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Ziad K. steht vorne rechts neben seinem Verteidiger. Gestern ließ er von dem Rechtsanwalt seine Einlassung verlesen. Foto: phs

Angeklagter gesteht Doppelmord von Kaltenmoor

Lüneburg. Zum Auftakt des zweiten Prozesstags bekannte sich Ziad K. schuldig. Er habe am 4. Januar 2015 seine 32-jährige Ehefrau und deren Freundin (33) in seiner Wohnung an der Adolf-Reichwein-Straße in Kaltenmoor erstochen: „Ich bedauere und bereue es zutiefst. Das ist und bleibt für mich ein böser Traum“, hieß es in seiner 44 DIN-A4-Seiten umfassenden Stellungnahme, die er von seinem Verteidiger Prof. Dr. Steffen Stern im Landgericht verlesen ließ.

Der angeklagte Iraker jesidischen Glaubens, der sein Alter mit 40 angibt, sieht eigentlich sich als das Opfer. Am Tatnachmittag soll die Freundin einen Streit angefangen haben: „Zu dieser Katastrophe ist es während eines Gesprächs gekommen. Sie hat uns Jesiden als Ungläubige bezeichnet. Das war der letzte Beweis, dass sie uns verrückt gemacht hat und für den psychischen Zustand meiner Frau verantwortlich war.“

Die Anklage geht davon aus, dass K. die Freundin nach einem gemeinsamen Gottesdienstbesuch in einer christlichen Freikirche zu sich nach Hause eingeladen hat. K. allerdings sagt: „Die Tat war nicht geplant. Die Staatsanwaltschaft geht von falschen Fakten aus.“ Der Besuch sei von den Frauen „hinter meinem Rücken“ vereinbart worden, „um mich zu einem Glaubenswechsel zu bewegen“. Seine Frau war da schon lange von zu Hause ausgezogen und zum christlichen Glauben konvertiert. An dem Nachmittag sei über die Trennung des Paares gesprochen worden. Die Freundin habe ihm gesagt: „Wenn Ihr Euch trennt, musst Du die Wohnung verlassen“ – und dass die Kinder bei der Frau bleiben würden.

Auf die Stiche und Details der Tat ging er nicht ein, er könne sich nur noch daran erinnern, dass er zwei Messer aus der Küche geholt habe und es zu einem Handgemenge gekommen sei – und dass beide Frauen leblos im Flur lagen. Da sei er zu einem Bruder gefahren. Zumindest seine Frau hat noch gelebt, auch noch, als die Notärztin eintraf, wie diese gestern schilderte.
Sein Eheleben bezeichnete der damals als Hilfskoch in einer Gaststätte arbeitende K. als glücklich, „es war die große Liebe“. Bei einer Hochzeit lernte seine Frau die Christin kennen, die ebenfalls in Kaltenmoor wohnte: „Sie wusste nicht, dass die Menschen missioniert.“

Seine Frau habe sich nach und nach verändert: „Sie wirkte traurig, klagte, dass sie zu nichts mehr Lust habe.“ Um ihre drei Kinder habe sie sich nicht mehr gekümmert. „Ihr Zustand hatte mit ihrem Glaubenskonflikt zu tun. Sie wusste, dass der Ruf beschmutzt ist, wenn jemand aus dem jesidischen Glauben austritt.“ Sie habe regelmäßig einen Psychiater oder Psychologen aufgesucht. Ihr „sehnsüchtigster Wunsch“ sei es gewesen, „dass auch ich Christ werde“. Das Abwenden seiner Frau vom jesidischen Glauben sei für ihn „kein Grund zum Jubeln“ gewesen, er selbst habe aber nicht wechseln wollen, auch wenn er nicht streng gläubig sei: „Ich esse auch Schweinefleisch.“

Ein Urteil könnte im September gesprochen werden.

Von Rainer Schubert