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Adendorfs Bürgermeister Thomas Maack wartet auf den ersten Zug, der nach fast 30 Jahren wieder im Ort hält – in zwei Jahren könnte es so weit sein. Foto: t&w

Bahnhaltepunkt auf der Zielgeraden

Adendorf. Geplant, gerechnet und überlegt wird schon seit Jahren – am Computer und auf dem Papier. Nun wird es konkret mit der Einrichtung ein es Bahnhaltepunktes in Adendorf, im Zuge der Strecke Lüneburg-Lübeck: Vertreter von Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), Deutsche Bahn Station & Service, dem Planungsbüro Vössing in Hannover und der Gemeinde Adendorf trafen sich jetzt zur „Planungsauftaktbesprechung“.

Gemeinde und Deutsche Bahn schließen Vereinbarung

Dabei wurden auch Unterschriften geleistet – zum einen wurde die „Planbegleitvereinbarung“ zwischen der DB Station & Service, dem künftigen Betreiber des Bahnhaltepunkts, und der Gemeinde Adendorf abgeschlossen. Diese Vereinbarung ist Grundlage für den Auftrag, den die Gemeinde dann dem Planungsbüro Vössing erteilt hat. Das Büro wird untersuchen, welcher von drei möglichen Standorten der am besten geeignete für den künftigen Bahnhaltepunkt Adendorf ist. Auch die Kosten werden ermittelt, Boden­untersuchungen und Vermessungen vorgenommen.
Als Standorte für den Bahnhaltepunkt kommen in Frage, so Bürgermeister Thomas Maack: Ein Gelände im Bereich der Fußgängerunterführung Waldwinkel. Eine Fläche zwischen dem ehemaligen Adendorfer Bahnhof und der Dorfstraße sowie ein Gelände nördlich der Gemeinde, nahe dem Sportzentrum am Scharnebecker Weg. Maack: „Das Planungsbüro wird ergebnisoffen prüfen, welche Fläche am besten geeignet ist.“

Haltepunkte Bahnhof Adendorf

Nur wenige Parkmöglichkeiten für Kraftfahrzeuge, dafür zahlreiche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder – damit will Bürgermeister Maack Anwohnern die Angst vor zusätzlichem Autoverkehr nehmen. „Der neue Bahnhaltepunkt soll fußläufig und mit dem Fahrrad gut erreichbar sein.“ Und Maack sagt: „Der künftige Bahnhaltepunkt soll eine Ergänzung zum vorhandenen Busverkehr sein.“

50 000 Euro an Planungskosten sind im Haushalt 2017 der Gemeinde Adendorf eingestellt – wird der Bahnhaltepunkt gebaut, bekommt die Gemeinde einen Teil davon zurück. Für das kommende Jahr sei vorgesehen, weitere Mittel in den Haushalt einzustellen. Von den Gesamtkosten des Bahnhaltepunkts wird die Gemeinde am Ende nur 25 Prozent zu tragen haben, der Rest fließt aus Landesmitteln.

„Das Herstellen der Anlageist am Ende kein Hexenwerk.“
Thomas Maack, Bürgermeister

Den Pendler, der mit der Bahn nach Hamburg oder Hannover zur Arbeit fährt, der per Bahn in drei Minuten am Lüneburger Bahnhof ist, sieht der Adendorfer Verwaltungschef als einen typischen Nutzer des künftigen Bahnhaltepunkts. Aber auch für Schüler, die etwa die Berufsbildenden Schulen am Schwalbenberg erreichen müssen. In einem „Konzeptpapier“ der Gemeinde war von „über 300 Ein- und Aussteigern pro Tag“ die Rede.

Der Bau eines Bahnhaltepunkts sei zügig zu schaffen, in acht Wochen bis zu einem Vierteljahr, sagt Thomas Maack, der selbst lange Jahre im Management der Deutschen Bahn tätig war: „Das Herstellen der Anlage ist am Ende kein Hexenwerk.“ Ist das Gelände erst einmal vorbereitet, könne der Haltepunkt mit Fertigbauelementen schnell erstellt werden. 140 Meter lang soll der Bahnsteig werden. „Der liegt 76 Zentimeter über den Schienen, der Einstieg ist damit ebenerdig und barrierefrei“, so Maack.

Vorlaufzeit für ihre Planungen, so Maack, benötige die Deutsche Bahn Netz etwa bei der Fahrplanumstellung. „Das Planungsbüro wird die Durchführung der Baumaßnahme deshalb schon einmal vorsorglich für den Sommer 2019 an die DB Netz melden.“ Was heißt: In zwei Jahren könnte der regelmäßige Bahnbetrieb zwischen Adendorf und Lüneburg beginnen.

„Die Reaktivierung des Bahnhaltepunktes Adendorf befindet sich auf der Zielgeraden.“ Das hatte Sabine Schlemmer-Kaune, Pressesprecherin im Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft und Verkehr, Ende des vergangenen Jahres gesagt – mit den unterschriebenen Verträgen wird es jetzt endgültig „ernst“.

Von Ingo Petersen

Verkehrsminister gab den Anstoß

Zuletzt hatte am 29. September 1979 ein Personenzug der Deutschen Bahn in Adendorf gehalten, seitdem fahren die Züge von Lüneburg bis Echem durch, der damalige Adendorfer Bahnhof wurde stillgelegt, wird schon seit langem als Wohnhaus genutzt.

Stimmen die eine Reaktivierung des Bahnhalts in Adendorf forderten, gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder. Vor vier Jahren hatte der niedersächsische Wirtschaft- und Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) den Startschuss zur Untersuchung von möglichen Haltepunkten und Strecken, die sinnvoll reaktiviert werden könnten, gegeben. Die damit beauftragte Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG), die für die Durchführung des Personennahverkehrs in Niedersachsen zuständig ist, unterzog insgesamt 38 Stationen einer eingehenden Analyse.

Aus den 38 Stationen wurden erst 21, später dann zehn herausgefiltert, deren Umsetzung als „kurzfristig“ möglich eingestuft wurden – darunter Adendorf.