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Bis Freitag fahren regelmäßig Züge zwischen Lüneburg und Bleckede. Die Bilanz des ersten Tages: 353 Fahrgäste. Foto: t&w

Die „S-Bahn“ auf Probe

Bleckede/Lüneburg. Montagnachmittag, 15.44 Uhr, Gleis 4 auf dem Bahnhof Lüneburg. Zwei Schülerinnen kommen die Treppe hinaufgelaufen, erwische n in letzter Sekunde den abfahrbereiten Zug nach Bleckede, steigen ein, offensichtlich geht es für die Mädchen nach einem anstrengenden Schultag nach Hause. Die Szene ist real – und hat auch Symbolcharakter: So könnte es aussehen, wenn irgendwann einmal in der Zukunft ein planmäßiger Schienenverkehr zwischen Lüneburg und Bleckede wieder aufgenommen wird.

Wiederbelebung der Bahnstrecke

Viele, die regelmäßig oder auch gelegentlich zwischen Lüneburg und Bleckede unterwegs sind, haben ihn schon lange, den Traum von einer Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen den beiden Städten. Vor 40 Jahren, im Mai 1977, war der regelmäßige Schienenpersonenverkehr zwischen Lüneburg und Bleckede eingestellt worden. Pero Schmidt, örtlicher Betriebsleiter der Bleckeder Kleinbahn, erinnert an Fahrgastzahlen von mehr als 300 000 pro Jahr noch in den 1970er-Jahren.

Die Bleckeder Kleinbahn, eine hunderprozentige Tochter der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL), wagt jetzt das Experiment „S-Bahnverkehr“ auf Probe zwischen Bleckede und Lüneburg. Die Fahrten, eine Befragung der Passagiere und anfallende Passagier-, Zu- und Ausstiegsdaten sollen die Grundlage für eine neue Studie zur Akzeptanz einer regelmäßigen Bahnverbindung zwischen Lüneburg und Bleckede sein.

„Unter den Passagieren waren Pendler, Schüler, Ausflügler und Arztbesucher. So muss es sein.“
Betriebsleiter, Pero Schmidt

Den Test möglich gemacht hatte der Eisenbahn-Oldtimer-Verein „Nebenbahn Staßfurt-Egeln“ aus der Nähe von Magdeburg. Am Sonntagabend war Lokführer Mirko Mokry nach fünfstündiger Fahrt in Bleckede angekommen. Gestern früh um 6.33 Uhr verließ er erstmals den Bleckeder Bahnhof, um 40 Minuten später in Lüneburg anzukommen.

„Einfach nur geil“

„Einfach nur geil“ findet Lokführer Mokry die Fahrten zwischen Lüneburg und Bleckede. Ihm im Führerstand zur Seite stand Pero Schmidt, der sich für den Test eine Woche Urlaub genommen hatte. Als ortskundiger „Lotse“ wies Schmidt den Gast aus Sachsen-Anhalt auf Besonderheiten der Strecke hin.

Vier Kommunalpolitiker gehörten zu den ersten Fahrgästen: Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge, Bleckedes Bürgermeister Jens Böther, Erbstorfs Ortsvorsteher Heiko Dörbaum und Walmsburgs Ortsvorsteher Wilhelm Kastens waren an Bord.

Betriebsleiter Pero Schmidt und Fahrgastbetreuer Henning Karger waren gestern zufrieden mit den ersten Zahlen des Versuchsbetriebs: Genau 353 Fahrgäste waren bei den ersten zehn Fahrten an Bord. Schmidt: „Unter den Passagieren waren Pendler, Schüler, Ausflügler und Arztbesucher. So muss es sein.“
Die Triebwagen zwischen Lüneburg und Bleckede fahren noch täglich bis einschließlich Freitag, 19. Mai. In Lüneburg (Bahnhof, Gleis 4) geht es jeweils los um 7.44 Uhr, 9.44 Uhr, 13.44 Uhr, 15.44 Uhr und 17.44 Uhr. In der Gegenrichtung ist Abfahrt von Bleckede um 6.33 Uhr, 8.33 Uhr, 12.33 Uhr, 14.33 Uhr und 16.33 Uhr. Die Züge halten auch in Neetze und Scharnebeck. Die Fahrzeit beträgt jeweils 40 Minuten.

HVV-Zeitkarten, Tageskarten, Einzelfahrausweise und das Niedersachsenticket werden anerkannt. Einzeltickets werden unterwegs verkauft, gelten nur hier. Die Einzelfahrt kostet 3,20 Euro (Erwachsene).

Von Ingo Petersen

OB Mädge ändert Meinung

Bei der ersten Fahrt der „S-Bahn“ zwischen Bleckede und Lüneburg, um 6.33 Uhr, war Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge gestern dabei. Mädge sagt nach der ersten Tour: „Die Fahrgäste, die ich unterwegs befragt habe, haben gesagt, dass sie das Angebot auch weiter nutzen würden, wenn der Zug pünktlich und schnell genug unterwegs ist.

Was mir klar geworden ist: Das Ganze kann nur funktionieren, wenn beide Strecken in Richtung Amelinghausen und Bleckede als eine Art S-Bahn fahren und wenn die Strecken ertüchtigt werden. Bleckedes Bürgermeister Jens Böther und ich sind so verblieben, dass ich den Verkehrsminister bitten werde, die Reaktivierung dieser Strecken neu zu überprüfen.

