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Sie setzen sich gemeinsam für bessere Bedingungen der Geburtshilfe in Deutschland ein: freiberufliche Hebammen und die Hebammen des Klinikums Lüneburg.

Geburtshilfe in Gefahr

Lüneburg. Bundesweit wird es für werdende Mütter immer schwieriger, eine Hebamme für die intensive Betreuung vor, während und nach der Geburt zu finden. Wegen g eringer Bezahlung und extrem gestiegener Versicherungsbeiträge geben viele freiberufliche Hebammen ihre Tätigkeit auf. Gleichzeitig gibt es immer weniger geburtshilfliche Abteilungen in den Kranken­häusern Deutschlands. Der zunehmende Hebammenmangel ist auch in Lüneburg spürbar. Deshalb melden sich die Frauenklinik des Klinikums und die freiberuflichen Hebammen in Lüneburg anlässlich des Internationalen Hebammentags am heutigen Freitag gemeinsam zu Wort, um auf die schwierigen Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen.

„Die große gesellschaftliche Wertschätzung von uns Hebammen steht im deutlichen Gegensatz zur unzureichenden Bezahlung“, beschreibt Iris Labatz die aktuelle Situation. Sie ist Vorsitzende der freiberuflichen Hebammen in der Region Lüneburg. „Steigende Geburtenzahlen und zu wenig Nachwuchs an ausgebildeten Hebammen führen zu immer mehr Arbeitsbelastung. Viele von uns müssen deshalb schon lange vor dem eigentlichen Rentenalter aus ihrem Beruf ausscheiden.“ Dabei sei die Arbeit der Hebammen ein unersetzlicher Bestandteil guter Geburtshilfe. Auch viele Mütter würden betonen, wie wertvoll und hilfreich schon der Geburtsvorbereitungskursus gewesen sei. Denn Hebammen informierten realistisch, ohne Angst zu machen. Und durch die geborgene Atmosphäre während einer Geburt, die vertrauens- und respektvolle Zusammenarbeit von Hebammen und Ärzten könne man sich beruhigt fallen lassen.

Abnahme geburtshilflicher Abteilungen

Dieser positiven Beurteilung steht die Abnahme geburtshilflicher Abteilungen gegenüber. Gab es im Jahr 1991 noch 2411 Kliniken in Deutschland mit 1186 Abteilungen für Geburtshilfe – das entspricht einem Anteil von 49 Prozent –, waren es 2015 noch 1956 Kliniken mit 709 Abteilungen für Geburtshilfe – ein Anteil von nur noch 36 Prozent.

Prof. Dr. Peter Dall, Chefarzt der Frauenklinik in Lüneburg, sagt: „Die Arbeit der Hebammen und des gesamten Teams der Geburtshilfe verdient große Wertschätzung.“ Das Personal an der Bögelstraße wurde in diesem Bereich aufgestockt, zusätzliche Dienste eingeführt, eine Rufbereitschaft am Wochenende eingerichtet. In Lüneburg werden selbst kleinste Frühgeborene versorgt, das Einzugsgebiet reicht weit über die Grenzen der Region hinaus. „Unser Team der Kreißsaalhebammen tauscht sich regelmäßig mit der Entbindungsstation und den Ärzten aus“, erläutert die Leitende Hebamme Antje Kuhrau. Außerdem gebe es ein jährliches Treffen mit den freiberuflichen Hebammen.

Die widerum sind untereinander ebenfalls gut vernetzt. Geburten sind auch mit dem „Hausgeburtsteam Hand in Hand“ oder im Geburtshaus möglich. Zurzeit erarbeiten die Hebammen ein Nachsorgekonzept für Wöchnerinnen während der Ferienzeiten, und sie werden eine Hebammensprechstunde im Lüneburger Geburtshaus anbieten.

Bessere Finanzierung notwendig

Das Klinikum strebt eine 1:1-Betreuung der Hebammen für Mütter während der Geburt an, die auch vom Deutschen Hebammenverband gefordert werde. Diese intensive Betreuung, das Vorhalten von Hebammen und Ärzten sowie die angemessene Bezahlung sind kostenintensiv. Dafür sei eine deutlich bessere Finanzierung notwendig.

Die Lüneburger Grünen-Politikerinnen Dr. Julia Verlinden und Miriam Staudte haben den Hebammen bei einem Treffen zugesagt, sich für eine Verbesserung der Geburtshilfe im Bundestag und im Landtag einsetzen zu wollen. red