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Christiane Scholl (64) ist seit August 2015 ehrenamtliche Geschäftsführerin des Kriminalpräventionsrates in Hansestadt und Landkreis Lüneburg. Foto: A/us

Lüneburger sollen sich sicherer fühlen

Lüneburg. „Unser herausragendes Merkmal ist unser zertifiziertes Bausteinprogramm in Kindertagesstätten und Schulen. Und unser Ziel ist es, dass jedes Kind mind estens eine Präventionsmaßnahme durchlaufen hat“, sagt Christiane Scholl. Sie ist ehrenamtliche Geschäftsführerin des Lüneburger Kriminalpräventionsrates, der heute im Glockenhaus sein 20-jähriges Bestehen feiert. Zu den Gratulanten zählt Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz. „Eigentlich ist es ein Doppel-Jubiläum“, sagt Scholl, „denn seit zehn Jahren ist der Landkreis dabei.“ Stadt und Kreis sind Träger des Präventionsrates, unterstützen ihn jährlich mit zusammen rund 7000 Euro. Die Projekte werden größtenteils über Spenden finanziert.

Jugendkriminalität gab Anstoß

Die Jugendkriminalität stieg 1997 in Lüneburg drastisch an. Viele ältere Menschen hatten Angst, überfallen zu werden. Meldungen von Raub und Gewalt verunsicherten Senioren, obwohl nur wenige Rentner Opfer von Verbrechen wurden. Die Lüneburger sollten sich sicherer fühlen. Das war damals Anstoß für engagierte Bürger und Vertreter von Polizei, Schulen, Verwaltung, Kirche und freien Trägern zur Gründung des Kriminalpräventionsrates (KPR). Heute engagieren sich mehr als 50 verschiedene Institutionen und zahlreiche Privatpersonen in den sieben Arbeitskreisen und unterstützen den Förderverein.

Das neue Logo des Kriminalpräventionsrats.

Der älteste Arbeitskreis ist der Runde Tisch gegen Gewalt in der Familie, einer der jüngsten befasst sich mit geschlechtsspezifischen Gewaltproblemen in Kindertagesstätten. Eine Untersuchung des Stadtviertels Am Weißen Turm wurde gar ins Bundesprogramm transit (Transdisziplinäre Sicherheitsstrategien für Polizei, Wohnungsunternehmen und Kommunen) aufgenommen. Christiane Scholl: „Es geht darum, schon bei der Städteplanung und beim Bau auf Prävention zu setzen. Unser Arbeitskreis ,Sicher bauen und wohnen‘ hat gerade seine Arbeit aufgenommen.“

Experten des Landeskriminalamtes hatten sich 2016 auf den Weg nach Lüneburg gemacht, um gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Urbanistik den Weißen Turm und das Mittelfeld unter die Lupe zu nehmen. Untersucht wurde, welche Bereiche von Bewohnern als unsicher empfunden werden, sogenannte Angst-räume sind, und was Gefahrenorte sind, an denen es tatsächlich zu Kriminalität kommt. Die Ergebnisse der Studie sollen deutschlandweit Anwendung finden. Konkret wurde über Kriminalität hinaus nach Missständen wie Lärm, Müll und Ordnungsstörungen gesucht, die das nachbarschaftliche Miteinander stören.

Gewalt in Senioreneinrichtungen

Noch recht jung ist auch der Arbeitskreis Pflege: „Angeschoben wurde er 2015 von Kriminalhauptkommissarin Eleonore Tatge, die Bedürfnislage war da – und unser Ziel ist es, das Thema Gewalt in Senioreneinrichtungen aus der Tabuzone zu holen und in Fortbildungsveranstaltungen Standards für die Pflege zu finden“, sagt Christiane Scholl, die seit August 2015 ehrenamtliche Geschäftsführerin ist und zuvor hauptberuflich die Regionalabteilung Lüneburg der Landesschulbehörde führte. So liegt ihr auch das Wirken des Arbeitskreises Sichere Schule am Herzen, der seit 2010 als Netzwerk für Schulen, Schulträger und Schulverwaltung existiert. Weitere Arbeitskreise beschäftigen sich mit jungen Menschen und der Öffentlichkeitsarbeit.

Von Rainer Schubert

Die Ziele

Der Kriminalpräventionsrat formuliert seine Ziele so: „Wir wollen jede Form von Gewalt, Rassismus und Straftaten verhindern. Wir engagieren uns besonders für die Förderung der Zivilcourage. Schwerpunkte unserer Arbeit sind auch Suchtprävention für Kinder und Jugendliche sowie Gewaltprävention.

Wir fördern die Vernetzung von staatlichen und kirchlichen Institutionen, freien Trägern und engagierten Privatpersonen.“ Die Geschäftsführerin Christiane Scholl ist erreichbar unter (04131) 7065851 oder per E-Mail unter kpr.lueneburg@gmail.com.