Donnerstag , 18. Oktober 2018
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Gleich legt die „Kaiser Wilhelm“ von Bleckede ab. NDR-Moderator Arne-Torben Voigts meldet sich noch einmal von Land aus, ehe es gemächlich in Richtung Hamburg geht. Foto: t&w

Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ als TV-Schauplatz

Bleckede. „Wir tun einfach so, als wenn die vielen Kameras gar nicht da wären. Wir sind doch heute genauso verantwortlich für die Sicherheit u nserer Passagiere wie an normalen Tagen.“ Markus Reich, Kapitän des historischen Raddampfers „Kaiser Wilhelm“, nimmt den Trubel auf seinem Schiff gelassen. Und auch Hans-Georg Goldenstein, Nils Rosien, Ulrich Finke und Stefan Timmann von der Deckscrew trinken wenige Minuten vor dem Ablegen noch einen Kaffee. Dabei ist der Törn, der die „Kaiser Wilhelm“ am Sonnabend von Bleckede bis zu den Hamburger Landungsbrücken führt, alles andere als normal.

Langsamkeit, Gemächlichkeit, Gelassenheit

Die „Kaiser Wilhelm“ war Schauplatz eines außergewöhnlichen Fernseh-Experiments: „Die Elbe. Ganz in Ruhe“. In einer Zeit, in der im Fernsehen schnelle Schnitte und hohes Tempo viele Reize setzen sollen, um die Zuschauer vor den Bildschirm zu locken, setzt „Die Elbe. Ganz in Ruhe“ auf Langsamkeit, Gemächlichkeit, Gelassenheit.

Neben der 20-köpfigen Besatzung und dem Fernsehteam waren rund 80 Gäste an Bord – Tickets gab es zu kaufen, einige Glückliche hatten Fahrkarten gewonnen. Sie wurden hautnah Zeugen des NDR-Experiments – die Idee: Während der gemächlichen Fahrt, als Durchschnittstempo waren 14,5 Kilometer pro Stunde eingeplant, gibt es für die Zuschauer ungewöhnlich lange Bildeinstellungen zu sehen. Die Elbe, ihre Ufer, vorbeiziehende Städte und ihre Menschen, das Schiff sind die „Hauptdarsteller“. Dazu gibt es Interviews.

Immer im Blick der Kameras: Markus Reich, Kapitän der „Kaiser Wilhelm“. Rund sechs Stunden dauert die Fahrt elbabwärts nach Hamburg, fünf Stunden dauert die NDR-Sendung. Foto: t&w

„Eine völlig verrückte Idee“

Tom Fischer, Redakteur beim NDR in Hannover, hatte die Idee zu „Die Elbe. Ganz in Ruhe“. Er erinnert sich: „Vor ungefähr einem Jahr haben wir zum ersten Mal in Lauenburg auf dem Deck der ‚Kaiser Wilhelm‘ gesessen.“ Seitdem laufen die Vorbereitungen für ein bis in alle Einzelheiten durchgeplantes Projekt: Mit 35 Mitarbeitern ist der NDR dabei, dazu kommen sechs Kameraleute externer Produktionsfirmen. Insgesamt zehn Kameras sind im Einsatz, gefilmt wird auch von einem Begleitboot und einer Drohne.

Ein Jahr lang wurde die außergewöhnliche Tour der „Kaiser Wilhelm“ vorbereitet. Vier Tage brauchten die Techniker vom NDR, um den 117 Jahre alten Schiffsveteranen für ihre Zwecke zu präparieren. Hunderte Meter Kabel wurden verlegt, mehrere Kameras wurden installiert, aus dem „Kaisersalon“ wurde ein Regieraum, von dem aus jeder Winkel der „Kaiser Wilhelm“ immer im Blick war.

Moderator an Bord ist Arne-Torben Voigts, bekannt unter anderem aus dem Magazin „Hallo Niedersachsen“. Seine erste Reaktion, als er von dem Fernsehexperiment hörte: „Eine völlig verrückte Idee“. Aber Voigts war von Beginn an Feuer und Flamme für „Die Elbe. Ganz in Ruhe“.

TV-Ausstrahlung an Pfingsten

Nicht ganz pünktlich legt die „Kaiser Wilhelm“ in Bleckede ab – erst als auch die prominenten Gäste an Bord sind, kann es losgehen. Fernsehköchin Sarah Wiener kommt, berichtet später im Interview darüber, warum sie „Slow Food“ für wichtig hält. Weltumsegler Wilfried Erdmann erzählt von monatelangen „Törns“ mit viel Zeit. „Simplify your Life“, vereinfache dein Leben, ist der Titel des Bestsellers von Lothar Seiwert. Er gibt wertvolle Tipps zum „Runterfahren“.

„Abfahrt“ ruft Kapitän Markus Reich kurz nach halb zehn, dann: „Halbe Fahrt zurück.“ Langsam gleitet die „Kaiser Wilhelm“ rückwärts, biegt nach backbord in die Elbe und macht sich mit lautem Tröten auf den Weg in Richtung Hamburg. Mehr als sechs Stunden dauert die Fahrt elbabwärts bis zu den Landungsbrücken – fünf Stunden lang dauert die Sendung „Die Elbe. Ganz in Ruhe“, die am Pfingstmontag, 5. Juni, von 12 bis 17 im NDR Fernsehen ausgestrahlt werden soll.

Von Ingo Petersen