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Der Kiebitz fühlt sich in der Region immer weniger wohl. Seine Nester werden von der Landwirtschaft zerstört, erklärt Vogelexperte Frank Allmer. Foto: nabu/nh

Auch im Landkreis haben Feldvögel es schwer

Lüneburg/Berlin. Es wird stiller im Landkreis Lüneburg. Der Gesang der alteingesessenen Feldvögel wie Kiebitz oder Uferschnepfen ist mittlerweile fast ausgestorben – genau wie die Vögel selbst. Und auch Feldlerche und Rebhuhn haben sich rar gemacht in der Region. „Früher habe ich um Südergellersen herum etwa 30, 40 Feldlerchen singen gehört“, berichtet der Lüneburger Vogelexperte Frank Allmer. Früher, das war vor etwa 20 Jahren.

Bei einem Spaziergang vor wenigen Tagen bot sich ein trauriges Bild: Nur acht Vertreter dieser Lerchenart sangen um Südergellersen ihr Lied. Und das Rebhuhn? Von 200 Rebhuhn-Revieren vor einigen Jahren gebe es nur noch acht, vielleicht ein paar wenige mehr, sagt Allmer.

Ornithologe Frank Allmer zum Vogelsterben

Dass es immer weniger Vögel gibt, ist ein bundesweiter Trend. „Die Vogelpopulation in Deutschland ist stark rückläufig,“ heißt es in einem aktuellen Bericht der Bundesregierung auf Anfrage der Grünen. Besonders betroffen: Die Vögel, die in der Nähe von landwirtschaftlichen Kulturen leben. Europaweit 300 Millionen weniger als noch vor 20 Jahren. Und die Zahl der Rebhühner sei seit 1990 um 84 Prozent gesunken. Die Ursache liege vor allem in der industrialisierten Landwirtschaft, schreibt die Bundesregierung weiter. Flurbereinigung, Einsatz von Pestiziden und der Verlust von intaktem Grünland zählt sie als Hauptgründe auf.

Mehr ökologische Landwirtschaft nötig

Dem kann sich Frank Allmer nur anschließen. Die Landwirte würden die Felder mit zu vielen Chemikalien behandeln – auch der üppige Maisanbau im Landkreis ist beispielsweise für den Kiebitz ein Problem. „Der brütet jetzt noch auf den Feldern.“ Doch die Felder werden bespritzt, die Eier und sein Nest damit zerstört. Rapsfelder auf der anderen Seite seien zu dicht bewachsen, dort haben Vögel ebenfalls keine Chance sich einzunisten.

Gründe für das Vogelsterben

Damit sich das ändert und es mit der Vogelpopulation wieder aufwärts geht, müsse es zum Umdenken in der Landwirtschaft und Politik kommen, findet Allmer. „Es muss eine ökologischere Landwirtschaft entstehen.“ Dafür solle die EU mehr Anreize schaffen, beispielsweise die enormen Fördergelder an ökologische Richtlinien koppeln. „Das ist eine Frage der Politik. Ich sehe das aber nicht sehr optimistisch, solange wir CSU-Bundeslandwirtschaftsminister haben. Die sind in Sachen Ökologie sehr starrköpfig.“

Was man selbst gegen das Vogelsterben machen kann:

Nicht mehr heimisch, nur zu Gast

Vor allem in der Elbtalaue lassen sich manche seltenen Vogelarten doch nochmal blicken – wenn sie auf Durchreise sind.

Unter anderem rasten die Bekassine und der Rotschenkel, zwei Schnepfenarten, auf ihrem Flug zum Brutgebiet und wieder zurück in dieser Region. „Das verführt zu der Aussage, dass es so schlimm noch nicht um diese Arten hier bestellt sei“, sagt Frank Allmer.

Aber diese Arten nisten schon lange nicht mehr hier. Ihr Brutgebiet haben sie in Asien, zur kalten Jahreszeit fliegen sie in südlichere Gefilde. Nur unterwegs verweilen sie für einen Moment in dieser Region.

Von Robin Williamson

2 Kommentare

  1. Die Industriebauern spritzen die Natur weg und verseuchen unser Grundwasser mit Nitraten durch Überdüngung. Die offene Landschaft um Lüneburg herum ist oft unglaublich trostlos. Kiebitze habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Öko ist der einzige vernünftige Weg, auch wenn ein Umstieg für viele Bauern kulturell schwer zu verkraften ist. Respekt vor der Natur gilt als Gefühlsduselei, Gewinnmaximierung ist alles. Maisverstromung bringt auf Jahre hinaus staatlich festgeschriebene Einnahmen, also her damit. Rauspressen aus der Scholle was geht auf Deubel komm raus.
    Herrn Allmer weiterhin gute Nerven!

  2. Mark Rössler

    Der Experte vom NABU sollte mal überlegen wie in der ökologischen Landwirtschaft Unkräuter beseitigt werden, ich hab noch Nest von Bodenbrütern gesehen, dass das Striegel gegen Unkraut überlebt hat.
    Der Nabu sollte seine Aktivitäten selbst mal kritisch beäugen, der Schutz von Krähen war jedenfalls nicht förderlich für die Bodenbrüter. Zu dem gibt es zu viele streunende Hauskatzen und invasive Arten wie Waschbär oder Maderhund lassen auch kein Nest aus.
    Der NABU als einer der größten Eigentümer an landwirtschaftlicher Fläche in Deutschland könnte doch zeigen wie es geht, leider gibt es nur negativ Beispiele von denen, Jakobskreuzkrautvermehrung, ertrunkene Rinder und Pferde oder angeordnete Nottötungen gegen Rinderherden vom NABU…

    Zu Hans
    Und Biogas war doch DIE Idee von den Grünen samt den anhängenden NGOs, Landwirte sollten Biogas machen, damit mehr erneuerbare Energie erzeugt wird.