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Die Kapazitätsgrenze für den Biberbestand an der Elbe ist fast erreicht. Foto: wichers

Biber breitet sich weiter aus – nicht nur an der Elbe

Lüneburg. Die Biber sind wieder heimisch geworden im Land. Biber-Hochburgen sind die Gebiete entlang von Elbe, Leine, Aller sowie Hase und Ems. Auch an der Wese r gibt es schon einige Vorkommen. „Bei landesweit etwa 110 Revieren kann man den Bestand auf rund 500 Tiere schätzen“, sagt Herma Heyken, Sprecherin des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). „Das Vorkommen in der Elbtalaue beruht auf natürlicher Zuwanderung aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt.“ Der Bestand im Emsland lasse sich auf die Ansiedlung an der Hase 1990 zurückführen.

Kapazitätsgrenze in absehbarer Zeit erreicht

„Wir sehen gute Voraussetzungen für eine stetige Weiterentwicklung des Bestandes“, sagt Heyken. An Elbe und Ems sei die Kapazitätsgrenze für den Biber-Bestand in absehbarer Zeit erreicht, eine verstärkte Abwanderung in die Nebengewässer werde erwartet.

Anders als etwa in Bayern und Brandenburg gibt es in Niedersachsen noch keine größeren Probleme. „Bislang wurden uns nur wenige Schadensfälle gemeldet, wir haben das aber im Blick“, betont Heyken. Mit der zunehmenden Ausbreitung des Bibers in Niedersachsen dürften sich auch die Konflikte zwischen Tier und Mensch häufen. Noch sieht auch das Landvolk keinen Anlass zur Sorge. „Bisher haben wir nur einzelne Meldungen, dass der Biber Schäden verursacht“, sagte Hartmut Schlepps, Umweltreferent beim Landvolk in Hannover.
Vor allem im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue ist die Wahrscheinlichkeit groß, beim Spaziergang einen Biber zu sichten. Erst 1990 sind die Tiere zurückgekehrt, seit 1819 galten sie dort als ausgestorben. „Wir gehen von rund 50 Revieren bei uns aus“, erklärt Leiter Johannes Prüter. „Im Schnitt leben darin vier bis fünf Tiere, also dürften es insgesamt 200 bis 300 Biber sein.“

DJV fordert flexiblen Schutzstatus

Das Extrem-Hochwasser der Elbe im Juni 2013 habe vor allem beim Nachwuchs für erhebliche Verluste gesorgt, so Prüter. „An Nebengewässern gibt es wegen des Dammbaus und der Grabtätigkeiten an einzelnen Stellen manchmal Probleme, aber in der Regel haben sich die zuständigen Stellen und die Grundeigentümer einvernehmlich geeinigt.“
Die einst in Deutschland fast ausgerotteten Biber sind bundesweit in vielen Regionen auf dem Vormarsch. Das belegen Zahlen des Deutschen Jagdverbandes (DJV). Demnach wird Europas größtes Nagetier in Brandenburg bereits in 41 Prozent der Reviere beobachtet. 2006 waren es nur 14 Prozent der Reviere, die Zahl hat sich also bis 2015 fast verdreifacht.

Künftig müsse es möglich sein, flexibler auf positive Bestandsentwicklungen zu reagieren und den Schutzstatus zu senken, forderte der DJV. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Wiederansiedlung der Biber vorangetrieben – in Bayern schon 1966, andere Bundesländer folgten. Bundesweit wird der Bestand heute auf mindestens 30 000 Tiere geschätzt, 20 000 leben allein in Bayern. Dort richten die Biber hohe Schäden an, fällen Bäume, untergraben Böschungen und setzen Felder unter Wasser. Mehr als 1000 Biber werden deshalb jährlich mit Sondergenehmigung geschossen.

Für die Landesjägerschaft Niedersachsen sind die Biber derzeit noch kein Thema. „Der Biber kann, wie andere Tierarten, dort zu Konflikten führen, wo er Dämme und Ufer unterminiert oder die Deichsicherheit gefährdet“, sagt Sprecher Florian Rölfing. „Größeres Konfliktpotenzial in diesem Zusammenhang geht derzeit allerdings von der Nutria aus.“ Die aus Amerika stammenden Nutrias werden auch Biberratten genannt. Sie richten große Schäden an Dämmen und Deichen an, werden in den Landkreisen Lüneburg und Lüchow-Dannenberg seit zwei Jahren verstärkt gejagt.

Von Peer Körner

One comment

  1. Tom Schulze-Helmke

    Sieht echt so aus als ob einige Interessengruppen den Artenschutz aushebeln wollen. Überall gibt es plötzlich „Problem“ Wölfe, Biber, Adler, Fischotter, Kormorane, Gänse etc. Und das trotz öffentlicher Förderung und Entschädigung. Bitte nicht wundern, wenn einige auf Jäger und Bauern sauer werden.
    FB-Gruppe „Schützt die Wölfe“