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Viele Bienen verklammen, sterben noch am Boden oder vor dem Stock an Unterkühlung.

Bienensterben: Insekten leiden unter Kälte

Lüneburg. Der bislang ungewöhnlich kalte Frühling macht den Bienen erheblich zu schaffen: „Nicht nur die Pflanzen, auch die Bienen hängen ihr er Entwicklung aufgrund der Witterung etwa 14 Tage hinterher“, sagt Dr. Claus Jürgen von Grabe, Gesundheitsobmann des Kreis­imkervereins Lüneburg. Und seine Vorsitzende Claudia Kutzick ergänzt: „Es ist einfach zu kalt, da fliegen die Bienen nicht.“ Und diejenigen, „die trotzdem den Stock für kurze Sammelflüge verlassen, schaffen es häufig nicht mehr zurück.“

Witterung für Bienensterben verantwortlich

Diese Beobachtung bestätigt auch das Institut für Bienenkunde in Celle, bei dem in den vergangenen Tagen vermehrt Anrufe von Imkern, aber auch von besorgten Bürgern eingegangen waren. Alle mit dem gleichen Tenor: Die Anrufer meldeten auffallend viele sterbende beziehungsweise schon tote Bienen. Grund für dieses Bienensterben ist die kalte Witterung mit Bodenfrost in manchen Nächten. „Wenn sich die Sonne in den Mittagsstunden doch mal blicken lässt, fliegen die Bienen aus ihrem warmen Stock aus und landen auf den noch kalten und oftmals auch feuchten Blüten etwa des Löwenzahns, der zurzeit leuchtend gelb auf der Wiese steht.“

Die Folge: „Die Honigbienen verlieren als wechselwarme Tiere auf den bodennahen Pflanzen so viel Wärme, dass sie nicht wieder starten können“, erklärt Claudia Kutzick und fügt hinzu: „Die Tiere ‚verklammen‘, fallen in eine Starre und gehen ein.“

Und auch die, die es von der Blüte noch bis zum Stockeingang gebracht haben, schaffen es oft nicht mehr in den wärmenden Stock hinein. „Häufig findet man dann kleine zusammengeklumpte Haufen von Bienen mit Pollenladungen“ berichtet Kutzick.

Claudia Kutzick’s Bienen leiden zurzeit genauso wie die der anderen Imker unter der Kälte.

Bienen werden Verluste ausgleichen

Insgesamt aber, so die Vorsitzende des Kreisimkervereins Lüneburg, werden die Bienen mit dieser Situation wohl zurechtkommen und im Laufe des Jahres auch ihre Verluste ausgleichen. Problematischer dagegen ist die Kälte für viele Obstbauern und Hobbygärtner: Die Blüten vieler Steinobstsorten sind in den kalten Nächten erfroren. Und die, die den Frost überstanden haben, werden von deutlich weniger Bienen abgeflogen: „Die Ernte wird wohl geringer ausfallen“, prognostizieren von Grabe und Kutzick unisono.

Unter dem geringeren Blüten- und damit Futterangebot leiden auch die Bienen. „Futterkontrollen in den Bienenkästen sind in diesem ausgesprochen kühlen Frühjahr daher dringend geboten“, rät Kutzick ihren Imker-Kollegen, denn viele Völker haben ihr Futter verbraucht oder verbrauchen es immer noch. Sollte der Imker feststellen, dass der Vorrat knapp ist, sollte auch jetzt noch kräftig zugefüttert werden. „Nicht künstliches Futter, sondern am besten Honig“, rät die Vorsitzende.

Und was können Gartenbesitzer tun, um den Bienen unter die Flügel zu greifen? „Dafür sorgen, dass im Garten viel blüht“, sagt Kutzick und zwar nicht nur in den ersten Frühlingsmonaten, sondern auch über den Sommer hinaus bis in den Herbst hinein. „Dann tut man den Bienen wirklich etwas Gutes“, sagt Lüneburgs Oberimkerin.

Von Klaus Reschke

Sperrbezirk wird aufgehoben

Teil-Entwarnung für Imker in Buchholz und Tostedt im Landkreis Harburg: Der 2016 wegen der Amerikanischen Faulbrut eingerichtete Sperrbezirk „Tostedt/Trelde/Kakenstorf“ wird am Freitag, 12. Mai, aufgehoben. Das teilt der Landkreis Harburg in einer Presseerklärung mit.

„Alle Völker im Gebiet wurden untersucht und soweit erforderlich saniert. Die Amerikanische Faulbrut kommt dort nicht mehr vor.“ Die Bienenschutz-Sperrbezirke „Neu Wulmstorf/Rosengarten“ und „Wörme“ bleiben noch in Kraft. Für Wörme wartet das Kreisveterinäramt auf die Ergebnisse für die beprobten Völker. Der Ende April 2017 verfügte Sperrbezirk „Winsen“ bleibt zum Schutz der Tiere bestehen.