Zwar hatte ich die Reaktivierung anfangs selbst sehr skeptisch gesehen, aber hier bin ich inzwischen anderer Meinung.“

11 Kommentare

  1. Torsten Vortisch

    Der laute und wiederholte Signalton ist für die Anwohner in Streckennähe sehr störend

    • LIEBÉR Torsten wenn sich Anwohner über Zuglärm beschwerren den weiß ich nicht Warum sie an eine Bahnstrecke ziehen und nicht aufs Offene Feld wo keine Züge fahren. Auch wenn mal 2 oder 20 Jahre kein Regelmäßiger Zugverkehr statt findet ist damit zu rechnen das da mal irgendwann was fährt.

    • Die vielen Signaltöne liegen aber auch daran, dass die Strecke nicht besonders gut ausgebaut ist. Würde man hier den Personenverkehr dauerhaft reaktivieren und die Geschwindigkeit erhöhen, müsste man technische Sicherungsanlagen (Lichtzeichen/Schranken) bauen – und dann würden die Züge vor diesen Bahnübergängen auch nicht mehr Signal geben müssen.

      • Klar, alle 2 Stunden wird kurz gehupt und der Deutsche beschwert sich gleich! Verschwindet endlich, Ihr Wutbürger! Die Strecke liegt dort seit 100 Jahren… war also eher da! Solchen Typen gibt es leider nur hier und schränken permanent die Lebensqualität ein, weil sie alles verhindern wollen! Vor 10 bis 20 Jahren waren die Züge auf der Trasse auch nur am Hupen… da hat sich keiner beschwert.

    • Klar, alle 2 Stunden wird kurz gehupt und der Deutsche beschwert sich! Haut endlich ab, Ihr abstoßenden Wutbürger! Die Strecke liegt dort seit 100 Jahren… war also eher da! Solchen Typen gibt es leider nur hier und schränken permanent die Lebensqualität ein, weil sie alles verhindern wollen! Vor 10 bis 20 Jahren waren die Züge auf der Trasse auch nur am Hupen… da hat sich keiner beschwert.

  2. Klingt gut so eine S-Bahn, aber dann bitte (wie kurz angerissen) direkt weiter Richtung Amelinghausen. Stichwort Station Kuhrpark und damit die Universität ans Schienennetz anschließen.

    … Aber ich seh schon wie der Wutbürger in Lüneburg sich auch hier über den „krach“ Aufregen wird und solange auf die Straße geht bis 100m hohe Lärmschutzwände gebaut sind. Und nicht zu vergessen dass sicher irgendeine Tierart dort brüten wird und es deswegen verhindert wird.

  3. Wieso ist eigentlich der Landrat nicht dabei? Und Scharnebecks Bürgermeister? Und Vertreter vom HVV?
    Von einer Bahnverbindung würde auch der Tourismus in Bleckede profitieren. Stichwort Elbtalaue, Biosphärium, Metropolregion, Radtourismus, Elberadweg u. s. w. Bleckede wäre für Hamburger nicht mehr so „abseits“.

  4. Ich durfte bei der ersten Fahrt um 06:33 dabei sein und es hat spaß gemacht. Die Fahrzeit ist natürlich viel zu lang. Bis der Anschlusszug um 07:28 Uhr Richtung Hamburg losfährt vergeht fast eine Stunde. In einer Stunde ist man mit dem Auto (mit Glück) schon in Hamburg. Wenn die Fahrtzeit halbiert wird, dann ist die S-Bahn eine super Sache, die ich gerne täglich nutzen würde.

  5. Toll, wenn das funktionieren würde. Eine Bereicherung wäre das. Ich erinnere mich noch an meine Schulzeit, wo der Zug vom Ebensberg nach Erbstorf zur Schule ein Transportmitel war. Und an die Güterzüge zur Rübenernte. Die Strecke nach Bleckede würde sicher auch Touristen begeistern. Das Tuten des Zuges ist eine Kindheitserinnerung, die ich vermisse – mich stört das (in 2. Reihe zum Gleis wohnend) ebenso wenig, wie die Flugzeuge – beides gehört für mich dazu.

    • Nur schade, dass die S-Bahn derzeit weder am Ebensberg, noch in Erbstorf hält. Sie wäre eine sinnvolle Alternative zu der verhältnismäßigen langen Busfahrt, oder dem Auto.

      Fraglich zudem, wie es sich dann mit dem Baugebiet am Raderbach und dem dafür notwendigen Bahnübergang verhält.

  6. Pendle schon die ganze Woche mit der Bahn zwischen Neetze und LG. Dank der Möglichkeit, mein Rad mitnehmen zu können, bin ich deutlich schneller bei der Arbeit als mit dem Bus. Für mich wäre auch das Auto schon jetzt keine akzeptable Alternative mehr zum Zug.
    Auch wenn man mit einem Grundstück in direkter Gleisnähe mit Lärm rechnen muss, kann ich den Unmut über das laute Horn gut nachvollziehen. Aber das Thema ist vom Tisch, sobald die Bahnübergänge entsprechend gesichert sind.