Donnerstag , 15. November 2018
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Eisvögel findet man an der Elbe eher selten, denn zum Brüten benötigen die Vögel sandige Steilhänge. Doch die gibt es kaum an dem großen Strom. Umso glücklicher ist Hans Röhr über den Schnappschuss, der ihm gelang. Foto: nh/röhr

Er wartete auf den Biber – und fand den Eisvogel

Barförde. Wer inmitten der Natur lebt, ist für ihre Schönheit meist unsensibel geworden. Nicht so Hans Röhr: Ein kurzer Gang über den Deich – und s chon legt sich der Hobbyfotograf mit Teleobjektiv und Stativ auf die Lauer, beobachtet oft stundenlang geduldig die Tierwelt in der Elbtalaue. Gerade jetzt im Frühling, wenn alles erwacht, kommen ihm zahlreiche geeignete Motive vor die Linse, mitunter auch winzig kleine Überraschungen – wie die zwei bunt schillernden Eisvögel.

Hans Röhr ist leidenschaftlicher Fotograf. Erwacht die Natur im Frühjahr zum Leben, ist er mit seiner Kamera stundenlang an der Elbe unterwegs. Foto: t&w

Ein Exemplar dieser Art hatte er schon zu einem früheren Zeitpunkt fotografiert – auch damals eher durch Zufall: „Eigentlich hatte ich auf den Biber gewartet“, erzählt der Landwirt, „und plötzlich saß da dieser kleine Vogel auf einem Ast, fliegt unerwartet los und steht wie ein Kolibri über dem Wasser.“ Das Tier stürzte sich kopfüber in die Fluten und kam mit einem Fisch im Schnabel wieder an die Oberfläche. „Ich hatte ihn in der Folge noch öfter zu sehen bekommen“, so Röhr, „und konnte beobachten, wie er zu einem anderen Zeitpunkt mit seiner Beute ins Inland geflogen ist.“ Klarer Fall für den Hobbyfotografen: Der Eisvogel hat ein Nest.

Umgestürzte Bäume reichen Eisvögeln wohl aus

„Das war eigentlich erstaunlich“, sagt der Landwirt, „denn die Tiere benötigen für die Ablage ihrer Eier eine Bruthöhle, die sie mit dem Schnabel in eine senkrechte Wand aus Lehm oder festem Sand graben. Solche Voraussetzungen haben wir hier aber gar nicht.“ Das zumindest dachte er zunächst. Bis ihm die Pappeln einfielen.

„Vor einiger Zeit waren hier zahlreiche Bäume umgestürzt“, erklärt Röhr, „und liegen seitdem mit ihren großen Erdtellern an der Wurzel auf dem Boden.“ Das habe den Vögeln wohl ausgereicht: Drei Nisthöhlen habe er in einem der riesigen Pappelfundamente gefunden – und wenig später die beiden Jungvögel an der Elbe fotografiert. „Wenn die Tiere die Brutstätte verlassen, werden sie noch ein paar Tage von den Eltern versorgt und sind dann auf sich alleine gestellt“, erklärt Röhr. Der Nachwuchs, der ihm vor die Linse kam, sei auf der Suche nach Nahrung wohl dem Alttier gefolgt.

Für dieses Jahr hat sich der Hobbyfotograf in Bezug auf die Eisvögel weitere Ziele gesteckt: „Ich werde mich an der Bruthöhle auf die Lauer legen, um ein Tier mit Beute für den Nachwuchs zu erwischen“, verrät er. Sollte das nicht gelingen, wird es ihm an Motiven dennoch nicht mangeln: Biber, Adler oder Nutria, diese auch als Albino-Exemplar, Moorfrösche und Störche – die Vielfalt der geeigneten Objekte ist groß. Nur zu sehen bekommt die Schnappschüsse kaum einer: „Mitunter erscheinen meine Bilder mal in der Zeitung oder im Neuhäuser Kalender“, sagt Röhr, „der Rest wird aber nur auf einem USB-Stick gespeichert und verschwindet dann in der Schublade.“

Von Ute Lühr

Sandige Steilwand bevorzugt

Eisvögel an der Elbe – das ist schon etwas Besonderes: „21 bis 50 Brutpaare gibt es im Landkreis Lüneburg“, sagt Vogelexperte Heinz Georg Düllberg – „das ist nicht gerade viel.“

Damit der kleine Fischräuber sich wohlfühlt, bedarf es mehrerer Faktoren: „Auf jeden Fall muss in unmittelbarer Nähe ein Gewässer sein“, sagt Düllberg, außerdem benötige der Eisvogel sandige Steilhänge zum Brüten.

Dass der Eisvogel direkt in der Elbe auf Beutezug geht, glaubt Heinz Georg Düllberg freilich nicht, „wahrscheinlich nutzt er einen Altarm des Stroms.“