durchgeführt hat und der schienengebundene Personenverkehr der OHE bis 1977 schrittweise eingestellt wurde, WEIL der industrielle Gütertransportbedarf eingebrochen ist?

  2. Günther Behrendsen

    Es wird bestimmt eine Interessante Woche werden. Für alle.
    Aus meiner Sicht ist eine vernünftige Kombination aus Bahn- und Busverkehr gerade in unserer doch eher ländlichen Region unerlässlich.

    Mit wenigen Worten gesagt: Die Busse sollten als Zubringer zur Bahn fungieren, hierzu können auch ggf. kleinere Busse eingesetzt werden. Die Bahn übernimmt dann die Fahrgäste und befördert sie zwischen den Städten, wo dann Busse wieder die Verteilung übernehmen. Wenn das alles mit vernünftigen Fahrplänen aufeinander abgestimmt wird, wird der öffentliche Personennahverkehr für viele wieder interessant werden.

  3. Prinzipiell eine gute Idee. Doch befürchrte ich, dass der vorgesehene ex AKN-Triebwagen nicht das leisten kann, was man hier eigentlich demonstrieren möchte: Modernen Nahverkehr (Barrierefreit, ökologisch + ökonomisch-effizient, zügige Beschleunigung, ansrechendes Design und zeitgemäßer Komfort). Somit könnte der beabsichtigte Marketingeffekt verpuffen. Aber lassen wir uns überraschen. Ich hoffe jedenfalls unabhängig von den Tests auf positive Signale für eine nachhaltige Optimierung des ÖPNV.

  4. Geniale Initiative!
    Schon seinerzeit war, mit dem GDT (GroßraumDieselTriebwagen) der OHE, ein für seine Zeit durchaus moderner Triebwagen zwischen Alt-Garge und Lüneburg gefahren.
    Als Fahrgast (Fahrschüler) und weil mein Elternhaus dicht an der Bahn liegt, war mir immer der angenehm niedrige Lärmpegel aufgefallen. Zum Vergleich hatten wir immer die Schienenbusse der Bundesbahn, die in Lüneburg auf dem gleichen Gleis 5 mit ihrem ohrenbetäubenden Lärm nach Lübeck abfuhren.
    Die Bahn bietet sich meiner Meinung nach auch als Kombinations-Verkehrsmittel mit dem Fahrrad an.

    Genial ist schon heute die Kombination mit einem zeitgemäßen Falt-Fahrrad, das absolut mit „grossen“ Rädern vergleichbare Fahreigenschaften hat, in wenigen Sekunden zusammengefaltet werden kann und in allen Zügen kostenlos mitgenommen werden kann.
    Diese Falträder gibt es auch als Elektro-Fahrräder (Pedelec / E-Bike) und sie wiegen dann, inkl E-Motor und Akku für 30km Reichweite, nicht mehr als jene unsäglichen „Klappräder“ aus der Zeit als noch die OHE nach Bleckede bzw Alt Garge fuhr.
    Und wir sollten nicht vergessen, dass auch der aktuelle Probe-Triebwagen immer noch Technik aus dem letzten Jahrtausend ist.
    Stellen wir uns doch vor, auf der Bleckeder Bahn führe ein zeitgemäßer Doppelstock-Triebwagen mit z.b. einem grossen Fahrradabteil, ähnlich den Fahrradwagen des Metronom.

    • der überland-express von lüneburg über bleckede nach altgarge bitte einsteigen. wärend der fahrt ist blumen pflücken und aus dem fenster spucken verboten. schmunzel.

  5. Ich würde es begrüßen, wenn im späteren Regelverkehr auch über weitere Zwischenhalte, wie z.B. Boltersen nachgedacht wird.

    An alle Autofahrer – nächste Woche an der Strecke gut auf die unbeschrankten Bahnübergänge achten.

    • Warum nur nächste Woche „gut auf die unbeschrankten Bahnübergänge achten“?

  6. Emil Petersen
    sie haben natürlich recht, als die panzerzüge wegblieben ,ging es auch mit der ohe bergab. WEIL der industrielle Gütertransportbedarf eingebrochen ist? auch dieses ist richtig. die umstellung auf busse war nicht ohne. in dieser zeit hatte nicht jeder einen führerschein. so mancher wurde versetzt, oder blieb ,,auf der strecke,,.

  7. Wenn der Lärm nicht wäre – in den 70ern gab es sicher weniger Anwohner als heute, und der Zug hupt leider alle Nase lang. Also wenn schon, dann bitte auch modernere Bahnübergänge mit Signal, damit diese Störung nicht sein muss.

  8. Ich würde ja gerne bei dem Test mitmachen, aber kurz vor 8 los und kurz vor 5 zurück ist als HH-Pendler mit Vollzeitjob nicht zu schaffen.