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Jeden Tag unterwegs in der Natur: Die Mädchen und Jungen des Waldkindergartens Lüneburg haben viel Spaß miteinander. Foto: t&w

Waldkindergarten Lüneburg: pädagogische Pionierarbeit

Lüneburg. Wer glaubt, der Wald ist für Kinder lediglich ein großer Spielplatz, der irrt: „Ich finde es hier besonders im Frühling schön“, sagt die sechsjährige Alruna und lässt ihren Blick durch das Unterholz schweifen, „dann setze ich mich hin und denke etwas nach.“ Und worüber genau? „Na, was ich mit meiner Freundin bei unserer Verabredung machen kann.“ Alrunas Freundin heißt Alva, ist fünf Jahre alt und auch im Waldkindergarten Lüneburg. Der feiert an diesem Sonnabend sein 20-jähriges Bestehen – als Pionier der Pädagogik im Wald.

Erziehungsform stammt aus Skandinavien

Bereits 1996 hatte sich eine Elterninitiative gegründet, um die aus Skandinavien stammende Form der Erziehung, Bildung und Betreuung ohne Dach und Wände in Lüneburg anzuschieben. Ein Jahr später ging die erste Gruppe unter Leitung von Marlis Markgraf im Hasenburger Wald an den Start – als Modellversuch auf fünf Jahre angelegt. Das ist mittlerweile Geschichte, das Konzept ist etabliert und hat längst viele Nachahmer gefunden.

Insgesamt 15 Mädchen und Jungen werden derzeit von den beiden Erziehern Jonas Pleß und Anna-Lea Tonwald bei den sogenannten Wakigakis betreut, Friedrich Siebert steht den beiden als Praktikant zur Seite. Sie alle sind von dem pädagogischen Ansatz überzeugt: „Der Wald ist der ideale Spielplatz für Kinder“, findet Pleß, „sie erleben hier hautnah den Wandel der Jahreszeiten, entdecken überall aufregende Dinge, mit denen sie sich beschäftigen können, bewegen sich viel, testen sich aus und haben einfach wahnsinnig viele Freiheiten.“

Schlechtes Wetter gibt es nicht

Ein Ansatz, der auch Simone Wulf überzeugt hat. Emma heißt ihre sechsjährige Tochter und ist bereits ihr drittes Kind, das den Waldkindergarten Lüneburg besucht: „Es gibt nichts Schöneres als den Wald“, sagt die Mutter, „das werden die Kinder in ihrem Leben so nie wieder genießen können, es sei denn, sie werden Förster oder Landschaftsgärtner.“ Hier in der Natur gebe es kein Spielzeug wie in den Regeleinrichtungen, aber doch sei alles voll davon, zudem sei die Gruppe klein, der Zusammenhalt aber enorm groß: „Alle achten aufeinander.“

Schlechtes Wetter existiert für die Wakigakis nicht – nur falsche Kleidung. Pleß erklärt: „Wenn es regnet, können wir eine Plane spannen. Sollte es wirklich mal extrem kalt sein, setzen wir uns in den beheizten Bauwagen und wärmen uns auf.“ Aber auch das ist nur eine vorübergehende kleine Pause. Tonwald sagt: „Im Winter bewegen wir uns einfach viel mehr als im Sommer, dann friert auch keiner.“

Es gibt noch freie Plätze

Heute ist es relativ warm, deshalb hat die Gruppe ihr Lager am Bach aufgeschlagen, die Kinder spielen sogar schon wieder im Wasser. Alva und Alruna haben dazu keine Lust, sie spielen lieber mit Stöcken oder nutzen die Schaukel, die Pleß zwischen zwei Ästen aufgehängt hat. Am Nachmittag werden sie sich wieder treffen – vielleicht ist Alruna bis dahin eine gute Idee gekommen, was sie unternehmen können.

▶ Der Waldkindergarten Lüneburg hat für das kommende Kindergartenjahr noch drei Plätze frei. Die Betreuung erfolgt vormittags von 8 bis 13 Uhr. Wer Interesse hat, kann mit den Erziehern einen Schnuppertag vereinbaren. Kontakt: info@waldkindergarten-lueneburg.de. Weitere Informationen gibt es unter www.waldkindergarten-lueneburg.de im Internet.

Von Ute Lühr

Geburtstagsfeier

Der Waldkindergarten feiert am Sonnabend, 13. Mai, von 11 bis 15 Uhr Geburtstag am Bauwagen im Hasenburger Wald. Eingeladen sind alle Kinder, Eltern, Ehemalige und Zukünftige, zudem alle, die Interesse an der Einrichtung und deren Arbeit haben.

Zu erreichen ist der Bauwagen über die Straße Am Eichenwald, Abzweigung rechts in den Wald und dem Weg folgend. Es gibt Ansprachen, ein kleines Theaterstück, verschiedene Stationen für die Kinder und ein Buffet.