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Ein Gützerzug fährt durch den Lüneburger Tiergarten. Sie gelten als besonders laut, gerade Anwohner möchten deshalb, dass möglichst wenige von ihnen auf der Strecke durch die Stadt fahren.

Risikofaktor Güterverkehr

Lüneburg. Komplex bis verwirrend und viele Fragen offen. Dieses Bild mussten die Mitglieder des Verkehrsausschusses gewinnen, der sich jetzt über den aktuellen Stand der Planungen zur Umsetzung der Alpha-E-Variante im Raum Lüneburg informieren ließ. Dabei zeigte sich, auf welches Dilemma die Stadt zusteuert, wenn sie an ihren Forderungen zur Reduzierung des Schienen-Güterverkehrs durch Lüneburg festhält.

„Wenn die Umfahrung kommt, wird nicht der Güterverkehr, sondern der Schnellverkehr umgelenkt“, warnte Ulrich Löb (Grüne). Er stellte sich damit ebenso wie seine Fraktionskollegin Claudia Schmidt gegen die Forderung der Stadt zu einer Neubaustrecke, die Lüneburg vom zunehmenden Güterverkehr entlasten soll. „Statt weiter an einer Ortsumfahrung festzuhalten, sollten wir unsere Kräfte darauf konzentrieren, einen besseren Lämschutz an der Bestandsstrecke zu bekommen“, sagte Löb.

Doch ob eine Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover entlang der A7 oder lediglich eine Ortsumfahrung von Lüneburg als kleinere Variante von der Bahn überhaupt in Betracht gezogen wird, scheint derzeit ebenso unklar wie vieles, was die Umsetzung von Alpha E betrifft, wie Dr. Karl-Heinz Rehbein, Umweltbeauftragter der Stadt, deutlich machte. Eines zeichne sich aber ab: „Orientierung für die künftige Infrastruktur der Bahn sind deren Zielfahrpläne für das Jahr 2030.“ Diese sehen laut Rehbein eine Fahrzeitverkürzung auf der ICE-Strecke Hamburg-Hannover von elf Minuten vor, um Hamburg als wichtigen Knotenpunkt besser in den Deutschlandtakt der Bahn einbinden zu können.

Mogelt sich die Bahn an den Vorgaben vorbei?

Zwar erwartet die Stadt, dass die Bahn ihren zusätzlichen Güterverkehr dann auf die Neubaustrecke oder Ortsumfahrung schickt, doch ob es so kommt, ist nicht nur ungewiss, es birgt für Lüneburg auch Risiken, wie Stadtrat Markus Moßmann aufzeigte. Er sprach von einem „Zielkonflikt“, weil dadurch auch der für Lüneburg selbst wichtige Güterverkehr eingeschränkt werden könnte. Deshalb, aber auch, weil die Stadt auf den Ausbau im Personennahverkehr der Bahn setze, sei der dreigleisige Ausbau der Strecke Lüneburg-Uelzen wichtig. Die Verwaltung drängt in dem Fall aber auf den dafür gesetzlich vorgesehenen Lämschutz von der Ilmenaubrücke bis nach Wilschenbruch. Allerdings sieht Rehbein die Gefahr, dass die Bahn sich daran vorbeimogeln könnte: „Ich vermute, dass sie mit vielen kleinen Maßnahmen versucht, unter der Schwelle zu bleiben, ab der ein gesetzlicher Lärmschutz vorgeschrieben ist.“

„Wir müssen abwarten, was die Bahn plant und ob wir gegebenenfalls den Druck erhöhen müssen“, sagte Moßmann und zog sich damit den Unmut von Dr. Gerhard Scharf (CDU) zu: „Das reicht mir nicht, einfach nur abwarten, ist zu wenig!“ Wenn die Stadt sich nicht frühzeitig in laufende Entscheidungen einbringe, „habe wir keine Chance mehr“. Scharf forderte deshalb bereits jetzt eine klare Stellungnahme seitens der Stadt, die sich dabei auf wenige Punkte konzentrieren sollte. „Dieses Ding durch Lüneburg zu legen, wäre eine Katastrophe. Ich kann dann nur sagen: Leute wehrt Euch!“

Zu früh für Statements

Das stieß sowohl beim Ausschussvorsitzenden Jens-Peter Schultz (SPD) als auch bei Birte Schellmann auf wenig Zustimmung. „Es ist zu früh für Statements, wir sind erst am Anfang des Verfahrens“, sagte Schultz. Michèl Pauly (Linke) sprach sich dagegen aus, die „normative Stellungnahme der Stadt“ einfach nur zur Kenntnis zu nehmen: „Das trage ich nicht mit.“ Auch solle man sich lösen von der Vorstellung, sich bei der Alpha-E-Variante nur die Rosinen rauspicken zu können. „Man muss sich entscheiden: Entweder man trägt das Ergebnis mit oder nicht.“ Dem widersprach Moßmann, „außerdem sehe ich mich derzeit zu einer Stellungnahme auch noch gar nicht in der Lage“.
Frühzeitige Stellungnahmen sind durchaus willkommen

