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Die Mitglieder der Bleckeder Willkommensinitiative wünschen sich ein Bürgerzentrum, doch die Stadt setzt andere Prioritäten. Aufgeben wollen sie deshalb nicht. Foto: t&w

Bleckede: Awo-Pläne lösen sich in Luft auf

Bleckede. Die Bleckeder „Willkommensinitiative“ wünscht sich ein Bürgerzentrum – genauso wie CDU, SPD und Grüne. Ein Gebäude war von der Stadt bereits ins Auge gefasst worden: die ehemalige Rossmann-Filiale in der Breiten Straße (LZ berichtete). Doch der Plan ging nicht auf – der Eigentümer hat es anderweitig verkauft. Jetzt fehlt der Stadt Bleckede nicht nur ein passendes Objekt, auch das nötige Geld ist nicht vorhanden.

Am liebsten alles unter einem Dach

Dabei brauche Bleckede dringend ein Bürgerzentrum, da sind sich die ehrenamtlichen Mitglieder der Initiative einig: „Wir brauchen eine Begegnungsstätte für Bleckeder Bürger und Flüchtlinge. Außerdem wollen wir ein Zentrum, damit alles unter einem Dach ist.“ Das sei vor allem aus organisatorischen Gründen sinnvoll, denn derzeit fänden ehrenamtliche Projekte wie Fahrradwerkstatt, Willkommenscafé oder Kleider- und Sachspendenlager in verschiedenen, teils privaten Räumen statt. Was fehle sei Platz, um all das zu bündeln, sich zu treffen oder Deutsch zu unterrichten. Die „Willkommensinitiative“, so Achmed Date, engagiere sich für Bedürftige und Flüchtlinge. Von denen gebe es nicht wenige, sagen die Mitglieder: „Bleckede gilt als sozialer Brennpunkt.“ Fest machen Sprecher der Initiative das an Sozialdaten der Sozialleistungsempfänger und dem Mietniveau. Deshalb möchte die Initiative die Politik aktivieren, hat sich dazu organisatorisch unter das Dach der Awo-Bleckede gestellt, „um einen kompetenten Verein an der Seite zu haben“.

„Wir dachten, wir ziehen da ein!“

Dass das angedachte Objekt in der Breiten Straße zur Verwirklichung dieser Pläne nicht mehr zur Verfügung stehe, sei mehr als überraschend für die Mitglieder gewesen: „Das war schon alles sehr konkret. Wir dachten, wir ziehen da ein!“, sagt Marina Ahrend. Aber von diesem Rückschlag wolle man sich nicht unterkriegen lassen, ebenso wenig vom fehlenden Geld: „Die Bedürfnisse sind jetzt da und nicht übermorgen. Wir hängen in der Luft, was das Zentrum angeht, aber wir wollen jetzt weiterarbeiten“, sagen die Ehrenamtlichen und fragen sich „Wann gibt es das Geld?“

Eine konkrete Antwort hat Bleckedes Bürgermeister Jens Böther (CDU) auf diese Frage nicht. Sicher sei nur: Derzeit ist das Bürgerzentrum im Haushalt nicht eingeplant. Zwar sehe er in der Idee viele gute Ansätze, dennoch habe die Stadt „derzeit keine Mittel, um kurzfristig zu reagieren.“ Das Bürgerzentrum steht seit dem Spätsommer vergangenen Jahres zur Diskussion, „aber“, so Rathauschef Böther, „Dinge entwickeln sich und es hat seitdem viele Veränderungen gegeben.“ Vor allem bei der Haushaltslage: „Wir hatten deutliche Gewerbesteuereinbrüche und somit Not, den Haushalt überhaupt auszugleichen. Das ging nur durch viele Einsparungen.“

Nach dem Wegfall des Rossmann-Objektes habe die Stadt zwar ein weiteres Gebäude gefunden, doch auch dieser Plan könnte zerschlagen werden: „Der Eigentümer meldet sich seit Wochen nicht mehr, um einen Kaufpreis zu nennen“, erklärt Böther, der bei der Beschlusslage vom Rat damit beauftragt wurde, Ausschau nach geeigneten Objekten zu halten. „Und das tue ich auch nach wie vor“, beteuert er, „aber wir knappsen bei unserer Finanzkraft schon an dem, was wir wuppen können. Wir haben weder Raum noch Geld für die Unterbringung eines Zentrums.“

Kein Geld, dafür wieder freie Räume

Eine weitere Veränderung, die sich in den vergangenen Monaten ergeben hatte: Das Bleckeder Haus im Schützenweg ist wieder in der eigenen Bewirtschaftung der Stadt. Der Pachtvertrag mit der Lüneburger Campus Management GmbH wurde zum 1. April aufgelöst. „Räume stehen also wieder zur Verfügung, der Bedarf für neuen Raum ist somit geringer“, sagt Böther. Außerdem ziehe die Feuerwehr-Kleiderkammer um ins Feuerwehrhaus, daher könne die Kleiderkammer der Initiative nun kostenlos in die Räumlichkeiten der Stadt in der Lüneburger Straße ziehen. „Auch das ist eine Entschärfung der Situation“, findet Böther und betont: „Wir haben derzeit andere Baustellen, zum Beispiel den Ausbau der Ganztagsschule. Wir müssen mit dem auskommen, was wir haben.“

Von Patricia Luft