Dass sogar die Bahn selbst frühzeitige Hinweise begrüße, macht Armin Skierlo, Sprecher Großprojekte der Bahn AG, auf LZ-Nachfrage deutlich. Auf die Umfahrung angesprochen, führt Skierlo aus, dass sich dadurch Möglichkeiten ergeben, Güterzüge an Lüneburg vorbei zu führen. „Eine etwaige Umfahrung kann besonders nachts vom Güterverkehr genutzt werden, wenn kaum oder keine Personenzüge mehr unterwegs sind.“

Mit ersten belastbaren Ergebnissen ist laut Rehbein im ersten Quartal 2018 mit der Vergabe der Planungsleistungen zu rechnen. Der nächste „Runde Tisch“ im Landkreis Lüneburg ist im Oktober geplant. Dass es bei der jüngsten Zusammenkunft am 23. März in Deutsch Evern keine Bürgerinitiative aus Lüneburg ihre Stimme erhoben hatte, bezeichnete Rehbein als „höchst misslich“.

Von Ulf Stüwe

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3 Kommentare

  1. Die Herren und Damen Abgeordnete sollten sich mal lieber dafür einsetzen, dass der Bahnknoten Lüneburg attraktiver/ausgebaut wird.
    Die Stadt feiert sich dafür, dass man mit dem Zug schnell Hamburg erreicht, das man Fahrradparkhäuser hat am Bahnhof, das viele Busse zum Zob (am Bahnhof) fahren und und und. Doch der Bahnhof ist auf dem zweiten Blick ziemlich runtergekommen: Die Treppenaufgänge schimmeln auf mehreren m² dass bereits der Putz abfällt, die Fußgängerunterführung ist immer Nass und richt moderig. Zudem Dunkel. Die Bahnhofsdächer haben eigentlich Glasscheiben, durch diese kann man aber seit Jahren nichts mehr sehen. Es ist extrem zugig auf dem Bahnsteigen und Sitzplätze gibt es auch kaum (im Verhältnis zu der Anzahl der Passagiere die hier ein und aussteigen). Weder im Bahnhof noch auf dem Bahnsteigen.
    Für die Bahn ist Lüneburg immernoch ein kleinre Bahnhof, deswegen bringen auch keine Beteuerungen etwas das die Bahn zuständig sei und man ggf. mit der Bahn sprechen werde/wolle. Hier sollte die Stadt selbst Initiative ergreifen (vergleiche Hamburg: Dort ist jetzt die Stadtreinigung für den Bahnhof zuständig; nicht die Bahn). Allen sollte bewusst sein, das der Bahnhof die Visitenkarte der Stadt sein sollte, denn hunderte oder gar tausende Touristen kommen nunmal mit dem Zug (die Politiker scheinbar nicht).
    Dazu sollte man auch ein wenig links und rechts schauen. Stichwort der alte Güterbahnhof sieht aus wie ein sozialer Brennpunkt oder gar eine Müllhalde aus dem Zug!

    Aber nein, was machen die Politiker? Sie setzen sich dafür ein das eine Umgehung gebaut wird und wollten das weniger Züge durch Lüneburg fahren. Wie schon im Artikel erwählt: Klar man hat die Intension den Güterverkehr zu verbannen und den Personenverkehr zu stärken, aber daraus wird nichts. Personenverkehr muss schnell laufen, Güterverkehr kann langsam fahren.

    • Banknoten? Wieso Banknoten?

      Knack-knack, Rabumm, Millionenbeute: In derart debilen Worten beschreiben Medien das Aufbrechen von Geldautomaten, Europas Bankenproblem Nr. 2 (nach Zypern). Doch jetzt haben Forscher der ETH Zürich eine Methode entwickelt, die Automatenknackern künftig das Erwerbsleben schwermachen soll: Heißer, flüssiger Schaum, der den Tunichtguten entgegenspritzt und zugleich die Banknoten ungültigfärbt. Und das ist nicht alles: Gibt ein Kunde dreimal die falsche Geheimnummer ein, so spritzt ihm der Automat sogenannte „Denkzettelsäure“ ins Gesicht (leicht prickelnd, aber gesundheitlich unbedenklich). Will jemand von einem überzogenen Konto mehr als 10 Euro beheben, brennt ihm der Automat ein Kainsmal auf die Stirn (schmerzlos!), das erst am nächsten Monatsersten verblaßt. Besetzen russische Truppen den Geldautomaten, dann wählt der Automat automatisch die Telefonnummer der NATO. Macht sich ein Marder oder eine Ratte am Automaten zu schaffen, so öffnet sich eine Spezialklappe, die eine dressierte Katze freigibt, um das freche Nagetier in die Flucht (abgebr. wg. russ. Besetzung)

    • Frank Henschel

      Für mich gehört der Bahnhof raus in die Wresdorfer Heide auf das Gelände von den alten Schlachthof. Und da wo der Bahnhof jetzt ist gehört eine überdachte Wolli-Ballsportarena mit Fussball, Tennis und Leichtatlethick hin.